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„Bücher muss man spüren und riechen!” © Thalia Buch und Medien/APA-Fotoservice/Schedl (2)
© Thalia Buch und Medien/APA-Fotoservice/Schedl (2)

christian novacek 14.04.2017

„Bücher muss man spüren und riechen!”

Der neue Thalia-Geschäftsführer Thomas Zehetner will Bücher aufwerten und dadurch konkurrenzfähiger werden.

••• Von Christian Novacek

Das Buch der Thalia-Story schlägt ein frisches Kapitel auf: Mit Geschäftsführer Thomas Zehetner hat sich das Unternehmen mit dem Geschäftsleitungskreis um die Prokuristen Andrea Heumann, Andreas Czech und Maximilian Joven neu aufgestellt. Alles langjährige Führungskräfte aus eigener Reihe; letztlich steht der Wechsel des ehemaligen Chefs Josef Pretzl in den Aufsichtsrat gleichfalls für Kontinuität.

Eine neue Führungsriege steht aber dennoch immer für eine dezente Neugewichtung in der Strategie: „Besonders wichtig für Thalia.at ist die Aufwertung des hochwertigen Buchs, denn nur wenige Produkte vermitteln so viel Geschichte, wie ein traditionell gebundenes Buch und sind gleichzeitig so langlebig, also nachhaltig”, erklärt Zehetner. Es mache eben Freude, ein Buch anzufassen oder halt reinzuschnuppern. Ergo soll in den 35 österreichischen Filialen von Thalia – derzeit sind keine Neueröffnungen geplant – verstärkt das schöne und hochwertige Buch in den Vordergrund rücken.
„Das gebundene Hardcover steht für Genuss und Lesekultur”, sagt Zehetner. „Das Lesezimmer ist ein Raum des Genusses, und nichts spricht dagegen, neben dem Sehsinn das Haptische von qualitätsvollen Büchern (be)greifbar zu machen.” Thalia steigt gern in die Tiefen des Büchermeeres: In den Häusern in Wien und Linz sind mehr als 100.000 Bücher vorrätig – das Neueste der großen und bekannten Autoren ebenso wie literarische Geheimtipps.
Um einen glaubhaften Gegenpol zu den reinen Online-Händlern zu setzen, „muss das Buch im stationären Handel in einem hochwertigen Ambiente präsentiert werden”, so Zehetner.

Gelungene Symbiose

Grundsätzlich kann er sich zwischen eBook und bestens geleimter Schwarte eine sinnvolle Symbiose vorstellen. Vorbildfunktion mag hier der vinyle Plattenmarkt spielen: „Der Vergleich mit dem Vinylmarkt ist für mich sehr stimmig”, sagt ­Zehetner, „dort wurde ein Medium scheinbar bereits abgeschafft und kam stark wieder.” Der am Plattenmarkt Usus gewordenen Verschränkung von digital und analog (sprich: der gekauften Schallplatte wird eine Downloadcode beigelegt) kann er für den Büchermarkt einiges abgewinnen: „Wir müssen Bücher aufwerten, und das wäre ein möglicher Schritt”, antwortet er auf die medianet-Frage. Und setzt nach: „Wir sind bereits in strategischen Gesprächen mit unseren Lieferanten.”

Wege zum Erfolg

Der Thalia-Erfolgsweg schlingt sich über mehrere Pfade: Der Bücherfreund kann seine Freundschaft über die Buchhandlung vor Ort, den Online-Shop www.thalia.at oder die digitale tolino-Bücherwelt pflegen. „Dabei steht das Service im Vordergrund”, betont Zehetner; „so können im Onlineshop Bücher reserviert und bereits zwei Stunden später in der Thalia-Buchhandlung abgeholt werden.” Den Markt der illegal erworbenen eBooks hält Zehetner in seiner Größe übrigens für überschaubar.

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