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Bitte einpacken! © Panthermedia.net/Feng Yu

Mitnahme 82% der Gäste würden ihre Essensreste mit nach Hause nehmen, wenn ihnen diese Möglichkeit aktiv vom Betrieb angeboten und eine angemessene Transportmöglichkeit zur Verfügung gestellt wird.

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Mitnahme 82% der Gäste würden ihre Essensreste mit nach Hause nehmen, wenn ihnen diese Möglichkeit aktiv vom Betrieb angeboten und eine angemessene Transportmöglichkeit zur Verfügung gestellt wird.

Nataša nikolić 15.04.2016

Bitte einpacken!

Lebensmittelverschwendung: 60% der Österreicher empfinden es nicht als unangenehm, Essen im Restaurant übrig zu lassen.

••• Von Nataša Nikolic

WIEN. Empfinden Sie es als unangenehm, wenn Ihnen im Restaurant Essen im Teller übrig bleibt, weil die Portion zu groß oder der Hunger zu klein ist? Falls „ja”, dann sind Sie Teil einer Minderheit. Denn einer österreichweit repräsentativen Konsumentenbefragung von MindTake Research im Auftrag von United Against Waste (UAW) zufolge haben 60% der Österreicher kein Problem damit, wenn sie außer Haus essen und ihnen Speisereste übrig bleibt.

„Dass die Mehrheit es nicht als unangenehm empfindet, wenn Essen übrig bleibt, zeigt, dass es noch immer zu wenig Problem­bewusstsein bei den Gästen gibt”, sagt Hildegard Aichberger, Leiterin der ORF-Umweltinitiative Mutter Erde, die sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen für Lebensmittel zu sensibilisieren und sie an ihren Wert zu erinnern.

Bewusstseinsbildung

„Speisen, die am Teller oder am Buffet übrig bleiben und entsorgt werden müssen, machen in der Außer-Haus-Verpflegung einen wesentlichen Teil der vermeidbaren Lebensmittelabfälle aus”, sagt Josef Pirker, Geschäftsführer von AGM und Mitbegründer von UAW. „Hier spielen die Erwartungen der Gäste zum Beispiel hinsichtlich der Portionsgrößen oder der Vielfalt des Angebotes eine wichtige Rolle.”

Essen wird u.a. deswegen nicht mitgenommen, da so wenig übrig bleibt, dass es sich kaum lohnt, es einpacken zu lassen. Die Umfrage kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Befragten die Portionsgrößen über alle Betriebstypen hinweg als „gerade richtig” empfindet. Der Anteil jener Befragten, die die Portionen als zu groß empfinden ist bei Frauen (34%) deutlich höher als bei Männern (22%). Mit 35% empfinden auch mehr ältere Personen (zwischen 60 und 80 Jahren) die Portionen eher zu groß als jüngere (22% bei den 30- bis 39-Jährigen). „Diesen Unterschied zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen sehen wir auch bei der Einstellung: Das Motto ‚Lieber zu viel am Teller als zu wenig' gilt vor allem für Männer. Diese stimmen mit 57% der Aussage deutlich öfter zu als Frauen mit 44%. Ebenfalls ist die Zustimmung zu dieser Aussage bei jüngeren Personen wesentlich höher als bei älteren”, erklärt Pirker.

Aktiv statt passiv

Erfreulich ist, dass die Österreicher zumindest für Maßnahmen zur Reduktion von Lebensmittelabfällen offen sind. Eine davon ist die Bereitschaft, Essensreste aus dem Restaurant mitzunehmen; sie ist größer, wenn diese Möglichkeit vom Betrieb aktiv angeboten und eine angemessene Transportverpackung zur Verfügung gestellt wird. Außerdem haben 83% der Befragten Verständnis dafür, wenn in einer Kantine oder einem Betriebsrestaurant gegen Ende der Öffnungszeiten nicht mehr alle Speisen verfügbar sind. Bei Buffets sind immerhin 78% verständnisvoll, wenn nicht mehr alles bis zur letzten Minute erhältlich ist. Auch wünscht sich die Mehrheit (60%), zwischen Portionsgrößen und Beilagenzusammenstellung selber wählen zu dürfen.

„Die Befragung zeigt deutlich, dass Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung bei den Gästen auf positive Resonanz stoßen”, sagt Aichberger. Darauf könnten Verpflegungsbetriebe aufbauen und dementsprechend ihr Angebot anpassen. Von den Gästen wünscht sich Aichberger, dass sie aktiver werden, indem sie zum Beispiel nach kleineren Portionen oder nach Mitnahmemöglichkeiten fragen, wenn der Hunger einmal nicht so groß ist.

Maßnahmen kommunizieren

Die Initiative fordert Betriebe außerdem dazu auf, ihr Engagement gegen Lebensmittelverschwendung auch zu kommunizieren, denn die Reduktion von Lebensmittelabfall liegt mit 35% neben den Aspekten Regionalität (52%), Saisonalität (47%) und Engagement für die Mitarbeiter (43%) unter den meistgenannten Nachhaltigkeitsthemen, zu denen sich der Gast ein Engagement von Verpflegungs- und Tourismusbetrieben erwartet. „Es kommt bei den Kunden also gut an, wenn man aktiv seine Maßnahmen zum sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln kommuniziert”, so Pirker.

Neben der Portionsgröße, die vor allem in Restaurants ausschlaggebend ist für übrig gelassenes Essen, ist in Kantinen und Gesundheitseinrichtung vorrangig, dass das Essen nicht schmeckt – dort bleibt auch insgesamt betrachtet mehr Essen übrig als in Restaurants und Gaststätten.

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