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Gigantenfusion geplatzt © 2016 The Kraft Heinz Company
© 2016 The Kraft Heinz Company

Redaktion 20.02.2017

Gigantenfusion geplatzt

Unilever-Widerstand kippte Krafts 143 Mrd.-Dollar-Angebot.

NEW YORK. Der US-Ketchup-Hersteller Kraft Heinz hat sein 143 Mrd. USD (134,3 Mrd. €) schweres Angebot für den Konsumgüterhersteller Unilever überraschend zurückgezogen. Kraft begründete den Schritt mit dem Widerstand des Rivalen: "Wir wollten auf freundschaftlicher Basis vorankommen, aber Unilever hat klargemacht, dass sie keine Übernahme wollen", sagte Kraft-Sprecher Michael Mullen. Daher sei ein früher Rückzug gut, damit sich beide Firmen auf ihre eigenen Pläne zur Wertschöpfung konzentrieren könnten.

Eine Fusion beider Firmen mit Marken wie Philadelphia-Frischkäse, Weight Watchers, Knorr, Lipton oder Dove wäre eine der größten Übernahmen in der Wirtschaftsgeschichte gewesen. Entstanden wäre ein Konzern mit einem Umsatz von gut 82 Mrd. USD (77,2 Mrd. €), der nah an den Schweizer Weltmarktführer Nestle mit 89 Mrd. USD (83,8 Mrd. €) herangerückt wäre.

Kraft-Sprecher Mullen zufolge waren die Übernahmepläne sehr früh bekannt geworden; am Aktienmarkt hatte es am Freitag Gerüchte über das Vorhaben gegeben. Daraufhin war Kraft durch die britischen Übernahmeregeln zu einer Bekanntmachung gezwungen. Die britisch-niederländische Unilever hatte das Offert des deutlich kleineren Rivalen umgehend als zu niedrig zurückgewiesen. Insider sagten zudem, es seien Bedenken aufgekommen - etwa der mögliche Widerstand der britischen Regierung und Unterschiede in den Firmenkulturen und Geschäftsmodellen. Laut "Financial Times" habe Premierministerin Theresa May die Behörden angewiesen, zu prüfen, ob eine Übernahme die britischen Wirtschaftsinteressen gefährden könne.

Unilever hatte neben einem zu niedrigen Offert auch von strategischen Gründen gesprochen, die gegen eine Übernahme sprächen; daher sehe man keine Grundlage für weitere Gespräche. Kraft hatte indes erklärt, man freue sich, eine Einigung über die Bedingungen einer Übernahme zu erreichen. Nach dem offiziellen Rückzug darf Kraft nach britischem Recht nun sechs Monate lang keine neuen Gespräche mit Unilever beginnen.

Als treibende Kräfte des Kaufvorhabens wurden am Freitag Investoren vermutet, die die US-Lebensmittelbranche bereits seit Jahren aufmischen. Hinter Kraft stehen der Milliardär Warren Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway sowie der Finanzinvestor 3G Capital. Unter Analysten und Investoren wurde nach Aufgabe des Vorhabens darüber spekuliert, ob Kraft einen Plan B hat und sich um ein anderes Übernahmeziel bemühen wird. Das Offert für Unilever zeige, dass Kraft bereit sei, auch außerhalb des bisherigen Kernbereichs Nahrungsmittel zuzukaufen, sagte Analyst Ali Dibadj von Sanford Bernstein. Er nannte Colgate-Palmolive als ein mögliches Ziel von Kraft.

Die Lebensmittelbranche ist vor allem in den USA seit Jahren im Umbruch: Kraft Heinz ging 2015 aus der Fusion des Ketchup-Herstellers Heinz mit dem Philadelphia-Produzenten Kraft hervor; damals mischte bereits der Finanzinvestor 3G mit. (APA/Reuters)

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