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Hofer feiert zehn Jahre „Zurück zum Ursprung” © APA/Juhasz
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daniela prugger 08.04.2016

Hofer feiert zehn Jahre „Zurück zum Ursprung”

Die Bio-Eigenmarke von Hofer feiert Jubiläum, Markenmitbegründer Werner Lampert (li.) und Günther Helm (Hofer KG) ziehen Bilanz.

••• Von Daniela Prugger

WIEN. Werner Lampert hat viel Zeit in den Aufbau seines Images gesteckt. Der graumelierte Bart samt Schnauzer, die Intellektuellenbrille – das Resultat lässt sich optisch irgendwo zwischen Alm-Öhi und Wiener Philosoph um die Jahrhundertwende einordnen; er wirkt sympathisch, vertrauenswürdig, kompetent, weiß sich in Szene zu setzen. Lampert ist der ideale Partner für Supermärkte und Discounter, die sich als Bio-Anbieter neu aufstellen wollen – das hat er bereits mit Ja! Natürlich (Rewe) und der Hofer-Eigenmarke Zurück zum Ursprung – er fungierte teilweise selbst als Werbegesicht – unter Beweis gestellt. Seither bezeichnet sich der gebürtige Vorarlberger auch recht selbstbewusst als Biopionier. Trotzdem: Die Frage, wie denn Bio, die Preispolitik eines Discounters und generell das Prinzip „Bio für die Masse” zusammenpassen, drängt sich auf.

Vater im Geiste

Auf das Discountprinzip angesprochen, antwortete Lampert im Dezember 2015 im Spiegel: „Lassen Sie es mich so sagen: Hofer drückt den Preis nicht, zahlt gut, arbeitet anständig und zuverlässig. Das ist für mich das Entscheidende.” Die Zusammenarbeit mit dem österreichischen Aldi-Ableger dauert nun schon zehn Jahre und hat sich für Hofer und für Lampert bezahlt gemacht: Er und sein 20-köpfiges Team werden Hofer auch weiterhin beraten und die Entwicklung der Marke managen. „Der geistige Vater des Projekts muss bei der laufenden Entwicklung dabei sein”, kommentiert es Günther Helm, Sprecher der Geschäftsleitung der Hofer KG. Zurück zum Ursprung hat sich in Österreich längst etabliert. „Es war ein sehr harter Beginn, 2006 hat sich kein Konsument für das Thema Bio interessiert”, so Helm, aber heute fühle man sich bestärkt in dem, was man tue, weil die Konsumenten ja dazulernten.

Der Erfolg der Heumilch

Wie gewohnt, reagiert Helm auf die Frage, wie sich der Umsatz der Marke entwickelt, mit einem Lächeln: „Gut”. Die Tatsache, dass auf Konsumentenseite die Relevanz und das Vertrauen in die Marke gestiegen sind, habe dazu geführt, dass sich die Marke „auf der wirtschaftlichen und auf der Artikel-Seite positiv entwickelt hat”. Dennoch werde man in die für Aldi Süd mitbetreuten Märkte Schweiz, Slowenien und Ungarn nicht expandieren.

3.000 heimische Biobauern produzieren für die Biomarke, davon 1.400 Milchbauern. „Wir sind mehr als bio – wir sind nachhaltig und regional”, erläutert Helm. „Bei Zurück zum Ursprung werden keine im Ausland produzierten Produkte verarbeitet. Wir führen mit unseren Partnern – vor allem den Molkereien – langfristige und faire Partnerschaften.”
Auf den aktuellen Milchpreis von 28 Cent pro Kilogramm zahlt Hofer 20,2 Cent mehr – also fast das Doppelte – für die Bio-Heumilch, das erste Produkt, das unter der Bio-Eigenmarke eingeführt wurde, und das erfolgreichste. Das Sortiment ist längst gewachsen und umfasst aktuell 150 Artikel – neben Milch sind auch Käse, Gemüse, Obst, Fleisch, Brot und 250 weitere Aktionsartikel im Programm. Lampert fordert eine nachhaltige Landwirtschaft. Die konventionelle werde die Welt langfristig nicht ernähren können.

Bio-Huhn für die Masse

„Das Projekt Zurück zum Ursprung lebt von der heimischen Produktion und heimischen Verwendung”, ergänzt Lampert. Doch dass „Bio” beim Fleisch nach wie vor nicht auf dem Vormarsch ist, gestehen sowohl er als auch Helm ein. Man müsse zwischen Rind, Huhn und Schwein unterscheiden, heißt es. Bei der Fleischproduktion gehe es ja auch um die Verarbeitung des ganzen Tieres. Im Huhn-Bereich sei man erfolgreich – ja, das Bio-Huhn von Zurück zum Ursprung sei „in der breiten Masse angekommen”, so Helm. Probleme mache das Schwein: „Bio-Schweinefleisch ist bis zu vier Mal teurer als konventionelle Ware, und der Konsument ist noch nicht dazu bereit, diesen Preis zu bezahlen.”

Eines steht fest: Der Markt verlangt Masse. „Je mehr Bio zum Mainstream wird, umso mehr tritt Bio gegen Bio an”, prognostizierte Thomas Dosch, Bundesvorstand des Verbandes Bioland, schon 2006 im Brand Eins-Magazin. Sind also die Entwicklungen seither auf Kosten der Werte und Ideale eines ursprünglich als Anti-Systems gestarteten ­Modells gegangen? Als wichtigste Kriterien der ­Hofer-Eigenmarke bezeichnen Lampert und Helm heute jedenfalls Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Nachhaltigkeit. Alle Glieder der Wertschöpfungskette eines landwirtschaftlichen Produkts werden offengelegt. Eine mobile Produkte-App soll das Vertrauen der Konsumenten in Hofer noch weiter schärfen.

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