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Schärf: Das Abenteuer Kaffee bleibt fordernd © Coffeeshop Company/Eduardo Montepeque
© Coffeeshop Company/Eduardo Montepeque

christian novacek 28.10.2016

Schärf: Das Abenteuer Kaffee bleibt fordernd

Ob mit Coffeeshop Company oder Schärf World: Kaffee braucht Hingabe – von der Ernte bis zum Verkauf.

••• Von Christian Novacek

Beim Kaffeespezialisten Schärf stehen die Zeichen auf Expansion, vor allem auf der internationalen Ebene mit der Coffeeshop Company, die in 29 Ländern bereits auf 312 Standorte blicken kann. Aber: Die Hemmnisse, wie sie derzeit aus der geopolitischen Lage heraus erwachsen, haben sich für Schärf verschärft – teils massiv. Reinhold Schärf: „Wir wachsen mit der Coffeeshop Company in vielen Ländern, das sehe ich mit einem lachenden Auge. Aber leider gibt es dazu ein weinendes Auge, denn durch die Währungsverluste haben wir nicht so viel davon.” Schärf trifft die internationale Situation. Die befindet sich laut dem Geschäftsführer des Familienunternehmens auf einem fragwürdigen Weg, zumal mehr Grenzen hochgezogen als abgerissen werden.

Internationale Barrieren

„Ich war immer ein Freund der zentralistischen Vorgangsweise”, sagt Schärf als Österreicher, der an Beschränkungen, die der Staat oder die EU mittlerweile auferlegen, oft en detail leidet. Beispiel: „Im Iran stehen drei Geschäfte vor der Eröffnung, aber ich darf das Geld dafür nicht überweisen.” Oder: „Es wäre illusorisch, anzunehmen, dass sich der Konflikt mit der Türkei nicht auf die Geschäfte in der Türkei auswirken werden.” Stockende Geldflüsse, teils aus hehrer Absicht, um Geldwäsche zu unterbinden, bereiten international agierenden Unternehmen ebenso viel Sorge, wie eine restriktive Devisenausfuhr (Ägypten) oder Handelsembargos (Russland). Schärf, dessen Umsätze im Ausland die heimische Exportbilanz aufhübschen, ist darauf angewiesen, sich nach der jeweiligen nationalen Decke zu strecken. Sprich: Joint Ventures einzugehen und in den jeweiligen Ländern zu expandieren.

„Ich habe noch keine Zeit erlebt, wo ich diese Problematik stärker erlebt habe”, sagt der Firmenchef, der im Übrigen nicht Österreich dafür verantwortlich macht, sondern eine „Weltpolitik, die das Miteinander nicht fördert”. Und weiter, in ernüchterter Tonart: „Österreichisch denkend, kannst du heute nicht mehr tüchtig sein – tüchtig sein geht nur kosmopolitisch denkend.” In Fakten gewogen, meint Schärf nichts mehr und nicht weniger, als dass er erstens nicht so wachsen kann wie er könnte. Und zweitens, die Konsequenz: Künftige Investitionen werden wohl außerhalb Österreichs mehr werden – gilt es doch, eine gültige Antwort auf die Frage „Wie verlagere ich Know-how in die Regionen, in denen ich tätig sein möchte?” zu finden.

Gut aufgestellt

So gewichtig und restriktiv die internationalen Hemmnisse einen Strich durch Auslands­ambitionen auch machen – sie kennen ihre Relativierung: Die Coffeeshop Company steht derzeit für 25% des Umsatzes der Schärf Gruppe. Und auf der anderen Seite (im konkreten Fall: im deutschsprachigen Raum) laufen die Geschäfte nicht zuletzt dank des Franchise-System-­Gedankens gut. Oder, wie Schärf die Relation pointiert: „In der Coffeeshop Company läuft es super super gut und Schärf läuft super gut.” Was wohl für beide Welten gilt, ist die zunehmend fehlende Planbarkeit: „Manche Ereignisse sind so schnell da; es gab noch nie eine Zeit, wo man so vieles nicht berechnen konnte.”

Zum Glück gibt es Trends, die zwar auch nicht immer berechenbar sind, aber aktuell der Kaffeebranche sicher guttun. Kaffee, und hier besonders der hochwertige Kaffee, ist heute zum Lifestyleprodukt avanciert. Ganz stark kommt derzeit aus den USA die Mode, junge Menschen mit Mischprodukten zum Kaffeekonsum zu „inspirieren”, Schärf sieht die aktuelle Trend-situation durchaus ambivalent: „Je mehr Lifestyle-Produkte entstehen, desto mehr Halbwahrheiten entstehen dazu.” Alles, was exotisch ist, muss nicht automatisch gut sein, aber insgesamt, fraglos, „ist es für alle in der Branche sehr gut, dass sich hier viel tut”.
Bei allen Trend-Experimenten geht aber nichts über die Expertise des Meisters. „Den besten Kaffee hat der, der sich ganzheitlich damit beschäftigt”, ist Schärf überzeugt. Denn letztlich entsteht guter Kaffee aus der Symbiose aus Rohprodukt, Rösten, Wasser und Maschinentechnologie. Für Schärf ist es seit jeher Firmenphilosophie, all diese Bereiche selbst zu bespielen. ­Speziell in der Maschinentechnologie geht es um Feintuning – wenn da nicht alles passt, „nutzt der ganze Firlefanz nichts”. In der Kaffeemaschine von Schärf stecken mithin 14 (!) Welt­patente – und eine Oberflächentechnik, die direkt aus der Formel1 kommt. Daraus resultiert letztlich eine Kaffeequalität, die selbst nach fünf Jahren noch konstant gut ist.

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