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Fleischkonsum ganz ohne schlechtes Gewissen? © Berger Schinken

Rudolf Berger leitet Berger Schinken gemeinsam mit Schwester Gaby Kritsch (links), Mutter Herta und Gattin Claudia (rechts).

© Berger Schinken

Rudolf Berger leitet Berger Schinken gemeinsam mit Schwester Gaby Kritsch (links), Mutter Herta und Gattin Claudia (rechts).

Nataša nikolić 12.06.2015

Fleischkonsum ganz ohne schlechtes Gewissen?

Berger Das neue System SUSi macht alle Vorgänge entlang der Produktionskette nachvollziehbar und bringt Transparenz

Konsumenten haben Macht, mittels Kaufentscheidung für mehr Tierwohl zu sorgen, sagt Rudolf Berger.

Sieghartskirchen. Vor 30 Jahren hat es kaum jemanden interessiert, wie das Schweinderl gelebt hat oder wie es dem Rind in seinen letzten Stunden, bevor es zur Schlachtbank musste, ergangen ist. Heute hat sich dies, zumindest in der Theorie, gebessert; praktisch ist es dann aber doch eine Preisfrage, die entscheidet, ob Biofleisch im Einkaufswagen landet oder eine billigere Alternative. Das bestätigt u.a. der geringe Marktanteil von Bio- Schweinefleisch von lediglich 2%.

„Die Menschen wollen mit gutem Gewissen Fleisch essen”, ist sich Gaby Kritsch, Verantwortliche für Marketing und Verkauf bei Berger Schinken, sicher. Um den Konsumenten das Gewissen zu erleichtern, hat das Familienunternehmen, das heuer sein 125-jähriges Bestehen feiert, einiges geplant.

Initiative für mehr Tierwohl

Ein gutes Gefühl sollen Fleischesser unter anderem durch ausreichend Information (u.a. darüber, wie das Tier gelebt hat) erhalten, erklärt Rudolf Berger, der das Unternehmen in vierter Generation leitet. Der Betriebswirt hat es sich zum Ziel gesetzt, innerhalb des Projekts „Regional-Optimal” zu einem Vorzeigebetrieb im Bereich Tierwohl und nachhaltiger Fleischproduktion zu avancieren.
Als erster Schritt wurde in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur (BOKU) eine mit 30.000 € dotierte Animal Welfare- Stiftung gegründet. „Wir haben eine Verantwortung den Tieren gegenüber und wollen die Nutztierhaltung tiergerechter gestalten”, so Berger. Dazu wird u.a. auf das Kupieren von Schwänzen bei Schweinen verzichtet sowie auf kurze Transportwege von nicht mehr als 50 km geachtet. Berger weiß, dass dieses Unterfangen eine gemeinsame Vorgehensweise von Produzenten und Konsumenten braucht: „Wer es ernst meint mit dem Tierschutz, kann sich bewusst für Produkte entscheiden, bei deren Erzeugung höhere Standards angelegt werden.”

Politik verschläft Trends

Rudolf Berger zufolge führen schon einfache Schritte zu gro-ßen Verbesserungen in der Tierhaltung, doch deren Förderung verschläft die österreichische Regierung bisweilen. „Während in Deutschland durch die ,Initiative Tierwohl' in Kooperation mit der Landwirtschaft und dem Handel bereits konkrete Verbesserungen in der Tierhaltung umgesetzt werden, gibt es in Österreich lediglich Einzelinitiativen”, kritisiert Berger.

SUSi bringt Transparenz

Nach dem Vorbild der deutschen Nachbarn fordert der Schinkenexperte höhere finanzielle Entschädigungen für Landwirte, die Kriterien für mehr Tierwohl erfüllen und kehrt zuerst vor der eigenen Türe. „Um den Konsumentenwünschen nach lückenloser Nachvollziehbarkeit zu entsprechen, haben wir ein modernes System aufgesetzt und installiert”. Dieses System hört auf den Namen SUSi und ist bereits bei zehn von 40 Regional-Optimal-Lieferanten, die Berger beliefern, installiert. SUSi dokumentiert von den Stalldaten des Mastbetriebs und Tierbewegungen über Futtermittelzukäufe und eventuelle Medikamenteneinsätze bis hin zu Schlachtdaten alle Vorgänge in der Produktionskette.
Für Berger ist SUSi eine Absicherung und Rechtfertigung, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Diese Transparenz soll allen voran das Kundenvertrauen in das Unternehmen stärken. Den Mastbetrieben bringt es, neben einem erheblichen Mehraufwand, den Berger aber abgelten will, auch Feedback über die Tiergesundheit, womit Nachbesserungen leichter möglich sind.

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