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Schau mal, die tolle Vase, die ist ja voll aus Müll! © Gabarage

gabarage-Shopleiterin Victoria Kadernoschka: „Es findet sich immer etwas, das noch für einen anderen Zweck zu gebrauchen ist.”

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gabarage-Shopleiterin Victoria Kadernoschka: „Es findet sich immer etwas, das noch für einen anderen Zweck zu gebrauchen ist.”

natalie Oberhollenzer 29.05.2015

Schau mal, die tolle Vase, die ist ja voll aus Müll!

Shop des Monats Im gabarage in Wien werden aus vermeintlichen Abfällen Designstücke hergestellt

Der Betrieb im Freihausviertel vereint ökologischen und sozial integrativen Gedanken mit Design.

Wien. Vasen aus alten Kegeln und Fußbällen, Lampenschirme aus ausrangierten Ampeln Fahrradschläuchen und Kabelbindern oder rollende Hocker aus nicht mehr gebrauchten Büchern – im gabarage wird eine breite Palette von Produkten angeboten, von Möbeln über Wohnaccessoires bis hin zu Schmuck, Taschen und Geldbörsen. Das Besondere dabei: Im Upcycling Shop mit angehängter Werkstatt wird alles aus Abfällen hergestellt.

Was angeboten wird, hängt davon ab, welchen Müll man gerade bekomme, erklärt Shopleiterin Victoria Kadernoschka. Ein Klassiker sind die Taschen aus alten Lkw-Planen, die genauso stylish, aber wesentlich günstiger sind als jene von Freitag. Auch Taschen aus alten Kampfanzügen des Bundesheers stehen zur Auswahl.

Sozial integrativer Betrieb

Aus alten Tastaturen, die der Verein von der APA erhalten hat, werden ausgefallene Schächtelchen hergestellt, auf Wunsch übrigens mit speziellen Buchstaben-Botschaften. Oder sogenannte Buchtresore, die, innen ausgehöhlt, Platz für geheime Notizen und anderes bieten. Ein Renner derzeit sind die Rolltreppen-Möbel. „Da haben wir eine wahnsinnig lange Warteliste”, erklärt Kadernoschka. Ein Dauerbrenner sind auch die Sitzhocker aus Büchern. Wer zu Hause einen großen Stapel davon hat, vielleicht auch einen, den er von seiner Oma geerbt hat, der kann sie sich zum Möbel upcyclen lassen – und hat damit ein Erinnerungsstück, das überdies noch funktional ist. Doch nicht nur der ökologische Gedanke steht bei gabarage im Mittelpunkt. Darüber hinaus handelt es sich um einen sozial integrativen Betrieb.

Resozialisierungsprogramm

Die Stücke werden von ehemaligen Suchtkranken hergestellt, die durch die Arbeit bei gabarage den (Wieder)Einstieg ins Berufsleben starten. In Kooperation mit der größten Suchtklinik Europas, dem Anton Proksch-Institut, werden ehemalige Suchtkranke engagiert. Dann lernen sie ein Jahr lang die Arbeit in der Werkstatt, in der Administration und im Verkauf kennen.
Seit zwölf Jahren gibt es gabarage nun schon. Man dürfe sich zu Recht als Pionier in Sachen Upcycling bezeichnen, meint die Shopleiterin. Den Trend, vermeintlichen Müll in schöne Dinge zu verwandeln, können Menschen ebenfalls im Kleinen, etwa zu Hause mitmachen, erklärt sie: „Es findet sich immer etwas, das noch für einen anderen Zweck zu gebrauchen ist.”

Geschenke aus Restmaterial

So auch in Handelsunternehmen. Für Werbematerialien wie Fahnen gibt es alternative Einsätze, ebenso wie für bestimmte Paletten oder Möbel. „Oder Sie geben uns Ihre Restmaterialien”, schlägt Kadernoschka vor. Aus selbigen könne man beispielsweie Weihnachts-geschenke für die Mitarbeiter designen. Übrigens wird der „Müll” von gabarage abgeholt. Das langfristige Ziel des Vereins ist es, einen zweiten Shop zu eröffnen. Das stecke allerdings noch in den Kinderschuhen. Dafür werden die Stücke auf gewissen Märkten wie jenem im MuseumsQuartier angeboten oder als Kommissionsware in andere Shops gebracht.

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