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Kelly ist 60: mit Vollgas durch den Knabberberg © Bill Lorenz/Kelly
© Bill Lorenz/Kelly

christian novacek 03.07.2015

Kelly ist 60: mit Vollgas durch den Knabberberg

60 Jahre Kelly Das österreichische Unternehmen gibt sich amerikanisch und wechselte mehrfach den Eigentümer (Nordeck, Raiffeisen, Intersnack). Kelly-Chef Wolfgang Hötschl: „Jeder neue Eigentümer hat uns stärker gemacht.”

Wien. „Geht nicht, gibt’s nicht!” ist einer der ersten Sätze, die Kelly GmbH-Chef Wolfgang Hötschl anlässlich des 60. Jubiläums der versammelten Journalistenschar diese Woche entgegenhält. Dank dieses Credos, das bereits Gründer Herbert Rast vor 60 Jahren als Leit- und Expansionsmotiv gute Dienste leistete, ist Kelly heute da, wo im Knabbergebäck der Bartl den Most holt: Bei satten 65 Prozent Snack-Marktanteil über 15 Jahre hinweg; bei einer „echten” Exportquote von 10 Prozent; bei der Anerkennung als Entwicklungs- und Kompetenzzentrum für gebackene Produkte (Soletti) in der Produktionsstätte Feldbach für den Intersnack Konzern.

Teil der Intersnack-World

Äh, wie bitte – Intersnack-Konzern?! Wie geht denn nun die Intersnack-Zugehörigkeit mit einer 60 Jahre währenden Erfolgsgeschichte einher? Wolfgang Hötschls Antwort ist nonchalant: „Jeder Eigentümerwechsel hat das Unternehmen stärker gemacht!” Kongenial wird das in der Umkehrperspektive nicht anders gesehen: Maarten Leerdam, Vorstandsvorsitzender Intersnack Group: „Kelly hat einen neuen Spirit in die Gruppe eingebracht.”
Erquicklich im Lauf der Jahre war aber ebenfalls die Partnerschaft mit Raiffeisen. Das mag zwar gleichzeitig jene Zeit gewesen sein, in der man zwecks Preiserhöhungen zur paritätischen Kommission pilgern musste, hat aber andererseits maßgeblich dazu beigetragen, dass die Verbindung der ehemaligen American Popcorn Company zur Kartoffel-Rohscheibe bäuerlich-manifest und nachhaltig gedieh. Genau genommen profitiert die Marke Kelly davon bis heute: Die nachhaltigen Kartoffeln aus Österreich zu beziehen, ist dieser Tage ein positiv besetztes Asset der Company. Begleitet von zeitgemäßen Justierungen wie der Umstellung von Palmöl auf Sonnenblumenöl, der Verwendung von natürlichen Aromen und einer „fairen” Beziehung zu NGO’s – die mittels fair produzierter Edelnüsse hierzulande eine echte Produktnuss geknackt hat –, ist aus manch kalorienreichem Snack zwar noch kein Gesundheitsprodukt geworden, aber ein der Lebensmittelsicherheit entsprechendes Genussprodukt.
Daneben ist es der Innovationswille, der Kelly als Knabberbastion in der ersten Reihe hält. Dieser zeitigte zwar gelegentlich Misserfolge (legendär: Mikrowellenchips), aber öfters öffnete er Türen in neue Dimensionen und Kategorien. Der Zugang zum Flop ist mittlerweile übrigens pragmatisch. „Aus Flops lernt man”, sagt Hötschl.

Flyin’ high mit Airpacks

Zu den Produkthighlights der Vergangenheit gehört das Airpack, welches garantiert, dass Chips frühestens im unbarmherzigen Kauapparat bersten; in der jüngeren Vergangenheit sind es Popcorn-Chips, Soletti SuperSize oder Fairtrade-Nüsse. Für die nahe Zukunft gesellen sich büffelstarke Neuheiten wie Bull’s Heads oder Chocolate Popcorn hinzu, aber auch Produkte, die weniger für die Ewigkeit und mehr in der Saison reüssieren, etwa Salty Spookies oder Line Extensions wie die „altbackenen” gold fischli Käse.
In der Abteilung, die es eigentlich nicht gibt, stellt Kelly Eigenmarkenkompetenz zur Schau. Wolfgang Hötschls Verhältnis zu diesen ist ambivalent. Er bringt das zum Ausdruck, wenn er moniert: „Wenn man Gäste hat, wird man denen das Billige nicht servieren.” Ob billig oder nicht: Eigenmarken im Snackregal haben es auf 30 Prozent Marktanteil geschafft – somit ist für Kelly letztlich gar die Eigenkonkurrenz eine Herausforderung.

Wien. Im Jahr 1955 gründete Herbert Rast die „First American Popcorn Company” gemeinsam mit dem US-Soldaten Major Howard Morse Kelly. Vom damaligen Mitstreiter stammen auch der Name und die bewusst amerikanische Ausrichtung der Firma. Tatsächlich wird es wohl bis heute Konsumenten geben, die meinen, Kelly sei eine amerikanische Firma – damals war das ein mehr oder minder bewusster Marketiggag des rein österreichischen Unternehmens. Dieses startete mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 43.531 € – heute steuert man auf einen Umsatz jenseits der 160 Mio. €-Grenze zu.

Vor 21 Jahren übergab Herbert Rast nach nahezu 40 Jahren die Geschäftsführung an Wolfgang Hötschl. Unter Hötschls Leitung wurde 1996 ein modernes Logistik- und Verwaltungszentrum am heutigen Standort in Wien in Betrieb genommen. Im Jahr 2003 wurde die Chipsproduktion von Hollabrunn nach Wien übersiedelt. Seit dem Jahr 2008 ist Kelly Part der Intersnack-Gruppe und als Management-Unit auch verantwortlich für die Länder Slowenien, Adriatics, Italien und die Schweiz. Das europäische Kompetenzzentrum für die Category Baked wurde in Feldbach eingerichtet.

Soletti gehört zu den größten heimischen Mehlabnehmern.
Soletti-Produkte werden in Feldbach produziert und tragen das AMA-Gütesiegel.
Kelly’s Chips werden zu 100% aus österreichischen Kartoffeln im Werk in Wien 22 produziert.
Kelly’s Chips sind mit dem TÜV-Siegel zertifiziert und die Kartoffeln können anhand der Verpackung bis zur Herkunftsregion zurückverfolgt werden.
Kelly’s Chips werden in hochwertigem Hoso Sonnenblumenöl frittiert.
Kelly’s und Soletti verzichten auf Geschmacksverstärker und setzen MSG-freie Gewürze ein.
Kelly’s und Soletti-Produkte verwenden heimisches Salz.
Kelly’s und Soletti-Produkte sind transfettsäurefrei.

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