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Rocket Internet: Rakete braucht Geld und etwas mehr an Zeit © APA/EPA/Boris Rössler
© APA/EPA/Boris Rössler

25.06.2015

Rocket Internet: Rakete braucht Geld und etwas mehr an Zeit

Mehr Treibstoff Damit Rocket Internet weiter hoch fliegen kann, braucht es frisches Geld – Mitbegründer Oliver Samwer schwörte die Aktionäre auf Maßnahmen wie die Erhöhung des Grundkapitals ein.

Berlin. Auf der ersten Hauptversammlung des von Oliver Samwer mitgegründeten Unternehmens Rocket Internet übte sich dieser in Bescheidenheit. „Wir wollen so ­wenig verlieren wie möglich”, sagte Samwer vor gut 50 anwesenden Aktionären in Berlin. Geld verdienen die mit Rocket Internet, dem Unternehmen zum Aufbau von Start-ups nach einem Baukastenprinzip, derzeit nicht. Ergo klingt das Hochhalten der Geschäftsidee auch ein wenig nach Durchhalteparole. ­Etwa, wenn Samwer beteuert, dass das Wachstum im Internet nach 20 Jahren nicht nach lasse. Samwer folgert: „Das ist erst der Anfang.”

Und wie es halt so ist am Anfang, braucht es Geld. Derzeit habe Rocket noch 1,3 Mrd. € flüssige Mittel auf der hohen Kante, 700 Mio. weniger als zu Jahresbeginn. Rocket benötigt indes ständig frisches Geld für Neugründungen und zur Finanzierung des Wachstums der Start-ups. Diesen ist derzeit u.a. gemeinsam, dass sie alle rote Zahlen schreiben. Deshalb holte sich die Internetrakete von den Aktionären die Erlaubnis für milliardenschwere Kapitalerhöhungen und Wandelanleihen.

4,8 Mrd. Euro wert

Seit dem Börsendebüt von Rocket im Oktober stieg der Wert der Unternehmensbeteiligungen (nach Einschätzung des Unternehmens)um 2,2 Mrd. auf 4,8 Mrd. €. Grund zu feiern sieht Samwer deswegen nicht, erst müssten schwarze Zahlen her. Auf eine Dividende müssen Rockets Aktionäre verzichten, Geld will das Unternehmen nur für Start-ups ausgeben.
Konkret will Rocket das Grundkapital um 41% aufstocken, dieserart (zum derzeitigen Aktienkurs) rund 2,5 Mrd. € einsammeln. Darüber hinaus stimmten die Anteils-eigner der möglichen Ausgabe von Wandelanleihen über bis zu 2 Mrd. € mit einer Mehrheit von 89 Prozent zu. An der Börse kamen die Pläne nicht gut an: Die Rocket-Aktie gab um vier Prozent auf 37 Euro nach und blieb damit unter dem Ausgabekurs von 42,50 Euro. Auf die Kritik von Aktionären, dass die frühere Tochter Zalando Rocket den Rang ablaufe, reagierte Samwer gelassen: Jedes Geschäftsmodell benötige seine Zeit.
Die Aktie des mittlerweile profitablen Online-Modehändlers Zalando ist im Mittelwerteindex MDAX notiert. Von den von Rocket betreuten Start-up-Firmen gelten der Essenslieferdienst Delivery Hero und die beiden Online-Möbelhändler Westwing und Home24 als wahrscheinlich nächste Kandidaten für einen Börsengang. Rocket ist nach eigenen Angaben in 110 Ländern aktiv. Nur 17,3 Prozent der Aktien sind frei handelbar, der Rest liegt in den Händen von festen Investoren. (red/APA)

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