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Nachhaltigkeit ist das Geschäft der Zukunft © Unito/APA-Fotoservice/Hörmandinger
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Ornella Luna Wächter 12.06.2015

Nachhaltigkeit ist das Geschäft der Zukunft

Corporate Responsibility Harald Gutschi, Geschäftsführer der Otto Group, spricht mit medianet über die Prinzipien des nachhaltigen Wirtschaftens, die ­Verantwortung der Arbeitsbedingungen und Verbraucherinteressen.

Wien. Massenentlassungen bei gleichzeitigen Rekordgewinnen. Die Wirtschaftkrise. Rohstoffknappheit. Der drohende Klimawandel. Dies sind nur einige Beispiele, die im Zusammenhang mit Wirtschaftsethik und Nachhaltigkeit stehen. Verantwortungsvolles Wirtschaften in einer Welt, wo unternehmerische Handlungen in mehreren Feldern Auswirkungen zeigen können, bedeutet, nicht nur monetäre Ziele zu verfolgen, sondern auch die Interessen der Mitarbeiter bzw. der Gesellschaft mit einzubeziehen. Besser bekannt ist das Phänomen unter dem Begriff Corporate Social Responsibility (CSR), was bedeutet, dass Unternehmen transparent agieren und „einen prüfenden Blick für das Umfeld entwickeln”, beschreibt Harald Gutschi, Geschäftsführer der Otto Group, die CR-Strategie.

Ein Konzern, welcher auf nachhaltigen Prinzipien baut, übernehme „soziale Verantwortung”; dabei würden auch „gesellschaftliche Belange in die unternehmerischen Entscheidungen” miteinbezogen. Der ökologische Erfolg ist ein weiterer Aspekt von nachhaltigem Wirtschaften – der Planet Erde solle auch für die Nachwelt lebenswert bleiben. „Der wertschätzende Umgang mit Rohstoffen, mit Mitmenschen und Natur bildet die Grundlage für nachhaltiges Agieren”, so Gutschi.

Die CR-Strategie 2020

Die Otto Group, ein europaweit agierendes Handelsunternehmen, ist sich offenbar über diese Verantwortungsbereiche bewusst und baut seit nun fast 25 Jahren auf das Grundprinzip des nachhaltigen Wirtschaftens. Mit der CR-Strategie 2020 beabsichtigt der Konzern die Umsetzung von mehreren Teilstrategien, die sich in fünf Handlungsfelder gliedern. Bis zum Geschäftsjahr 2020/21 soll u.a. mehr nachhaltige Baumwolle für Textilien verwendet werden. Der Versandhandel von Mode bildet eines der Kernsegmente der Otto Group und habe somit eine besondere Bedeutung, so der Geschäftsführer. Langfristig möchte der Konzern zu 100% nachhaltig gebaute Baumwolle verwenden, und ist aus diesem Grund auch ein Förderer der Initiative „Cotton made in Africa”. Das Projekt unterstützt Kleinbauern in Simbabwe bei einer nachhaltigeren Produktion „des für uns so wichtigen Rohstoffs Baumwolle”.
Wer mit der Otto Group eine Handelsbeziehung aufbauen möchte, muss allerdings nicht nur eine umweltgerechte Herstellung der Waren garantieren, sondern auch sozialverträgliche Arbeitsbedingungen. Mit dem „Code of Conduct”, ein Verhaltenskodex für Lieferanten, werden gewisse Mindeststandards definiert. Die Qualifizierung der Lieferanten sowie die Einhaltung des Kodex werde auch regelmäßig überprüft, versichert Gutschi. Und in Hinblick auf das Projekt „Cotton made in Africa” meint der Geschäftsführer, dass man „nachhaltige Verbesserungen von Arbeitsbedingungen aktiv und vor Ort” auch begleiten möchte.

Ethischer Konsum wächst

Doch nicht nur Firmen setzen sich mit ethischem Handeln auseinander – auch Investoren, Konsumenten oder Angestellte zeigen erhebliche Anstrengungen, um ihren ökologischen Fußabdruck zu mindern. Verbraucher würden mehr und mehr auf Umwelt- und Sozialstandards achten, so Gutschi. „Das Interesse an nachhaltig produzierter Kleidung wächst, man erkennt eine Gegenbewegung zur Wegwerfmode.”
Die Entwicklung wolle das Unternehmen insofern unterstützen, als dass es auch für die Bedeutung des ethischen Konsums in der Gesellschaft sensibilisieren wolle. Verbraucher würden verstärkt auf nachhaltige Produkte zurückgreifen, weiß Gutschi. Stichhaltige Beweise liefern die Umsatzzahlen in diversen Bereichen – neben Mode gilt dies auch im hohen Maße für Elektrogeräte oder den Sektor Living. „Wir vermelden steigende Anteile der ECO-Umsätze – im Jahr 2014 liegt er Unito-weit bei 16%.” Das Generieren einer unternehmensspezifischen CR-Strategie und deren Einhaltung ist bis dato gesetzlich nicht vorgeschrieben und somit eine freiwillige Initiative.
Allerdings spricht das wachsende Interesse der Konsumenten für ethisches bzw. ökologisch verantwortungsbewusstes Wirtschaften gegen das Ausbleiben eines CR-Konzepts. Mittlerweile wird von Unternehmen erwartet, gesellschaftliche Interessen in unternehmerische Entscheidungen mit­einzubeziehen und offen darzulegen.

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