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Preisfrage: Wo landet die Butter am Brot? © APA/Helmut Fohringer
© APA/Helmut Fohringer

christian novacek 15.09.2017

Preisfrage: Wo landet die Butter am Brot?

Der Butterpreis klebt am Plafond – ob zum Wohl der Bauern, des Handels oder der Spekulanten, ist offen.

••• Von Christian Novacek

Butter bei die Fische! Das sagt man, wenn endlich mal Klartext gesprochen werden soll. Wenn Klarheit in eine Angelegenheit gebracht wird, wenn Nägel mit Köpfen gemacht werden. Indes: Nägel stecken in der Butter nicht wirklich fest – und somit verwundert wenig, dass beim aktuell leicht angeschwitzten Butterpreis­thema die Stimmen der Protagonisten in unterschiedlichen Tonlagen hallen – wo gerade jetzt der ­geeinte Chor gefragt wäre.

Aufseiten des Lebensmittelhandels wird vorzugsweise kalmiert – allerdings auf zunehmend unterschiedlichen ­Niveaus. Am 6. September ortete Rewe-Chef Frank Hensel keinen weiteren Preissprung bei Butter und sprach davon, dass sich die Butterpreisthematik wieder ­„beruhigen wird”.

Butternotstand gibt es nicht

In der Woche drauf plakatiert Billa in den Filialen die Info, dass ein möglicher Butterengpass bevorstehen wird: „Vielen Dank für Ihr Verständnis, dass vereinzelt Artikel nur eingeschränkt verfügbar sein können”, hieß es in einem Aushang, der letzten Freitag österreichweit bei den Kühlregalen mit Butterprodukten angebracht war. Einen „Butternotstand” wollen die Händler bis heute nicht wahrnehmen. In Bezug auf den Billa-Butteralarm hieß es infolge seitens Rewe, dass – wenn überhaupt – nur einzelne Marken betroffen seien. Und: „Es wird nicht zu dem Fall kommen, dass gar keine Butter verfügbar ist”, heißt es beruhigend – ein Auge vermutlich in Richtung weihnachtlicher Backsaison gerichtet.

Alles da und trotzdem eng

Auch bei Spar läuft die Kommunikation in Richtung Beruhigung der Konsumenten. Die Molkereien hätten zwar Lieferschwierigkeiten, es sei aber „noch alles da”. Für die Zukunft gilt aber: „Es ist zu erwarten, dass manche Marken manchmal nicht da sind”, sagt Spar-Pressesprecherin Nicole Berkmann. Sollte die Lieblingsbutter mal kurzfristig nicht im Regal stehen, könne man zu einer anderen Marke greifen.

Keinen Butterengpass gibt es nach eigenen Angaben momentan bei Hofer. Bei Rewe und Spar rechnet man mittlerweile nicht mehr mit einem raschen Entschlüpfen aus dem Engpass. Die Botschaft an den Konsumenten lautet nun: „Da wird es dann eben weniger oder keine Aktionen geben”, so Berkmann pragmatisch.
Das Problem mit der Knappheit sei aber ein europäisches und betreffe den gesamten ­Lebensmitteleinzelhandel, heißt es seitens Rewe. Und in der Tat sind die steigenden Butterpreise ebenso Thema in den deutschen Medien – ARD, Manager Magazin, Die Zeit, FAZ und natürlich „die Tagespresse” klopfen ordentlich auf den Butterberg – nicht ohne Grund, denn prozentuell betrachtet, sind die sprunghaften Anstiege des Butterpreises innerhalb kurzer Zeit überaus ansehnlich. Kostete in Österreich im heurigen Frühjahr eine 250 g-Packung Eigenmarkenbutter im Preiseinstiegsbereich noch 1,59 €, so sind es mittlerweile 2,19 (z.B. Billa, Spar; Stand: 11.9.2017) bzw. 2,39 € (Hofer; Stand 11.9.2017). Andererseits gibt es auf den Milchmärkten eine historisch große Preisspreizung zwischen Magermilch und Milchfett. Während Letzteres ein zusehends besser nachgefragtes Gut ist (das vorwiegend Palmöl substituiert), lagerten in Sommer 2017 noch 350.000 t Magermilchpulver in den öffentlichen Interventionslägern der Europäischen Union. Adäquat verteuerten sich die europäischen Großhandelspreise bei fettreicheren Milchprodukten: Magermilchpulver brachte es in der Sogwirkung auf +5%, Vollmilchpulver auf +36%, Gouda auf +38%, während die Butter mit +89% deutlich nach oben ausschlug.

Trauern um die Quote

Der Auslöser für die Butter-preisexplosion wird von der IG Milch derart umrissen: Durch das Ende der EU-Milchquotenregelung wurde mehr produziert, es folgte der Milchpreisverfall – und wo es nichts mehr zu verdienen gibt, wird am Ende wieder weniger geliefert, sprich: die Produktionsmengen gingen wieder nach unten. Hinzu kommt die angesprochene Wiederentdeckung von Butter als Milchfett für die verarbeitende Lebensmittelindustrie.

Ewald Grünzweil von der IG Milch, die stets für die Wiedereinführung der Quotenregelung plädiert hat, zur aktuellen Lage: „Das freie Spiel der Kräfte ist, wie von uns vorhergesagt, schon nach kürzester Zeit gescheitert. Wir fordern daher einen runden Tisch mit Verantwortungsträgern aus Molkereiwirtschaft, Handel, Politik und IG-Milch, um tragfähige Modelle für eine vernünftige Milchpolitik zu entwickeln.”
Was nämlich im kantigen marktwirtschaftlichen Ambiente passiert: Die Butter landet nicht vorzugsweise beim Bauern auf dem Brot. Der bekommt eher wie gehabt sein Fett ab, während Spekulanten Gewinne lukrieren. Grünzweil: „Es darf nicht hingenommen werden, dass Milch zum Spekulationsobjekt verkommt und dabei Tausende Bäuerinnen und Bauern auf der Strecke bleiben.”
Aktuell dürfen die Bauern erst Mal ein wenig durchschnaufen: „In der Vergangenheit waren die Preise viel zu niedrig angesiedelt und lagen unter dem Verbraucherpreisindex, jetzt sind sie angemessen”, sagt jedenfalls Bauernbund-Präsident Georg Strasser.

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