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Produktbewertungen bedeuten Macht © Kjero
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daniela prugger 27.10.2017

Produktbewertungen bedeuten Macht

Ob Kundenbewertungen im Netz gefälscht sind, scheint Nutzer in Deutschland und Österreich nur wenig zu interessieren.

••• Von Daniela Prugger

Ich fand es spannend, dass man mit dieser Knoblauchpresse den Knoblauch vorher nicht schälen muss”, schreibt ein Amazon-Kunde in das Rezensionsfeld. Die Anleitung fehle jedoch, ob das Produkt in die Spülmaschine dürfe, habe sich ihm nicht sofort erschlossen. „Wurde aber einwandfrei sauber.” Ob Produktrezensionen wie diese ein Fake sind oder nicht, wird sich nur schwer herausfinden lassen. Tatsache ist: Der Konsument von heute informiert sich auch so über einen künftigen Kauf: 95,4% der befragten Nutzer einer aktuellen Studie von kjero.com und der Freien Universität Berlin geben das an. Zwar hält sich der Umstand, dass das Internet das Verhalten des „homo consumens” stark beeinflusst, in seinem Neuigkeitswert stark zurück. Interessant an den Studienergebnissen ist aber eines: die generell fehlende Skepsis Online-Bewertungen gegenüber.

Ein erstaunliches Ergebnis, ist doch die Fälschung von Rezensionen längst zu einem florierenden Geschäft geworden. Und auch dieser Umstand hat seinen Breaking News-Moment schon vor Jahren verloren. Denn er wurde meist als Nebensatz der immer wiederkehrenden Aussagen „eCommerce sorgt für Umbruch im Handel” und „das Internet wird als Rechercheplattform verwendet” genauso publiziert.
Da die Fälschung einer Kundenrezension keine besonderen Softwarekenntnisse benötigt, ist auch das Nachvollziehen einer solchen alles andere als einfach. Das wissen auch die, die hinter den gefälschten Bewertungen stehen – sei es nun eine Agentur, die Aufträge von Herstellern oder Organisationen und Parteien annimmt, oder der Manager eines Unternehmens, der sich selbst eine mittelprächtige Bewertung hinterlässt. Rezensionen im Netz bedeuten Macht.
Vor Kurzem berichtete die Techseite „t3n” in Deutschland, dass Produkte, die schnell viele gute Bewertungen erzielen, rund 30 bis 50% mehr Umsatz machen. Der Befund, dass dies für Handelsplattformen wie Amazon ein Problem darstelle, stellt sich nach dem Publikwerden der kjero.com-Studie dann aber doch nicht als tragisch heraus, wenn es stimmt, dass die meisten Konsumenten Bewertungen ohnehin nicht hinterfragen bzw. der Fälschung an sich indifferent gegenüberstehen. Denn dann dürfte sich die Sorge, die den Onlinehändler Amazon plagt, nämlich der Vertrauensverlust auf Konsumentenseite, in Luft verflüchtigen, oder aber zumindest in Dollarzeichen.

Touchdown

Jede fünfte Bewertung auf Amazon ist laut Einschätzung des englischsprachigen Onlinedienstes ReviewMeta gefälscht. Analysiert wurden dabei rund sieben Mio. Bewertungen auf den verschiedenen Amazon-­Länderseiten. Die Kriterien: Hat der Verfasser schon einmal eine Review verfasst? Hat er den ­Artikel tatsächlich bei Amazon gekauft (verifizierter Käufer)? Gibt es viele Bewertungen, die sich im Stil und Aufbau gleichen?

Vor allem bei hochpreisigen Produkten erzeugen diese Kundenrezensionen – ob echt oder nicht – Vertrauen, teilt kjero mit. Es konnte eine Steigerung der Klick- und Besucherzahl um bis zu 380% festgestellt werden, bei günstigen Produkten hingegen eine Steigerung von 190%.
Das Innsbrucker Unternehmen selbst hat sich abseits von Produktbewertungen (etwa für Philips) einen Namen mit Produkttests gemacht – mittels eigener Produkttestplattform. Auf der sind bereits über 150.000 Mitglieder registriert, die interessante Zielgruppendefinitionen ermöglichen. Referenzkunden, die darauf gern zugreifen, sind etwa Beiersdorf, Rewe, Henkel, Melitta, Dr. Oetker und eBay. Die können ebenso von Produkttest-Kampagnen profitieren, um Produkte zielgruppenspezifisch bekannt(er) zu machen.

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