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Leider, die Milch ist deppert! © IG-Milch

IG-Milch-Obmann Ewald Grünzweil: Es werden Mengen produziert, die keiner braucht.

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IG-Milch-Obmann Ewald Grünzweil: Es werden Mengen produziert, die keiner braucht.

15.01.2016

Leider, die Milch ist deppert!

Die hohen, aber billigen Milchexporte setzen heimische Milchbauern schwer unter Druck – die IG-Milch fordert die Rückkehr zur Quotenregelung.

••• Von Christian Novacek

WIEN. „Es werden rund drei Milliarden Kilo Milch in Österreich produziert”, umreißt IG-Milch-Obmann Ewald Grünzweil die ­Dimension. Und ergänzt das Erschütternde: „Zwei Milliarden werden in Österreich abgesetzt und ein Drittel wird zu elendigsten Preisen ins Ausland gebracht!” Die gegebenenfalls komplexen Konstellationen, die dazu führen, bringt Grün­zweil auf einen einfachen Nenner: „Der freie Markt ist eigentlich kein freier Markt, sondern einer, wo die Großen groß gefördert werden und die Kleinen verhungern.” Gefördert werde ausschließlich zugunsten des Wachstums der Betriebe; dieses Wachstum habe sich allerdings schon längst ausgewachsen und gegen seine Wurzeln gewandt, sprich: Es tut der Milchwirtschaft und speziell den Bauern schon lange nicht mehr gut.

Die Forderung, die daraus für Grünzweil wie auch Judith Moser-Hofstadler von der ÖBV (Österreichische Berg- und Kleinbäuer_innen Vereinigung) resultiert, ist eine alte, aber wieder aktuelle: Die Produktionsmengen müssen reguliert werden! Und dabei geht es – zumindest laut ÖBV – nicht nur um die Auswirkung des Milchpreises auf die Existenz der Bauern, sondern ebenso um die Perspektive einer artgerechten Tierhaltung. „Eine Milchtierhaltung, die auf dem exzessiven Einsatz von Kraftfutter und der Zucht auf Hochleistung anstatt Lebensleistung beruht, ist nicht zu akzeptieren”, meint Hofstadler. Grünzweil bringt die praktische Ergänzung: „Eine Kuh muss heute nach zwei Kälbern vom Hof, weil sie ausgelaugt ist.” Ein Weg fort von der Hochleistungszucht bedeutet allerdings nicht automatisch Vorrang für Bio, denn: „Die zweijährige Umstellphase ist für viele Bauern einfach nicht zu finanzieren”, so Grünzweil. Ohne eine Marktbeobachtungsstelle mit Durchgriffsrecht – und damit einhergehend Gebiets- und Grenzschutz – „fahren wir die Branche in den Graben”. Besonders bizarr seien billige Milchpulver-Exporte übrigens dann, wenn sie in Lebensmittelform gegossen (Käse, industrielle Produkte) teuer rückimportiert werden.

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