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Datenklau im Digital Retail nimmt klar zu © panthermedia.net/Andreus
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christian novacek 12.05.2017

Datenklau im Digital Retail nimmt klar zu

Laut Studie der Wirtschaftsauskunftei CRIF ortet die Hälfte der heimischen Onlinehändler einen Anstieg der Betrugsfälle.

••• Von Christian Novacek

Die Zahl der Online-Shops steigt und steigt. Mit der wachsenden Nachfrage und wachsendem Umsatzvolumen nehmen aber auch die Betrugsversuche zu. Das bestätigt das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der österreichischen Gruppe von Wirtschaftsauskunfteien, CRIF (gegründet in Italien, steht für Centrale Rischi Finanziari S.p.A.). Ihr zufolge waren alle der in Deutschland und Österreich tätigen Online- und Versandhändler schon einmal von Betrug betroffen: In der Schweiz waren es sogar 95%.

Die Hälfte der befragten österreichischen Händler (Deutschland 55%, Schweiz 45%) ortet einen Anstieg der Betrugsfälle innerhalb der letzten drei Jahre – acht Prozent der österreichischen Händler meinen gar, dass die Entwicklung stark angestiegen sei. In Deutschland sind sogar 30% dieser Meinung (Schweiz: 14%).

Der Schaden wächst

„eCommerce wächst – und der Betrug wächst mit. Betrugsversuche werden immer professioneller, bandenmäßiger, organisierter und somit vom Schaden her immer größer”, erläutert ­Boris Recsey, Geschäftsführer von CRIF Österreich. Als besonders anfällig gilt der Kauf auf offene Rechnung. Dabei gehen nämlich die Händler in Vorleistung und wissen nicht, ob der offene Zahlungsbetrag tatsächlich beglichen wird. „Als Wirtschaftsauskunftei können wir dabei helfen, Kunden zu identifizieren und Informationen zu deren Zahlungsverhalten zur Verfügung stellen”, sagt Recsey. Der erhebliche Vorteil dabei sei: Jenen Online-Shop-Betreibern, die im D-A-CH-Raum länder­übergreifend agieren, kann CRIF Checks zu allen drei Ländern aus einer Hand anbieten.

Gestohlene Zahlungsdaten

Die befragten heimischen ­Online- und Versandhändler sind am häufigsten von der ­Angabe gestohlener Zahlungsdaten sowie von Identitätsdiebstahl betroffen. So waren 75% der österreichischen Unternehmen bereits damit konfrontiert, dass ein Kunde gestohlene Zahlungsdaten angeben hatte (D: 55%, CH: 23%). Satte 67% der österreichischen Händler sagen, dass vom Besteller die Identität einer fremden Person verwendet wurde (D: 85%, CH: 70%), und bei 42% trat sogar der Fall ein, dass eine gänzliche falsche Identität angegeben wurde (D: 70%, Schweiz: 44%). Bei 58% der heimischen Online- und Versandhändler kam es vor, dass Kunden falsche Namens- oder Anschriftdaten verwendeten (D: 82%, CH: 81%). Bei gleichfalls 58% hatte der Kunde den Erhalt der Ware abgestritten, obwohl diese geliefert wurde (D: 61%, CH: 44%).

Während es in der Schweiz (91%) und in Deutschland (88%) am häufigsten vorkommt, dass dem Besteller bereits beim Kauf bewusst war, dass er die Rechnung nicht begleichen konnte, machten diese Erfahrung nur 42% der österreichischen Händler. „Der Online-Handel ist ein Distanzgeschäft – Verkäufer und Käufer schauen sich dabei nicht in die Augen. Die Hemmschwelle auf Käuferseite – vor allem durch Privatpersonen – sinkt daher und macht den Online-Handel so anfällig für Betrugsversuche”, so Recsey.

5.000 Euro Verlust

Die Masche eines Betrügers zu durchschauen, ist für Online-Händler nicht einfach, aber wichtig. Wenn es durch Betrug zu Zahlungsausfällen kommt, entstehen für sie hohe Kosten. Zwar lag für den Großteil (A: 83%, D: 82%, CH: 76%) der befragten Online- und Versandhändler aus dem D-A-CH-Raum der höchste Verlustbetrag bei unter 5.000 €, aber für kleine Unternehmen kann so etwas bei häufigem Eintreten durchaus finanzielle Schwierigkeiten bedeuten.

Gefragt nach dem Verlustbetrag der letzten zwölf Monate, lag dieser für 55% der österreichischen (D: 24%; CH: 49%) unter 5.000 €. Die meisten deutschen Unternehmen (30%) verzeichneten Verlustbeträge zwischen 10.000 und 50.000 € (A: 9%, CH: 22%).
In vielen Fällen könnten Betrugsfälle jedoch verhindert werden. Voraussetzung: Auffälligkeiten müssen rechtzeitig erkannt werden. Der Großteil der befragten Unternehmen (A: 75%, D: 97%, CH: 91%) führt Maßnahmen zur Erkennung von Online-Betrug durch. 18% der heimischen Händler verlassen sich dabei auf externe Dienstleister (D: 12%, CH: 2%). Der Großteil der österreichischen (83%) und deutschen (58%) Unternehmen plant weitere Maßnahmen zur Betrugserkennung; in der Schweiz sind es hingegen nur 48%. Als größte Schwierigkeit geben 67% der befragten österreichischen Händler das Erkennen von Risiken an. Für die deutschen und Schweizer Unternehmen ist die größte Schwierigkeit die Bestimmung von risiko- und kundengerechten Methoden zur Vorbeugung von Betrug. „Um Online-Betrug zu vermeiden, ist es wichtig, ­potenzielle Kunden vorab zu identifizieren”, erläutert Recsey.

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