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die finstere brille
christian novacek 07.07.2015

die finstere brille

Was immer schlecht war in meinem Leben: Vorschnell Ja ­sagen. Das hab ich bald gecheckt und es hat mental einiges verändert. Vom Vorzugsschüler mit lauter Einsen mutierte ich quasi über Nacht zum Experten für Entscheidungsprüfungen zwischen 4 und 5. Unter anderem in Musik. Sowieso in Philosophie. Als meine Eltern für den EU-Beitritt stimmten, war ich dagegen – eh klar, weil damals machte Udo Jürgens für die EU Stimmung und den mochte ich nie. Als dann unlängst das EU-Austrittsvolksbegehren auflag mit der Aufforderung zum österreichischen EU-Austritt – tja, da war ich natürlich voll dagegen. Weil jetzt bin ich für die EU und gegen das Volksbegehren. Aber jetzt, wo die Griechen mit einem Nein gegen das überfordernde Sparprogramm votierten – sag ich erstmals seit Langem: Ja! Zum großartigen Nein. Ein lebens­bejahendes Nein statt eines dahinsiechenden Ja – jeder Menschenfreund müsste das unmittelbar einsehen. Eventuell sind halt die Menschenfeinde in der Überzahl. Sagen in ersten Reaktionen gleich, dass das Nein nix ändert – eher müsste man nun noch strenger vorgehen. Auch schön, so ein Untergang in Würde – aber nicht unter­gehen wär schöner. Oder? c.novacek@medianet.at

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