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Natürlich und biologisch: Pflege geht auch anders
daniela prugger 28.04.2015

Natürlich und biologisch: Pflege geht auch anders

Kosmetik Weil Bio- und Naturkosmetik nicht gesetzlich geregelt sind, arbeiten immer mehr Hersteller mit Zertifizierungen

Im Schatten der konventionellen Kosmetikindustrie wächst eine ernst zu nehmende Konkurrenz heran.

Wien. Die Haut ist nicht nur das größte Organ des menschlichen Körpers. Wer schöne Haut hat, gilt gemeinhin als attraktiv. Kein Wunder, dass die Kosmetikindustrie Milliarden mit Produkten umsetzt, die eine schönere, reinere, sanftere, jüngere Haut versprechen. Doch während Nivea, Dove, bebe und Co. seit Jahren das Ranking der bekanntesten Marken anführen, wächst im Schatten der konventionellen Kosmetikindustrie eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz heran: Bio- und Naturkosmetikfabrikanten sehen sich längst einer Stammklientel gegenüber – und das, obwohl sie die Werbetrommel weit weniger rühren als die großen internationalen Konzerne.

Beitrag zum Umweltschutz

„Wir arbeiten mit den Wirkstoffen von Pflanzen, Mineralien aber auch tierischen Rohstoffen wie Honig und Propolis”, erklärt Eva-Maria Prikoszovits, Inhaberin von Botanicus Vienna. „Gute Naturkosmetik enthält einen möglichst hohen Anteil an rein natürlichen, biologischen Stoffen.” Das österreichische Unternehmen liefert seine Produkte bereits in weite Teile der EU. Botanicus Vienna stellt dabei nicht nur Körper-, Gesichts- und Haarpflege her, sondern auch ätherische Öle und Tee. Die Cremen und Seifen werden hier noch sorgsam von Hand gerührt, abgefüllt und verpackt. Prikoszovits setzt auf nachhaltige Verpackungsmaterialien, vermeidet Plastikbehälter und unterstreicht, dass „biologische Rohstoffe einen Teil zum Umweltschutz beitragen, da keine chemischen Düngemittel verwendet werden dürfen.” Doch die Begriffe Natur- und Biokosmetik sind in der EU nicht gesetzlich geregelt, wie es etwa bei Lebensmitteln der Fall ist. Deshalb arbeiten Hersteller vermehrt mit Zertifizierungen und Siegeln. „Einen der höchsten Standards in Europa bietet die Biozertifizierung nach dem österreichischen Lebensmittelbuch ÖLMB. Sie ist die einzige in Europa, die auf einem Gesetz basiert, die anderen Siegel sind privatwirtschaftlich organisiert”, erklärt Ulrike Ischler; sie ist Geschäftsführerin der Wiener Bio-kosmetikmarke mysalifree. „Zertifizierte Biokosmetik arbeitet mit wertvollen biologischen Inhaltsstoffen; Synthetisches ist nicht erlaubt.”

„500 Chemikalien täglich”

Ischler war selbst viele Jahre lang in der Pharma-Branche tätig. Aufgrund ihrer Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz) und diverser Unverträglichkeiten musste sie ihr Leben vor einigen Jahren ändern. Daraus entstand die Idee, ihre persönlichen Erfahrungen für die Entwicklung einer eigenen Kosmetikserie zu nutzen. Ischler: „Ist Ihnen bewusst, dass sich eine Frau mit konventioneller Kosmetik bis zu 500 Chemikalien täglich auf Körper und Gesicht schmiert?” mysalifree, erklärt sie, meide alle Inhaltsstoffe, die als bedenklich diskutiert werden. „So sind wir auf der sicheren Seite und es entspricht unserer Philosophie: gesundheitsbewusst, bio und so verträglich wie möglich.” Mit ihrer Pflegelinie versucht die Ideengeberin ein Bewusstsein zu schaffen, vor allem wenn es um das Thema Hautgesundheit geht.

Weniger ist mehr

Grüne, natürliche Kosmetik boomt – so viel ist sicher. Hochwertige Kosmetik wird vor allem über spezielle oder hauseigene Geschäfte vertrieben. „Für unsere Produkte sind dm, Bipa und Co. aufgrund des Erklärungsbedarfs und des Preislevels nicht geeignet”, fährt Ischler fort. Die Preise für die mysalifree-Produkte liegen im mittleren Preissegment – die Tagescreme kostet schon mal gut und gern 35 €. Doch nicht nur besonders körperbewusste Konsumenten, Menschen mit Hautproblemen oder Allergien oder Eltern, die ihren Kindern etwas Gutes tun wollen, greifen vermehrt zu Naturprodukten. Längst sind die meist ästhetisch verpackten Artikel auch in den hippen Geschäften dieses Landes, in Pop-up-Stores und auf den Christkindlmärkten erhältlich. So geschehen ist es auch im Fall von Wiener Seife. 70 Kreationen – von Gesichts-, Haar- und Körper-seife bis hin zur „Rasierseife” – gibt es aktuell. „Die Salzseife”, ergänzt Geschäftsleiterin Sonja Baldauf, „kann auch als Zahnseife verwendet werden.”

Quadratisch, praktisch, bunt

In der Seifenmanufaktur im dritten Wiener Gemeindebezirk werden die Naturseifen aus diversen Pflanzenölen hergestellt: Kokos-, Avocado-, Traubenkern-, Mandel-, Aprikosenkern-, Jojoba-, Mohnöl, Kakaobutter uvm. Produziert werden hier Seifenblöcke à 50 kg, die nach einigen Tagen der Reifung in handliche 125 g-Stücke geschnitten werden. Hinsichtlich der Verpackung gilt: Weniger ist mehr. Verpackungsmaterial und die Banderolen sind aus Recyclingpapier. Die meist quadratischen, bunten Seifensteine sind zu 100% biologisch abbaubar. „Viele Kunden haben Hautprobleme, die nicht eindeutig zuordenbar sind. Deshalb greifen sie gern auf ein ‚altbewärtes' Naturprodukt, die gute alte Seife, zurück.” Baldauf legt Wert darauf, dass die Kunden von Wiener Seife genau verstehen, was sie kaufen. Deshalb wird auf jeder Seife genau aufgelistet, welche Inhaltsstoffe enthalten sind. „Und was ganz wichtig ist: Die Beratung vor Ort”, so die Vorarlbergerin. Damit wolle man das Wissen aus der Tradition mit den Anforderungen der Moderne verbinden.

In der Seifenmanufaktur im dritten Wiener Gemeindebezirk werden Seifenblöcke à 50 kg produziert, die nach einigen ­Tagen der Reifung in 125 g-Stücke geschnittten werden.

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