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Getränke-Trend 2017: Weniger Zucker © Panthermedia.net/Lev Dolgachov
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Ornella Luna Wächter 14.07.2017

Getränke-Trend 2017: Weniger Zucker

Damit auch zuckerhältige Getränke im Sommer zu Durstlöschern werden, spart die Branche an Kalorien.

••• Von Ornella Luna Wächter

33,2 kg Zucker werden in Österreich jährlich pro Kopf konsumiert (Stand: 2015/16, Statistik Austria). Der Konsum ist damit leicht zurückgegangen – 2012 waren es 4 kg mehr. Damit scheint das Bild, der Zuckerkonsum in der Gesellschaft würde sinken, zu stimmen. Dividiert man die 33 kg durch die Anzahl der Tage im Jahr, ergibt das den Tageskonsum. Das hat auch die Statistik Austria gemacht. Und es zeigt, dass der tägliche Konsum noch immer zu hoch ist. 93 g Zucker konsumiert demnach ein durchschnittlicher Österreicher am Tag.

Der Trend hin zu bewusster Ernährung und zu gesunden, unverarbeiteten Lebensmitteln ist in der Marktforschung (u.a. der AMA-Marketing) klar zu erkennen. Dennoch ist der Konsum noch immer zu hoch. Am sogenannten Haushaltszucker liegt es nicht, dieser wird nur in geringen Mengen verbraucht. Es liegt daran, dass noch immer zahlreiche Lebensmittel Indus­triezucker enthalten. Dieser ist in allen möglichen Produkten verarbeitet – in Konserven, in Backwaren, in Milchprodukten, vor allem aber auch in Getränken wie Soft-Drinks, Fruchtsäften und Limonaden.

Neue Verpackung & Rezeptur

68% der Österreicher trinken zumindest fallweise Fruchtsäfte, rund 58% Limonaden. Als Durstlöscher gelten sie aber für die wenigsten; lediglich 33% würden dazu einen Fruchtsaft trinken. Als erfrischender Durstlöscher in den heißen Sommermonaten wollen Getränkeproduzenten natürlich trotzdem gelten. Bei einigen Produzenten wird vor diesem Hintergrund vor allem an zwei Schrauben gedreht: An der Verpackungsgröße, weil die Menschen generell mehr unterwegs sind.

„Der Konsum der verschiedenen Getränkesegmente hängt von der jeweiligen Situation ab”, sagt zum Beispiel Margareta Seiser, Marketingleiterin des Herstellers Egger-Getränke . Das „hybride Verhalten” ist für Produzenten damit eine Herausforderung. Für den Konsum „on the go” eignen sich deshalb vor allem die Halbliter-PET Flaschen. Und darum gibt es ein und dasselbe Produkt, wie die Hausmarke Granny’s Apfelsaft, in unterschiedlichen Gebindegrößen und Verpackungsformen – „bis hin zum Sportlerverschluss”.
Die zweite, viel größere Schraube ist allerdings die Rezeptur. Um auf die Vorzüge von gespritztem Apfelsaft als Durstlöscher aufmerksam zu machen, wurde beim Hersteller Egger dafür die isotonische Version Granny’s Sport eingeführt. Bei anderen Produkten wurde der Zucker um 1,2 g pro 100 ml reduziert. So gibt es nun das Radlberger Orange Zuckerfrei. Betont wird der Relaunch des Getränks mit einer schlanken Slim Can. Die Neueinführung beider Produkte scheint auch zu funktionieren: Beide Marken „verzeichnen ein zweitstelliges Umsatzplus”.

Weniger Zucker ist gefragt

Mitbewerber Spitz, der für seine Fruchtsaft- und Sirups bekannt ist, hält seit Juni 2017 ebenfalls Neuheiten bereit. Die Veränderungen passierten in Anlehnung an die steigende Nachfrage nach gesunden, zuckerreduzierten Getränken. „Der Trend zur bewussten Ernährung steigt”, sagt Marketingleiterin Jutta Mittermair. Die neuen Sorten Multifrucht „Biene Maja”, Kirsche „Prinzessin Emmy” und Apfel-Johannisbeer „Wickie” sollen die „gesündere Alternativen zu Limonaden sein. Auch hier wird das Getränk nun in kompakten 330 ml PET-Flaschen angeboten und es ist „frei von zugesetztem Zucker”.

Dem Zucker auf der Spur

Je nach Produzent enthalten Getränke unterschiedlich hohe Mengen an Zucker. Auf Etiketten muss dieser auch deklariert werden. Den Zucker in den Nährwert-Tabellen zu erkennen, ist aber nicht immer einfach. Das sagt auch der VKI, der schon 2012 den Zuckergehalt in Lebensmitteln untersuchte. Denn mit ­„Zucker” ist der Haushalts- oder Kristallzucker gemeint.

Dieser kann aber auch als Saccharose angeführt sein. Weitere Zuckerarten, die Lebensmitteln zugesetzt werden können, scheinen in den Zutatenlisten dann jeweils für sich auf: Fruchtzucker oder Fruktose bzw. Fruktose­sirup, als Glukose bzw. Glukose­sirup, Traubenzucker oder Dextrose, als Maltose bzw. Malzzucker, als Laktose bzw. Milchzucker. Für Konsumenten auf dem ersten Blick also keine eindeutige Information – „versteckte Kalorienbomben”, betitelte es der VKI.
Das Thema des versteckten Zuckers griff der Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie Österreich (FIAA) erst Ende Juni wieder auf. Das Thema des versteckten Zuckers sei eine „ewige Mär”, äußert sich Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands. Ob Zucker in Form von natürlich vorkommender Fruktose oder aus der Saccharose der Zuckerrübe stammt, ist für den FIAA ernährungsphysiologisch nicht relevant. Wenn es allerdings um die jüngste Zielgruppe, die Kinder, geht, schätzte der VKI 2014 den Gehalt von Zucker in Lebensmitteln als zu hoch ein. „Geht man davon aus, dass maximal zehn Prozent der täglich aufgenommenen Kalorien aus zugesetztem Zucker stammen sollten, so ziehen sich Vier- bis Sechsjährige mit einer Flasche gleich einmal mehr als die Tagesdosis rein”, wird ein VKI-Experte in einem Bericht über den Zuckergehalt von Kindergetränken zitiert.

Near-Water-König

Im Bereich Near-Water, das ist Wasser mit Aroma-Geschmack, konnte vor allem das Unternehmen Römerquelle viele neue Trends setzen. Mit 38% Marktanteil im Near-Water-Segment sieht sich Römerquelle als ­„unangefochtener Marktführer”, so Sandra Lischka, Senior Brand Managerin bei Römerquelle.

Ein neuer Versuch von Römerquelle war es, den ohnehin schon gestreckten Zuckergehalt in den Near-Water-Produkten noch weiter zu reduzieren. Römerquelle Emotion Limette Minze besitzt damit nur mehr 15 kcal pro 100 ml. Die neuen Mineralwässer der neuen Römerquelle, „Fresh” Zitrone und Minze, hingegen sollen frei von Kalorien sein.

Wasser bleibt Getränk Nr. 1

Den größten Teil vom Kuchen am Getränkekonsum bekommen aber nach wie vor Mineralwasserproduzenten. Der ideale Durstlöscher ist für den Großteil der Konsumenten nach wie vor Leitungswasser (88%), dicht gefolgt von Mineralwasser und Soda (71%). Das Unternehmen Waldquelle ist in Österreich mit rund 18% Marktanteil im reinen Mineralwassersegment die Nummer zwei am Markt. Dass Mineralwasser gern getrunken wird, führt Geschäftsführer Andrea Carrara auf das steigende Gesundheitsbewusstsein zurück: „Mineralwasser ist ein natürliches Produkt, trägt zum Wohlbefinden bei und ist zucker- und kalorienfrei.” Nach Mineralwasser-Sorten verteilt sich die Gewichtung auf 48,5% bei spritzig, 21,9% bei sanft, 17,3% bei still und 12,2% bei ­Near-Water (Quelle: Nielsen).

Das Near-Water-Segment stuft auch Waldquelle als immer beliebter ein; zehn verschiedene Fruchtsorten bietet das Unternehmen bereits an. Neben Fruchtaromen ist auch hier Zucker enthalten, da er ein wichtiger Geschmacksträger für das Produkt ist. Und schmeckt das Produkt nicht, wird es nicht gekauft, da kann es noch so kalorien­arm sein, so Carrara.

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