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Mondelez-Expansion von West nach Ost © Mondelez Österreich
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Ornella Wächter 02.06.2017

Mondelez-Expansion von West nach Ost

Andreas Kutil lenkt von Wien aus drei weitere zentrale Märkte: Ungarn, Tschechien und Slowakei.

••• Von Ornella Wächter

In Mondelez Mundus, der Mondelez-Welt, spielt das kleine Städtchen Bludenz in Vorarlberg eine große Rolle. Der 14.000 Seelen-Ort beherbergt nämlich das Europäische Produktionszentrum für Schokolade-Großtafeln, die von hier aus in 30 Länder weltweit gelangen.

Früher stand hier einmal eine alte Mühle der Schweizer Schokoladenfirma ­Suchard. Nun produziert hier das große Mondelez-Werk an einem Tag Hunderttausende Schokoladetafeln à 200 bis 400 g Gewicht. Suchard ist heute Teil von Kraft Foods – und damit ein weiterer kleiner Stern im Mondelez-­Universum.
Für 30 Länder werde hier produziert, so Andreas Kutil, Managing Director von Mondelez Österreich. 25% der braunen Tafeln sind aber für Deutschland, Österreich und die Schweiz bestimmt. Nicht nur die Milka-Schokolade entsteht hier, auch für die Marken Cadbury, Marabou, Bensdorp, Lacta oder Alpengold wird vor Ort produziert. 150 Meter lange Maschinen-Anlagen spucken pro Tag 600.000 Schokoladetafeln aus. Im letzten Jahr wurde auch kräftig Geld in die Anlagen gepumpt – rund 10 Mio. € im Jahr, so Kutils Angaben, wären in den Ausbau der Anlagen geflossen. Teuer wird es vor allem, wenn ein neuer Schoko-Traum entstehen – und wie es aktuell bei der neuen ­Milka-Wave-Tafel der Fall ist – in eine wellenförmige Tafel gegossen werden soll.

Kleine und große Sterne

Mondelez ist überall. Ob man eine Mozartkugel kauft, sich einen Oreo-Keks gönnt, Philip Morris raucht, einen Kaffee von Hag trinkt oder auf einem Kaugummi kaut. Selbst hinter Brotaufstrichen, wie Philadelphia oder Grillsaucen, Bulls Eye (bald Long Horn genannt) verbirgt sich der Riesenkonzern. Sich im Markenportfolio des „Snacking-Unternehmens” zu orientieren, verlangt damit Insiderwissen. In Österreich ist Mondelez mit Suchard, Dairy Milk, Toblerone und Mirabell vertreten. Bei Keksen sind es u.a. Oreo, „mit dem wir sehr erfolgreich sind”, so Kutil. Weiters der Frühstückskeks Belvita, die Mikado-Stangen und die Tüc-Cracker. Im Firmenjargon werden die Produkte den drei Kategorien Schokolade, Kekse und Meals zugeordnet. Wobei die erstgenannte mit 81% die wichtigste ist – am österreichischen Tafelmarkt hält Mondelez mittlerweile 29,5% Marktanteil, gefolgt von Ferrero (17,3%) und Lindt (13,7%). „Über die steigenden Marktanteile bei Milka-Tafeln freuen wir uns natürlich besonders”, so Andreas Kutil. Im Keks-Geschäft ist das Unternehmen erst seit 2007 vertreten, konnte den neuen Zweig aber mittlerweile auf einen Marktanteil von 17,2% ausbauen. Der größte Keks-Verkäufer in Österreich bleibt aber nach wie vor die Firma Bahlsen (23,6%) aus Hannover. Angeblich sollen Rohstoffe für die Keksherstellung am Weltmarkt billiger sein, als jene für Schokolade – und damit attraktiv für Lebensmittelkonzerne.

Von West nach Ost

Das Universum, glaubt man Astronomen, dehnt sich immer weiter aus – Mondelez auch. Die Firma Györi Edes, die ebenfalls hohe Marktanteile in Ungarn (die Kekse Györi Edes und die Riegel-Marke Sport) hält, wurde 1997 von Mondelez aufgenommen. Mit der strategisch cleveren Übernahme erfolgreicher Marken erlangt Mondelez auch in Ungarn ähnlich gute Anteile am Markt wie hierzulande. Neben der nach wie vor größten Kategorie Schokolade (59%) setzt das Unternehmen hier besonders auf den Keksmarkt mit einem Marktanteil von 33%.

Die Expansion von Mondelez lässt sich auch in Tschechien und der Slowakei beobachten: In Tschechien nahm Mondelez die Keks-Werke in Marienbad, Lovosice und in Opava in Betrieb – und unterhält zudem ein Headquarter in Prag. Je weiter man sich in den Osten Europas begibt, desto mehr Kekse werden konsumiert.
Laut einer Erhebung von Eurostat isst der durchschnittliche Tscheche 3,4 kg Schokolade im Jahr und damit weniger als der Österreicher mit 5,5 kg. In Tschechien und der Slowakei (hier liegt der Konsum bei 4 kg pro Kopf) bilden Kekse mit 60% also die größte Kate­gorie.

Eigenes Gütesiegel

Kakaobauern aus Ghana und der Elfenbeinküste, Indien u.a. haben alle Hände voll zu tun, um die Produktionswerke von Mondelez mit dem wertvollen Rohstoff zu beliefern. Offenbar ist sich Mondelez seiner Rolle in den Ländern, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, bewusst geworden – und rief daher das Programm „Cocoa Life” ins Leben. Das firmeneigene Konzept soll Kakaobauern darin unterstützen, u.a. nachhaltiger anzubauen und Kinder nicht auf die Plantage, sondern in die Schule zu schicken, erklärt Mondelez-Pressesprecherin ­Andrea Kaderschabek-Sledz. Überprüft werde das von externen NGOs. Externe Gütesiegel von Fair­trade sind dabei keine Option, da diese die Mengen, die Mondelez braucht, nicht abdecken können.

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