RETAIL
So bierig ist das Bierland Österreich in Zahlen © Panthermedia.net/Rawpixel
© Panthermedia.net/Rawpixel

christian novacek 14.07.2017

So bierig ist das Bierland Österreich in Zahlen

Die Österreicher gehören zu den Top 3-Biertrinkernationen und trinken ihren Gerstensaft bevorzugt aus der (Mehrweg-)Flasche.

••• Von Christian Novacek

Die Anzahl der Brauereien ist in Österreich von 2015 auf 2016 einmal mehr gestiegen: Insgesamt wurden im Vorjahr in 235 österreichischen Braustätten mehr als 1.000 verschiedene Biere gebraut. Der überwiegende Teil des Gerstensafts sprudelt dabei aus großen Quellen, also jenen der acht größten Brauereien des Landes mit je mehr als 500.000 hl im Ausstoß. Sie stehen für 77,2% der gesamten Bierproduktion.

Am anderen Ende der Skala, mithin bei den kleinen Gasthofbrauereien, hat die Vielfalt Vorrang vor dem Ausstoß­gewicht: 202 Brauereien mit einer Menge von jeweils weniger als 20.000 hl bringen es auf 1,2 Prozent des gesamten Bierteichs in ­Österreich. Der stand nun in 2016 wiederum für 9,5 Mio. hl (+2,2%, inkl. Export). Demgegenüber steht übrigens ein Bier-Meer in der EU mit 395,7 hl.

Bierland Niederösterreich

Betrachtet man die geografische Verteilung der Braustätten, so liegt hier klar Niederösterreich mit 54 voran. Es folgen Oberösterreich (52), die Steiermark (39), Tirol (25), Salzburg (23), Wien (19), Kärnten (13) und als Schlusslichter das weinselige Burgenland (6) sowie Vorarlberg (4), wo sich regionale Anbieter wie die Mohrenbrauerei, Fohrenburger und Egg erfolgreich gegen das Eindringen der Marktriesen stemmen.

Was nun die Biersorten betrifft, so ist Österreich quasi seit Biertrinkergedenken ein Märzen-Gefilde. Das Lager-Märzen-Bier bringt es auf einen Anteil am Gesamtmarkt von stattlichen 63,5% in 2016 (Vorjahr: 62,3%). Vergleichsweise steht das modische und von Kennern gepriesene Pils lediglich für 4,3 Prozent der Gesamtmenge. Zwei weitere Trends werden durch die Statistik konterkariert: Das zurzeit überaus trendige – und von allen großen Brauereien stark gepushte – AF-Bier brachte es vor zehn Jahren lediglich auf 1,6 Prozent Anteil. Aus diesem Hauch von alkoholbefreitem Nichts machen die frischen Positionierungsanläufe à la AF-Bier für den Mittagstisch bis dato (2016) einen Aufschwung von 2,9 Prozent vom Markt. Inwieweit dieser alkoholfreie Weg letztlich dauerhaft nachhaltig sein wird, beantwortet vielleicht das Biergeschäft in 2017.
Augenfällig ist in diesem Umfeld die Entwicklung der Radler: Vor dem großen Losradeln in 2006 brachten sie es auf 2,9 Prozent Anteil, und 2016 liegen sie in Zeiten eines bereits latent abflauenden Trends bei 5,5 Prozent.

Stark im Export

Rechnet man die possierliche Exportquote beim Bier heraus (31,9%), musste der heimische Biermarkt im Vorjahr einen zart gurgelnden Rückgang um 0,3 Prozent hinnehmen. Im Vergleich zu anderen Getränkesortimenten ist das allerdings relativ: Limonaden waren gar mit 4,5 Prozent rückläufig, Mineralwasser mit 3,7 und Fruchtsäfte mit stolzen 7,4 Prozent im Minus. Möglicher Grund für diese Unbalanciertheit: Bier hat am Ende doch ein gesünderes Image als Limo oder Saft – und gerade das Gesundheits- und Natürlichkeitsbewusstsein ist derzeit trendbestimmend. Ebenso „in” und bereits langfristig so verortet: Das Bier wird hauptsächlich im Lebensmittelhandel gekauft – und das weit über die notwendige Verstärkung für sommerliche Grillfeste hinaus: Zu 69% läuft der Konsum bereits über den LEH. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es 67, 2015 dann 70%. In den rauschigen 80er-Jahren belief sich der Gastroanteil (1985) noch auf 43%; heute sind es 29,2% (der Rest auf 100% fällt auf Letztverbraucher und Haustrunk).

Mehrweg ist Trumpf

Was die Gebindearten betrifft, wird Bier bevorzugt in Halb­liter-Flaschen (44,2%) verabreicht – mit rückläufiger Entwicklung (2006: 46,1%) hauptsächlich zugunsten der 0,33er-Flasche. Deren Anteil klettert in der Zehn-Jahres-Perspektive von 4,8 auf 9,5%. Das ist Overview durchaus nachhaltig: Insgesamt beläuft sich der Mehrweganteil bei Bier auf satte 65%.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL

Ihr Kommentar zum Thema