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Hungerspiele © APA/dpa
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Nataša Nikolić 14.10.2016

Hungerspiele

Der LEH ist auf ein österreichweites Blackout nicht gut genug vorbereitet, um die Bevölkerung weiter zu versorgen.

••• Von Nataša Nikolic

WIEN. Die Agrarmarkt Austria (AMA) und Joanneum Research haben untersucht, wie die heimische Lebensmittelbranche auf Ernstfälle wie eine überregionale Unterbrechung der Stromversorgung (Blackout), den Ausfall von fossilen Brennstoffen oder einen bundesweiten Ernteeinbruch vorbereitet ist. Dazu wurden 165 ausgewählte Unternehmen entlang der Nahrungsmittel­versorgungskette zu ihren Präventionsmaßnahmen befragt.

48 Stunden

Das Ergebnis ist ernüchternd: 90% der befragten Unternehmen haben sich zwar bereits mit dem Szenario „Blackout” auseinandergesetzt, allerdigs besitzen nur 26% eine Notstromversorgung zur Aufrechterhaltung des Normalbetriebs. Über 40% der Betriebe, die Erdölprodukte für betriebseigene Transporte benötigen, können diese mit den vorrätigen Mengen nur ein bis zwei Tage aufrechterhalten. Und Lagerbestände von Lebensmitteln im Handel reichen in der Regel für nicht mehr als ein bis zwei Tage. Außerdem sei Österreich laut Studie abhängig von den Importen von Lebensmitteln wie u.a. Reis, Fisch und pflanzlichen Fetten. Für die vorgelagerten Bereiche der Landwirtschaft seien Importe von Soja und Sojaextraktionsschroten und Phosphatgestein zur Düngemittelherstellung notwendig.

(K)ein Tag ohne Strom

Studien des „Österreichischen Förderungsprogramms für Sicherheitsforschung – Kiras” haben ergeben, dass ein zehnstündiger Stromausfall in ganz Österreich einen Gesamtschaden von mehr als 500 Mio. € verursacht, wobei der Großteil auf die Herstellung von Lebensmitteln (121 Mio. €) und den Handel (136 Mio. €) entfällt. Wenn das Blackout 48 Stunden andauert, beträgt der Gesamtschaden sogar mehr als 1,5 Mrd. €. Sollte es zu einem österreichweiten Blackout kommen, würde die Stromversorgung frühestens nach einem Tag wiederhergestellt werden, so die Studie. Besonders stark treffe das den Lebensmittelhandel, da die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln nicht mehr gewährleistet ist sobald die Kühlkette unterbrochen wurde, da Nahrungsmittel in weiterer Folge rascher verderben. „Innerhalb von zwei Tagen wären alle Regale in den Geschäften leergeräumt”, heißt es in der Studie.

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