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Milchige Ethik © dpa/Roland Weihrauch

ÜberflussDie ÖBV fordert eine Milchmengenregulierung und fragt sich: Angemessene Milchpreise für Bauern oder billige Rohstoffe für die Wirtschaftlichkeit der Molkereien – welche Interessen gehen vor?

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ÜberflussDie ÖBV fordert eine Milchmengenregulierung und fragt sich: Angemessene Milchpreise für Bauern oder billige Rohstoffe für die Wirtschaftlichkeit der Molkereien – welche Interessen gehen vor?

Redaktion 12.05.2017

Milchige Ethik

Die letzten „Milchrebellen” sind wieder unter Vertrag, doch für ihre Milch kriegen sie weniger als andere.

WIEN. Der Kampf der Milchbauern mit den großen Molkereien ist eine Mischung aus Händeringen und Muskelspiel.

Nicht allzu lang ist es her, es war Mitte April, da lud die IG-Milch zu einer Konferenz, um ihrem Ärger über das Verhalten der Milchbarone in Österreich Luft zu machen. Molkereien, darunter die Nöm AG und Berglandmilch, schlossen keine Verträge mit den „Milchrebellen” der nun geschlossenen Alpenmilch Logistik ab. Die Existenz von 37 Milchbauern stand auf dem Spiel. Ende April waren es noch 19 Bauern, die „bestraft und gedemütig werden”, wie IG-Obmann Ewald Grünzweil befand.

Wo liegt der Hund begraben

Alles, was diese Bauernfamilien getan hätten, war, sich zusammenzuschließen und unabhängig ihre Milchprodukte verarbeiten und zu fairen Preisen verkaufen zu können. In einer weiteren Aussendung schrieb Grünzweil: „Das alles dürfen die Bäuerinnen und Bauern scheinbar nicht. Als Strafe dafür werden sie jetzt nicht aufgenommen und damit ihre Existenz vernichtet.”

Dann kam die Wende, dem ersten Anschein nach ein Handschlag: Die Berglandmilch ließ sich erweichen und nahm die letzten 19 Bauern unter Vertrag; das ließ alle Beteiligten auf­atmen. „Wir sind froh und erleichtert, dass die Genossenschaften in letzter Minute ein Einsehen hatten”, äußert sich Judith Moser-Hofstadler dazu. Sie ist selbst Bäuerin und zugleich Vorstandsmitglied der Österreichischen Bergbauernvereinigung (ÖBV) Via Campesina Austria. „Allerdings ist es unverständlich, dass hier auf dem Rücken von Bäuerinnen und Bauern ein Exempel statuiert werden sollte.” Die Milch-Sorgenkinder sollen nämlich weniger Geld für Milch in gleicher Qualität bekommen – ein nicht ganz schmerzfreier Handschlag. Aber, so Grünzweil, die Familien hätten genug gelitten. Die angekündigte Benachteiligung der Betriebe nehmen also alle in Kauf.
Damit die Milch, die bereits vorher von den Höfen produziert wurde, bis Vertragsbeginn nicht versauert, wird die Alpenmilch Logistik GmbH noch einmal (wohl zum letzten Mal) aktiv. Der Vorstand der IG-Milch habe beschlossen, die Milchsammlung bis zum kommenden Wochenende zu organisieren, hieß es, damit keine Milch entsorgt werde.

Ende gut, alles gut?

Ob Ruhe am Markt einkehrt, „bleibt nun zu hoffen”, so Grünzweil. Die Milchbauern sind zwar vorerst wieder unter Vertrag, aber „dringend notwendige Reformen” in der Milchbranche stünden noch aus – ein neues Kapitel in der IG-Geschichte wird aufgeschlagen. (ow)

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