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Boss & Co setzen stärker auf „konzerneigenen Einzelhandel” © Hugo Boss/De Fotomeisjes
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07.05.2015

Boss & Co setzen stärker auf „konzerneigenen Einzelhandel”

Unter Druck Die Modehändler haben’s heutzutage nicht leicht: Monobrand-Stores verdrängen, besonders in den Innenstädten, zusehends den klassischen Textilhändler.

Düsseldorf/Wien. Tom Tailor, s.Oliver, Gerry Weber, Hugo Boss, Tommy Hilfiger – immer mehr Modemarken nehmen das Verkaufen selbst in die Hand. In den Innenstädten verdrängen die Markenshops der Hersteller Boutiquen und Modehäuser.

„Die Markenstores sind auf dem Vormarsch”, konstatiert entsprechend Axel Augustin vom Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE). Eine Untertreibung: Hugo Boss etwa macht bereits 57% seines Umsatzes im „konzern-eigenen Einzelhandel”. Laut Claus-Dietrich Lahrs, dem Boss von Boss, sollen 2020 bereits 75% der Umsätze aus den eigenen Filialen kommen.
Der Strukturwandel spielt sich aber nicht nur im preislichen High-End ab. Der westfälische Textilhersteller Gerry Weber etwa ist bei den Preisen seiner Kollektionen bodenständig, die Wachstumspläne für eigene Verkaufsgeschäfte sind indes himmelsstürmend. Deren Umsatzanteil soll nämlich von 47,5% innerhalb von zwei Jahren auf 60 bis 70% steigen.

Zara hat’s vorgemacht

Auslöser für die Offensive der Hersteller war nach Angaben von Thomas Rasch vom Herstellerverband GermanFashion nicht zuletzt der Erfolg von Modeketten wie H&M oder Zara, die den Modehandel drastisch veränderten. Das Geheimnis ihres Siegeszuges lag darin, dass sie „vom Schaf bis zum Shop” alle Wertschöpfungsstufen in einer Hand vereinten – und damit die Ware schneller und billiger in die Geschäfte brachten.
Opfer der Veränderung auf dem Modemarkt sind klassische Boutiquen und Modehäuser, die Produkte verschiedener Hersteller anbieten. Ihre Zahl schrumpft kontinuierlich. Gab es im Jahr 2000 noch mehr als 35.000 Textilhändler in Deutschland, so ist ihre Zahl inzwischen nach Angaben des BTE auf unter 20.000 gesunken. Die Zukunft dürfte somit jenen Unternehmen gehören, die Herstellung und Verkauf in einer Hand vereinen – das steht für höhere Effizienz, sprich: schnellere Kollektionswechsel und letztlich zusätzliche Gewinne.
Dieser Alleingang der Hersteller sorgt bei jenen Modehändlern für böses Blut, die deren Marken im Programm haben. „Oft wird vor der Eröffnung der Markenstores gar nicht Bescheid gegeben”, berichtet BTE-Sprecher Augustin. Auch das Wettbewerbsverhalten der Hersteller gebe Anlass für Verärgerung. „Etwa wenn die neue Ware zuerst an die eigenen Stores geliefert wird und erst etwas später an die anderen Händler.” Weiters machen frühzeitige Rabattaktionen in den Markenshops den klassischen Händlern Probleme.(nov/APA)

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