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Guter Kaffee, böser Kaffee © APA/AFP/STR

Kaffeekunst Reinhold Schärf: „Eine Kaffeemischung zu kreieren, ist wie eine Oper mit einer Vielzahl an Instrumenten und Akten zu komponieren und daraus ein aufeinander abgestimmtes Kunstwerk zu erschaffen.”

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Kaffeekunst Reinhold Schärf: „Eine Kaffeemischung zu kreieren, ist wie eine Oper mit einer Vielzahl an Instrumenten und Akten zu komponieren und daraus ein aufeinander abgestimmtes Kunstwerk zu erschaffen.”

Nataša nikolić 30.09.2016

Guter Kaffee, böser Kaffee

Die Kaffeebranche ist sich einig: Kaffee-Fans erwarten Convenience, Qualität und verantwortungsvolle Produktionsbedingungen.

••• Von Nataša Nikolic


WIEN. Am 1. Oktober ist der Tag des Kaffees, der – begleitet von zahlreichen Aktivitäten im Handel und der Gastronomie – das Lieblingsgetränk vieler ­Österreicher zelebriert. Ins Leben gerufen wurde er vom ­Österreichischen Kaffeeverband vor rund 15 Jahren, demzufolge Frau und Herr Österreicher 2,9 Tassen Kaffee am Tag konsumieren, was rund 162 l bzw. 8 kg pro Jahr entspricht.

medianet hat sich in der Kaffee-Branche nach den aktuellen Sorten- und Zubereitungs-Trends bei Konsumenten und der Rolle und Entwicklung des Kaffeepreises erkundigt.

Nachhaltigkeit bedeutender

„Kaffee entwickelt sich in Österreich sehr ähnlich wie der Wein: Das Wissen der Konsumenten nimmt deutlich zu, und die Nachfrage nach nachhaltigen, qualitativen Produkten steigt stark an”, sagt Gerald Steger (GF café+co). Spezialitäten-Kaffees machen derzeit noch einen relativ kleinen Anteil am Gesamtmarkt aus, würden aber stark wachsen. „Auch das Bewusstsein für verantwortungsvolle Produktionsbedingungen ist in Österreich im internationalen Vergleich schon sehr ausgeprägt”, so Steger. Dass sich Konsumenten verstärkt mit dem Genussprodukt auseinandersetzen, nimmt auch Tchibo/Eduscho-Geschäftsführer Harald J. Mayer wahr: „Bei Kaufentscheidungen steht nicht nur der erlesene Geschmack im Vordergrund, sondern auch die Produktionsweise und der Herkunftsort. Es wird Wert darauf gelegt, dass Produktionsabläufe keinen Schaden auf die Umwelt nehmen und Ressourcen aus kontrolliertem Anbau stammen.” Was die Sorten anbelangt, so sieht Frédéric Ermacora, General Manager von illycaffé in Österreich, eine Tendenz hin zu „bitteren Geschmäckern”. Bei Nutzern von Kaffee-Vollautomaten gebe es eine erhöhte Nachfrage nach „noch stärker geröstetem Kaffee”. Die Wünsche von Vollautomaten-Nutzern kennt auch Annette Göbel (Leiterin Verkaufsförderung bei Jura Österreich), die neben hochwertigen Kaffee-Vollautomaten auch Kaffee anbieten. „Unter unseren hauseigenen Kaffeesorten erzielt der Malabar Monsooned Indien den höchsten Absatz. Dieser Kaffee ist durch den geringen Säureanteil auch abends sehr gut verträglich”, erklärt Göbel. Die Verkaufsleiterin sieht in der wachsenden Beliebtheit von Kapselkaffee-Systemen keine Gefahr: „Unser Bereich der Vollautomaten wächst kontinuierlich, und Kunden der Kapselsysteme sind oft auch Einsteiger in die Kaffeewelt, die sich später, bei steigendem Bedarf, für einen Kaffeevollautomaten entscheiden.” Den Vorteil der Einzelportionssysteme, die einer aktuellen GfK-Umfrage zufolge in Form von Kapsel- oder Pad-Maschinen in 51,3% der österreichischen Haushalte vertreten ist, sieht Mayer (Tchibo) vor allem im Convenience-Aspekt. Dem Trend zur individuellen Kaffeezubereitung kämen mittlerweile die meisten Anbieter von Kaffeemaschinen nach, weiß Michael Frank (Managing Director De’Longhi Group).

Der Preis ist heiß

Gefragt nach der Auswirkung des steigenden Kaffeepreises, antwortet Reinhold Schärf (Schärf Coffeeshop GmbH): „Aus der Perspektive des Einkaufs ist es eine einfache Rechnung, da der Preis, auf den Wareneinsatz der Tasse gerechnet, nur eine sehr marginale Auswirkung hat, jedoch der Unterschied der Qualität, der Kundenbindung und des zu erzielenden Konsumentenpreises enorm sein kann.” Ermacora (illy) sieht im Preisanstieg für Grünen Kaffee „bis dato keine größeren, direkten Auswirkungen auf den Markt”. Steger (café+co) prognostiziert eine weitere Verteuerung von Kaffee in den nächsten zwölf Monaten, auch bedingt durch den Dollar-Kurs. „Tendenziell müssen wir uns aufgrund des Klimawandels, auch durch das erfreuliche starke Wachstum von nachhaltig zertifiziertem Anbau, auf steigende Preise einstellen”, meint Steger. „Verbraucher sind bei Kaffeeprodukten nach wie vor sehr preissen­sibel. Auch bei den bislang noch hochpreisigen Portionskapseln können wir einen zunehmenden Preisdruck in Form von immer häufigeren Promotion-Aktivitäten feststellen”, konstatiert Oliver Knop (GF Lavazza Deutschland und Österreich).

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