RETAIL
die finstere brille
natalie Oberhollenzer 02.06.2015

die finstere brille

Neulich beim Hofer. Eine ältere Dame steht vor mir in der Kassenschlange. Als sie drankommt, passiert das Übliche: Die Kassiererin, die ja schnellschnell machen muss, zieht in Lichtgeschwindigkeit ein Produkt nach dem anderen über den Scanner. Die Rentnerin versucht, ihren Einkauf so schnellstens wieder in ihr Wagerl zu verfrachten. Doch sie kommt nicht nach, schaut verwirrt und überfordert drein und entschuldigt sich sogar bei mir. Gar kein Problem, versuche ich zu beschwichtigen und frage mich, warum es solch unwürdige Verhältnisse in einem Lebensmittelgeschäft geben muss. Was soll dieses Stressklima? Ein jeder, der in der Schlange steht, wird offenbar davon angesteckt. Muss das sein? Mitnichten – wie ein Blick in den Süden zeigt. Neulich in Lissabon, in einem Saída-Markt, stellte ich mich 20 Minuten an, nur um einen Saft und ein Päckchen Kaugummis zu bezahlen. Blöd, aber irgendwie auch wieder wurscht. Denn der Kassierer hat den betagteren Klienten jedes einzelne Produkt in ein Einkaufssackerl eingeräumt. Er schien seinen Job ganz gern zu machen. Die übrigen Kunden schien die Warterei nicht zu stören. In der Schlange wurde derweil ganz entspannt geplänkelt und herumgewitzelt. n.oberhollenzer@medianet.at

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