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„Ohne Bohne gibt es keinen Kakao” © Mondelez

Andreas Kutilist neuer Managing Director von Mondelez International – das heißt, er ist neben Österreich nun auch für die Länder Ungarn und Schweiz verantwortlich. In Österreich steht Mondelez für einen Umsatz von 309 Mio. €, weltweit sind es 32 Mrd. €.

© Mondelez

Andreas Kutilist neuer Managing Director von Mondelez International – das heißt, er ist neben Österreich nun auch für die Länder Ungarn und Schweiz verantwortlich. In Österreich steht Mondelez für einen Umsatz von 309 Mio. €, weltweit sind es 32 Mrd. €.

04.12.2015

„Ohne Bohne gibt es keinen Kakao”

Mondelez International Director Andreas Kutil im medianet-Interview über die Notwendigkeit der nachhaltigen Kakaolieferkette.

••• Von Christian Novacek

Seit Sommer dieses Jahres ist Andreas Kutil Managing Director von Mondelez International und als solcher für die Märkte in Österreich, Schweiz und Ungarn zuständig. Über die den Ländern gemeinsame Handelskonzentration, die Cocoa Life-Förderung an der Elfenbeinküste und die Frage, ob denn Schokolade Sünde sein kann, spricht er im exklusiven medianet-Interview.

medianet: Mondelez befindet sich in der Umstrukturierung. In Ihren Verantwortungsbereich fallen nun neben Österreich die Länder Ungarn und Schweiz. Wie stellen sich die Märkte in ihrer Größenordnung dar?

Andreas Kutil: Sowohl die Schweiz als auch Ungarn stehen für jeweils rund die Hälfte des österreichischen Geschäfts. Somit sind beide sehr gute und entwickelte Märkte, mit etwas differierendem Fokus. Beispielsweise ist in der Schweiz unser Hauptgeschäft der Kaugummi. In Ungarn ist wie in Österreich die Schokolade das Hauptthema. Zusätzlich haben wir in Ungarn ein sehr großes Keksgeschäft – nicht nur mit Oreo und BelVita, sondern auch mit starken lokalen Marken wie Györi Édes oder Pilóta, die damals im Zuge der Übernahme des Danone-Keksgeschäftes gekauft wurden.

medianet: Wie ist denn die Handelskonzentration in diesen Ländern?
Kutil: In Österreich wie in der Schweiz ist sie extrem hoch, aber auch in Ungarn – im Vergleich zu anderen Ostländern – sehr hoch. Auch in Ungarn sind die Kernspieler am Markt, etwa Spar oder ­Tesco, sehr große Unternehmen.
medianet: Ist Ungarn nicht ein sehr schwieriger Markt?
Kutil: Nicht für uns – für uns ist das ein Markt, der stark wächst, stärker als Österreich oder die Schweiz.

medianet: Wie gewichtig ist nun die Länderorganisation Österreich, Schweiz, Ungarn im europäischen Kontext?
Kutil: Mondelez teilt Europa derzeit in vier Regionen, und wir fallen in die Region Zentraleuropa, wo wir hinter Deutschland umsatz­mäßig die Nummer zwei sind – so gesehen sind wir schon wichtig.

medianet: Kommen wir zum für uns nahesten Markt: Wie geht es Mondelez in Österreich?
Kutil: In den letzten Jahren ist es uns in Österreich sehr, sehr gut gegangen. Nur heuer haben uns die beiden Hitzemonate Juli und August in den Schokolade-Umsätzen nicht gutgetan. In Summe wird sich aber höchstwahrscheinlich ein leicht positives Ergebnis ausgehen.

medianet:
Wie sind Sie denn hierzulande mit Marken und Marktanteilen aufgestellt?
Kutil: Im Schokoladenbereich ist Milka die Hauptmarke schlechthin, im Keksbereich sind es Oreo oder Mikado als internationale Marken – aber wir sind auch mit wichtigen lokalen Marken vertreten, etwa Mirabell oder Bensdorp. Im Marktanteil liegen wir laut Nielsen bei mehr als 30 Prozent bei den Süßwaren, in der Menge sind es mehr als 34 Prozent.

medianet: Ich gehe davon aus, dass die Marktanteile im Tafelschokoladenbereich entsprechend höher sind?
Kutil: In der Kategorie ‚Tafelschokolade' liegen wir wertmäßig bei nahezu 63 Prozent, das ist für uns Brot und Butter in einem. Der Aktionsanteil ist hoch und seit Jahren eine stabile Größe – wie üblich für einen Impulsartikel.

medianet: Wie schauts vergleichsweise im Keksmarkt aus?
Kutil: Wir sind in Österreich in 2007 mit dem Keksgeschäft gestartet, damals haben wir drei Milka-Kekse in den Markt gebracht. Das war gleichzeitig ein Testmarkt für einen europäischen Rollout, der ein paar Jahre später dann auch wirklich passiert ist. Und seither entwickeln wir uns mit den Keksen sehr dynamisch und sind derzeit mit mehr als 17 Prozent eine starke Nummer zwei am Markt.

medianet:
Weil Sie Österreichs Funktion als Testmarkt erwähnen – Sie produzieren ja auch in Österreich; was genau?
Kutil: Wir produzieren in Bludenz Großtafeln mit 300 Gramm – für ganz Europa. Wir haben dort in den letzten Jahren über 45 Millionen Euro in neue Anlagen investiert. Vor einigen Jahren haben wir die konzerninterne Auszeichnung als Kompetenzzentrum erhalten.

medianet: Kommen wir zur Positionierung der Mondelez-Marken. Mir fällt auf, dass Sie – im Vergleich zu einigen Mitbewerbern – die Kinder in ihren Werbeaus­sagen außen vor lassen?
Kutil: Schön, dass Sie das sehen, das finde ich super, weil wir seit vielen, vielen Jahren die Entscheidung getroffen haben – weltweit, nicht nur in Österreich –, ganz bewusst Marketing nicht an Kinder zu adressieren. Das heißt auch, dass Sie unsere Werbespots nie in Kinderkanälen und auch nicht im Umfeld von Kindersendungen in den klassischen Fernsehzeiten sehen. Das ist eine Selbstverpflichtung, die bei uns seit 2005 gilt.

medianet: Im Fokus der Werbeaussagen der Marke Milka steht somit was?
Kutil: Milka ist eine klassische Marke für die ganze Familie. Wobei doch immer wieder einzelne Produktbereiche für unterschiedliche Bereiche stärker beworben werden. Aktuell sprechen wir beispielsweise mit Milka Collage bewusst unsere Generation, also die nicht mehr ganz so Jungen, an.

medianet: Neben der Frage, wie feinfühlig man mit Süßwaren heutzutage werben muss, spielt die Nachhaltigkeit in der Produktion eine wichtige Rolle. Wie ist Mondelez da aufgestellt?
Kutil: Wir haben eine Initiative auf die Beine gestellt, die nennt sich Cocoa Life. Damit haben wir uns verpflichtet, in den nächsten Jahren, also bis 2022, mehr als 400 Millionen Euro in die Ursprungsländer zu investieren mit dem Ziel, die Kakaolieferkette nachhaltiger zu gestalten.

medianet: Wie kann ich mir das konkret vorstellen?
Kutil: In den Hauptanbauländern Elfenbeinküste, Ghana, aber auch Brasilien oder Indonesien, werden vor Ort in den Kooperativen – also mit den Produzenten einerseits und den Gemeinden andererseits – Projekte bearbeitet, die das Leben der Kakaobauern dort verbessern sollen. Das Monitoring unserer Aktivitäten übernimmt die Harvard University, aber wir sind auch mit einigen NGOs in Kontakt, um Projekte zu betreiben, etwa WWF oder Care International.

medianet: Sie machen das in Eigenregie und übernehmen somit Aufgaben, die sonst Zertifizierungsorganisationen erledigen. Glauben Sie, dass das auf Dauer vom Image her besser ist, als Vergleichbares etwa unter einem Fairtrade-Siegel zu bewerkstelligen?
Kutil: Ich glaube, dass es langfristig der richtige Weg ist. Langfristig müssen sich die Konzerne eigenständig am Ursprung engagieren. Warum? Das ist ja auch immer die Frage: nur weil wir nette Menschen sind? Das glaube ich nicht, auch wenn wir grundsätzlich nett sind. Aber es geht auch darum, dass wir als weltgrößter Schokoladenproduzent sicherstellen müssen, dass wir für unsere Produkte ausreichend mit Kakaobohnen versorgt werden. Ohne Bohnen gibt es keine Schokolade, und um das sicherzustellen, brauchen sie eine nachhaltige Lieferkette.

medianet: Sie sprechen somit von der Gefahr, dass die Kakaobauern, wenn sie zu wenig verdienen, das einfach nicht mehr anbauen?
Kutil: Genau. Die Ernte in den Kakaoplantagen erfolgt ganzjährig und ist sehr komplex und aufwendig. Wenn man dort nicht ein halbwegs vernünftiges Einkommen erwirtschaftet, gehen die Leute weg von den Plantagen, und es gibt keine Kakaobohnen mehr. Zusätzlich gibt es auch noch Klimathemen und andere Faktoren, welche langfristig gesehen Einfluss auf die Verfügbarkeit von Kakaobohnen haben.

medianet: Neben der Nachhaltigkeit rückt als mediales Reizthema der Zucker verstärkt ins Zentrum der Kritik von Ernährungsexperten. Ist Zucker böse?
Kutil: Zucker als solcher ist nicht böse, Fett ist auch nicht böse. Man muss das eine wie das andere als Teil einer ausgewogenen Ernährung betrachten – nur Zucker oder Schokolade zu essen, ist halt genauso schlecht, wie sich ausschließlich von Schweinebraten zu ernähren. Ich glaube, dass Süßwaren als Genussprodukt durchaus einen Stellenwert im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung haben dürfen. Selbstverständlich geht es für jeden von uns darum, eine halbwegs balancierte Variante von Kalorienaufnahme und -abgabe hinzubekommen. Aber in Maßen genossen, sind Süßwaren nichts Schlechtes. Schließlich geht es auch darum, durch bewussten Genuss einen freudvollen, positiven Zugang zur Ernährung zu erhalten.


medianet: Das heißt, es geht weniger um den Zucker an sich und mehr um das Ernährungsverhalten generell?
Kutil: Wenn Sie sich nicht genug bewegen, dann muss man sich anders ernähren, das ist klar.

medianet: Man darf Mondelez zugutehalten, dass Sie Ernährungsangaben deutlich auf die Verpackung bringen.
Kutil: Wir wollen dem Konsumenten grundsätzlich die Wahlfreiheit geben und geben ihm somit auch die Information, die er braucht, um eine ausgewogenen Ernährung hinzubekommen. Ernährung ist aber natürlich immer ein Thema –aktuell läuft bei uns beispielsweise ein groß angelegtes Programm, um den Salzgehalt in vielen Produkten zu reduzieren.

medianet: Was ist Ihr persönlicher Standpunkt zwischen Ernährung und Schokolade?
Kutil: Ich bin der festen Überzeugung, das Genuss auch ein bisschen Sünde sein muss.

medianet: Und wie schaut Ihr Konsum aus?
Kutil: Ich bin bei Schokolade durchaus beherrscht. Aber ich hab das Glück, mit zwei bis drei Stückchen zum Genuss zufrieden sein zu können.

medianet: Da gehören Sie zu den Glücklichen ...
Kutil: Und wenn es etwas mehr ist, dann muss die Laufrunde in der Früh eben etwas größer sein ...

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