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Glyphosat: Der Handel protestiert © AFP/Philippe Huguen

Weiter spritzenManche Bauern können nicht ohne, für Konsumenten wäre ein Anbau ohne das Pestizid Glyphosat wahrscheinlich eher eine Wohltat.

© AFP/Philippe Huguen

Weiter spritzenManche Bauern können nicht ohne, für Konsumenten wäre ein Anbau ohne das Pestizid Glyphosat wahrscheinlich eher eine Wohltat.

Redaktion 01.12.2017

Glyphosat: Der Handel protestiert

Spar-Vorstandssprecher Gerhard Drexel und bellafloras Chef Alois Wichtl liefern eine Glyphosat-Kampfansage.

SALZBURG/LEONDING. Das war so nicht im Programm: Dass der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt die eigenständige Entscheidung für sich und Glyphosat für Europa gleichermaßen wertschätzt; dass das Pestizid nun trotz aller widrigen Expertisen im Vorfeld tatsächlich über fünf Jahre seinen Einsatz prolongiert bekommt – das Unding ist nun leider Faktum geworden.

Unwidersprochen bleibt das allerdings nicht, bemerkenswerte Aufrufe dagegen gab es prompt von Spar und bellaflora. Spar-Vorstandsvorsitzender Gerhard Drexel fordert einen Glyphosat-Ausstiegsplan der zukünftigen Bundesregierung. „Die erneute Zulassung des schädlichen Wirkstoffs Glyphosat in der Landwirtschaft durch die Europäische Union ist ein Kniefall vor den internationalen Agrochemiekonzernen, insbesondere Monsanto”, ist Gerhard Drexel über den Beschluss in Brüssel entsetzt. „Der Schutz der Menschen in Österreich und der gesamten Europäischen Union sowie der Erhalt unserer Artenvielfalt und unserer gesunden Landwirtschaftsflächen sollten im Vordergrund stehen. Wir brauchen gesunde Böden für ­gesunde Lebensmittel!”

Gravierender Fehler

Ähnlich sieht es bellaflora-Chef Alois Wichtl: „Die Entscheidung der EU-Kommission, das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat für weitere fünf Jahre zuzulassen, ist ein nicht wieder gutzumachender Fehler”, betont er. „Damit geht die Gefährdung der Menschen sowie der Pflanzen- und Tierwelt in die Verlängerung.” Wichtl hat mit bella­flora die Weichen in eine andere Richtung gestellt: Bereits im Jahr 2013 hat Österreichs Grüne Nummer 1 alle ­glyphosathaltigen und alle anderen chemisch-synthetischen Pestizide aus den Regalen genommen.

Der breit aufgestellte Händler Spar will in diesem Belang allerdings nicht allein gelassen werden; Drexel will eine entsprechende Initiative von der Politik: „Die österreichische ­Politik ist nun gefordert, Glyphosat aus unserem Land zu verbannen. Ich appelliere daher an den Nationalrat, hier eine Gesetzesinitiative zu starten und umgehend für das Aus für Glyphosat in ­Österreich einzutreten.”
Als Vergleich zieht der Spar-Chef die französische Regierung heran, die bereits ihren Ausstieg aus Glyphosat angekündigt hat. Drexel weiter: „Auch die Koalitionsverhandler in Österreich sind nun dazu aufgerufen, in den Regierungsverhandlungen einen Ausstiegsplan zu erarbeiten und im neuen Regierungsprogramm zu verankern, sodass Österreich endlich glyphosatfrei wird.”
Wichtls Aussage dazu: „Beim geringsten Verdacht von Gefährdungspotenzial muss man ohne zu zögern das Prinzip der Vorsorge heranziehen, da gibt es keine Kompromisse.” (red)

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