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Spar Österreich-Konzern wächst um 4,3 Prozent © APA/Barbara Gindl
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26.02.2016

Spar Österreich-Konzern wächst um 4,3 Prozent

Im In- und Ausland erzielte Spar einen Gesamtumsatz von 13,18 Mrd. Euro. In 2016 wird sich der Erfolg prolongieren.

••• Von Christian Novacek

SALZBURG/WIEN. Für das österreichische Handelsunternehmen Spar war 2015 erfolgreich. Sehr erfolgreich und, genau genommen, durchaus ein wenig überraschend erfolgreich. Denn die Konsumkurbel Steuerreform hat der Staat erst im Jänner dieses Jahres angeworfen. Auch die Zielpunkt-Beute (27 Outlets) wird sich erst in 2016 positiv auf den Erlös auswirken. Was war also los in 2015, dass die Tanne gar so gut gedeiht? Spar-Sprecherin Nicole Berkmann drückt es retrospektiv nahezu ­fatalistisch aus: „2015 hatte etwas zäh angefangen, ja, aber im Laufe des Jahres hat der Konsum deutlich angezogen. So haben wir das erlebt.”

Faktisch steht der größte österreichische Arbeitgeber nunmehr bei über 3.000 Standorten im In- und Ausland und einem Gesamtverkaufsumsatz von 13,18 Mrd. €. 75.000 Leute arbeiten im Zeichen der Tanne.

Mehr als 6 Mrd. Euro im Inland

In Österreich hat Spar mit 1.615 Standorten erstmals einen Erlös von mehr als sechs Mrd. € erreicht. Gegenüber 2015 ist das eine Steigerung um 3,2 Prozent. Im Ausland erzielte der Konzern mit der Sparte Lebensmittelhandel an rd. 1.170 Standorten einen Verkaufsumsatz von 4,7 Mrd. € – das ist ein Wachstum von 4,6 Prozent. Zahlen, mit denen man ein wenig angeben darf. Spar-Präsident Gerhard Drexel macht das gewohnt dezent – via Querverweis: „Angesichts der vielen Familienbetriebe des österreichischen Handels, die in letzter Zeit wirtschaftliche Schwierigkeiten hatten und verkauft wurden, dürfen wir zu Recht stolz auf die hervorragende Entwicklung des Spar-Konzerns sein”, sagt er unter Verweis auf eine dynamische Entwicklung mit Umsatzgewinnen in allen Konzernbereichen. Und – in Anbetracht einer positiven Spar-­Bilanz fast schon so was wie Tradition – Drexel zieht den Vergleich zum Mitbewerb: „Unter den Vollsortimentern konnten wir das sechste Jahr in Folge die Wachstumsführerschaft erringen.”

Subkutan schwingt mit: Hofer war der eigentliche Wachstumsführer mit einem Plus von mehr als 5 Prozent – allerdings sei in dem Kontext auf jene Spekulationen verwiesen, die da meinen, ein Rechenfehler des Marktforschers Nielsen aus der Vergangenheit habe eine aktuelle Korrektur nach oben bedingt.

Optimismus für 2016

Der Anblick einer makellosen Bilanz wirkt sich selbstredend auf die Prognose aus: „Für 2016 bin ich optimistisch, was Spar und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung angeht. Die gesellschaftlichen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, sind sicher nicht so einfach zu bewältigen.” Konkret führt Drexel aus: „Wir werden uns 2016 mit hohem Tempo der Integration der übernommenen Zielpunkt-Standorte widmen.”

Das alljährliche Investitions­paket wird einmal mehr rd. 550 Mio. € schwer sein, für den Gesamtkonzern. Neben der Zielpunkt-Integration liegt das besondere Investitionsaugenmerk auf der qualitativen Expansion, also der Verschönerung und Modernisierung der Spar-Geschäfte.
Was für Filialen gilt, dürfte im ähnlichen Ausmaß für die selbstständigen Spar-Kaufleute gelten – zumindest haben die in 2015 den Vorwärtsdrang mitgepusht. Die Anzahl der von selbstständigen Spar-Kaufleuten betriebenen Märkte erhöhte sich von 774 in 2014 auf 784 in 2015. Darunter befinden sich 91 Spar express-Tankstellenshops – derzeit so was wie die kleine ­Expansionslokomotive für den Straßenverkehr.

Spar & der Digital Retail

Ein eher junges Investitionsgefilde für Spar sind digitale Retail-Innovationen. Diese werden erprobt und getestet – etwa anhand einer Forschungskooperation mit dem Institut für Handel und Marketing der Wirtschaftsuniversität Wien. Entsprechend kommen ab 2016 im Spar Digital Leadership Store am Campus der Wirtschaftsuniversität technische Schmankerl zum Einsatz – einen Vorgeschmack lieferte die Einführung einer neuen Generation elektronischer Regaleti­ketten im Herbst 2015.

Digitale Innovationsbereitschaft ist allerdings bei Spar nicht gleichzusetzen mit Digital Retail – das Onlinehandelsgeschäft soll nämlich trotz hoher Anstrengungen des Mitbewerbers Rewe außen vor bleiben. Die Frage, ob Onlinehandel für 2016 denn ein Thema sei, beantwortet Spar Sprecherin Berkmann strikt mit: „Nein”.
An einem in der Markenartikelindustrie umstrittenen Trend hält Spar indes überdeutlich fest: jenem hin zur Eigenmarke. Wiewohl die Latte hoch liegt, wird sie stets noch ein wenig höher gehievt. Derzeit beträgt der Anteil der Eigenmarken am Großhandelsumsatz gut 39 Prozent; der Erlös der Spar-Eigenmarken-Linien ist 2015 um sechs Prozent gestiegen. Das Potenzial scheint nicht ausgeschöpft – das legen jedenfalls die aktuellen Wachtsumsraten dar: Bei der preisgünstigen Marke S-Budget gab es 2015 ein Wachstum von mehr als 13 Prozent. Desgleichen reüssiert Spar im Hochpreissegment: Der Trend zu Produkten aus kleinen Manufakturen bescherte beispielsweise Spar Premium ein Plus von 21 Prozent, die Biolinie Natur*pur legt 16 Prozent zu. Die junge Convenience-Linie Spar enjoy trifft den Puls der Zeit und erfreut sich an 23 Prozent Umsatzwachstum.
Insgesamt vergrößerte sich die Spar-Eigenmarkenfamilie in 2015 um 180 neue Produkte. Ein Bedrohungsszenario? Nicht in der Sichtweise des Händlers. Nicole Berkmann dazu: „Wir haben trotz allem noch die meisten Markenartikel im Sortiment und sind somit weiterhin der beste Partner der Markenartikelindustrie.”

Internationale Erfolge

Über die Jahre hin hat sich die Spar-Tanne fest am internationalen Parkett verwurzelt. Die Aspiag (Austria Spar International AG) bringt ein Umsatzgewicht von 4,7 Mrd. € auf die Waage. Sie konnte in teils schwierigen, komplexen Märkten 4,6 Prozent (wechselkursbereinigt) zulegen.

Besonders erfolgreich agierte DeSpar in Norditalien: Mit derzeit 528 DeSpar- und Eurospar-Märkten sowie 33 Interspar-Hypermärkten kletterte der Verkaufsumsatz erstmals über zwei Mrd. € (+5,5%). Im einstigen Horrorszenario Ungarn lichtete sich der Himmel: Die Anfang 2015 drastisch erhöhte Lebensmittelaufsichtsgebühr wurde von der EU-Kommission als EU-rechtswidrig angesehen – und im Juli 2015 aufgehoben. Spar reagierte prompt und brachte in Ungarn 50 Kaufleute neu ans Netz (gesamt: 424 Spar und 33 Interspar-Märkte).

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