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Ein trauriger Tag für Kuh und Bauer © IG Milch

IG Milch-Sprecher Ewald Grünzweil erhofft sich Lösungen vom Milch-Dialog.

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IG Milch-Sprecher Ewald Grünzweil erhofft sich Lösungen vom Milch-Dialog.

Christian Novacek 03.06.2016

Ein trauriger Tag für Kuh und Bauer

Zum Weltmilchtag kritisiert die IG Milch den derzeitigen Überproduktionswahnsinn und erhofft sich vom Milch-­Dialog einen Start für einen neuen Weg.

••• Von Christian Novacek

WIEN. „Heuer ist der Weltmilchtag ein trauriger Tag”, leitet Ewald Grünzweil die Pressekonferenz der IG Milch diese Woche ein. „Wir Milchbauern stecken in einer tiefen, existenzbedrohenden Krise.” Und im Nachsatz: „Das ist ganz grauslich!” Überproduktion und Expansionszwang haben Bauern an den Rand ihrer Existenzmöglichkeit geführt. Die Trendumkehr sei nicht absehbar und die Strukturbereinigung voll im Gange. Aber prinzipiell gelte: Wir können das Problem selber lösen!

Es braucht eben keinen EU-Milchkonsens, keine Rückkehr zur Quotenregelung, sondern eine Reduzierung der Menge im österreichischen Alleingang. Dieser würde mit der Bereitschaft der Molkerein stehen und fallen: „Die Molkereien können eine Mengenbegrenzung beschließen”, meint Grünzweil und betont die Machbarkeit: „Zehn Prozent weniger Anliefermenge, das geht in wenigen Wochen!”

Verarbeiter spielen nicht mit

Allerdings dürfte den Milchverarbeitern dieser Lösungszugang kaum attraktiv dünken. Berglandmilch-Chef Josef Braunshofer bezeichnet den Vorstoß der IG Milch als „Hüftschuss” und Johann ­Költringer, Geschäftsführer der Vereinigung der Milchverarbeiter, stößt ins Horn jener, die das Heil der Bauern in der Biomilch und in der Produktion von Spezialsorten verankert sehen.

Abgesehen davon, dass, wenn alles Bio ist, Bio weniger lukrativ sein wird, gibt es für den kleinbäuerlichen Betrieb in der Bio-Idylle Bruchstellen: Molkereien fahren Bauernhöfe nämlich nur ab einer gewissen Größe an, die Kleinen Biobauern blieben somit wortwörtlich auf der Strecke.
Dennoch ist bei aller Verzagtheit der Hoffnungsschimmer mit am Traktor. Denn, so Grünzweil: „Der Milchdialog ist in der Gesellschaft angekommen. Er wird in Österreich auf breiter Basis geführt, wir hoffen daher auf den Start für einen neuen Weg!”

Alles super im LEH?

Während nun Produzenten bzw. Molkereien seitens der Bauern zusehends in die Kritik geraten, weil sie die Mengenkontrolle in der Hand hätten, diese aber gar nicht so gern in die Hand nehmen, bleibt der LEH in der Kritik außen vor. Das ist insofern erstaunlich, als das Preisdumping beim Liter Milch einer der in Stein gemeißelten Vorwürfe den Händlern gegenüber war. Seitens AMA werden die Milch-Aktionen als „Impulse für den Markt betrachtet”, und seitens IG Milch zeigt man sich erfreut darüber, dass hierzulande die Preise bei den Diskontern Hofer und Lidl über dem desaströsen deutschen Niveau liegen.

Einschränkend wurde aber auf der IG Milch-Pressekonferenz festgehalten, dass nicht der Konsument mit seiner Kaufentscheidung den Milchpreis macht, sondern sehr wohl der LEH die Kaufentscheidung mitbestimmt.

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