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In der Fressburg
28.08.2015

In der Fressburg

Die finstere Brille

All Inclusive-Urlaub, das sind sonnenverbrannte Urlauber, die unentwegt essen und saufen. Zeitgemäß ist das nicht mehr.

••• Von Natalie Oberhollenzer

URLAUBSPLÄNE. Eine Woche, in der wir das Gehirn so wenig wie möglich gebrauchen, generell so wenig tun wie nur möglich – das war unsere heurige Urlaubsdevise. Ein klarer Fall für ein All Inclusive-Hotel, wusste die Dame im Reisebüro und organisierte eine Fahrt in einen Erholungstempel an der türkischen Riviera. Alsdann, auf nach Türkiye!

Am Zielort angekommen, staunten wir nicht schlecht über das Bild, das sich uns bot. Da eine gut 200 Quadratmeter große Buffethalle mit einer Auswahl an Hunderten Speisen. Dort eine Patisserie mit einer noch nie gesehenen Fülle an Kuchen und Gebäck. Cocktailbars, Pitastände, Imbissbuden und Trinkstationen auf der ganzen Anlage verteilt. Kurzum, ein Schlaraffenland! Das Ganze hatte nur einen Haken: die Miturlauber. Eine Schar an rubinrotgebrannten Turbotouristen, die sich zum Ziel gesetzt hat, die größtmögliche Menge an Essen hinunter­zuschlingen.
Am Buffet türmten sich unsägliche Speisekombinationen auf ihren Tellern. So hoch und dicht waren Pommes, Schnitzel, Nudeln und Döner aufeinander aufgestaut, dass die Träger auf dem Weg zum Tisch eine Spur an heruntergefallenem Essen hinterließen. Dort angekommen, schoben sie das Durcheinander in ihre gierigen Mäuler und ließen riesige Resthaufen wieder wegbringen. Dann erfolgte der nächste Gang zum Buffet und wieder kamen sie mit einem großen Haufen zurück. Und wieder, und wieder. Dazu wurde im großen Durcheinander gesoffen. Bier in Strömen, Wein, meistens nur zur Hälfte, dann musste ein anderer her. Und picksüße Cocktails an der Poolbar, einer nach dem anderen. Die tranken sie am liebsten im Pool, wobei hüben und drüben und immer wieder Reste der Drinks im Pool landeten.

Den Rest gab mir eine Mutter am Strand, die für ihr eine Sandburg bauendes Kind unentwegt in PET-Flaschen verpacktes Wasser holte. Mindestens 40 Liter Trinkwasser, das durch die von Dürre geplagten Gegenden der Türkei gekarrt worden ist, ist dabei mit Sicherheit draufgegangen. Und das in einem Land, in dem weiter ostwärts Tausende Menschen jeden Tag aufs Neue schauen müssen, wie und wo sie es herbekommen. Wenn ich mich nur getraut hätte, der dummen Mutter einen Eimer Meerwasser über den Kopf zu schütten! Aber ich beließ es dabei, mir meinen Teil zu denken: Blöder gehts nicht. Und mir darüber im Klaren zu werden, dass All Inclusive-Urlaub heute unzeitgemäßer ist denn je. Denn der Spruch „Was nix kost, ist nix wert” gilt leider immer noch. Sooft uns auch von allen Seiten das mit der Nachhaltigkeit nahegelegt wird.

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