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„TTIP wird Qualität nicht steigern” © Jean-Pierre Muller/AFP/picturedesk.com

Ein Leben nach der Quote – in Österreich steigen die Anlieferungsmengen von Milch seit Mitte 2015 konstant an.

© Jean-Pierre Muller/AFP/picturedesk.com

Ein Leben nach der Quote – in Österreich steigen die Anlieferungsmengen von Milch seit Mitte 2015 konstant an.

daniela prugger 13.05.2016

„TTIP wird Qualität nicht steigern”

Josef Simon (NÖM AG) sprach mit medianet über den Milchmarkt, die ausgelaufene EU-Milchquote und das ­umstrittene Freihandelsabkommen TTIP.

••• Von Daniela Prugger

WIEN. Die Abschaffung der Milchquoten nach 37 Jahren stellte einen wichtigen Einschnitt für die Branche dar. „Die Lage ist derzeit marktseitig sehr angespannt und für unsere 3.200 Milchlieferanten bereits kritisch”, lautet der Kommentar von Josef Simon, Vorstand Produktion und Technik der NÖM AG, zur aktuellen Situation am Milchmarkt. „Mit einem halben Jahr Nachlauf nach Quotenende ist die Rohmilchmenge doch wesentlich angestiegen.” Im Februar 2016 wurden laut AMA in Österreich 260.403 t Milch angeliefert. Saisonal bedingt, war das weniger als im Vormonat, der Rückgang von Jänner auf Februar 2016 betrug knapp drei Prozent, im Vorjahr waren es noch sieben Prozent – ein Umstand, der zusammen mit den aktuellen Erzeugermilchpreisen (33,78 € in 2015) eine Steigerung der Milchanlieferungs­menge bestätigt.

TTIP bedroht Milchbauern

Ursprünglich waren die Milchquoten eingeführt worden, um die „Überschüsse” in der österreichischen und der europäischen Milchwirtschaft zu begrenzen, die damals mit öffentlichen Stützungsmitteln auf den Weltmarkt gebracht wurden. „Es wird aber immer mehr Rohstoff produziert; das kann sich ohne strukturierende Absatzkanäle außerhalb Europas nicht mehr ausgehen”, erklärt Simon. Politischen Handlungsbedarf sieht er auf europäischer Ebene – nur dort könne wirksam etwas unternommen werden. Tatsächlich diskutiert der EU-Agrarrat in Brüssel kommenden Dienstag über eine freiwillige Mengensteuerung bei Milch, um das Problem in den Griff zu bekommen. Auch das umstrittene Handelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) steht auf der Agenda – ein Thema, das auch Simon nicht kalt lässt. „Nachdem hinter verschlossenen Türen geheim verhandelt wird, was ich persönlich überhaupt nicht verstehe und für gut finde, kann man nur erahnen, welche Auswirkungen es auf unsere Lebensmittel haben kann.”

Die Öffnung des europäischen Marktes würde auf die kleinstrukturierten Milchbauern, die im Durchschnitt mit 15 Kühen im Stall arbeiten, einen massiven Druck ausüben und eine Auswirkung auf die österreichischen und europäischen Qualitätsstandards haben. „Eine Steigerung unserer hohen Qualitätsstandards werden wir mit TTIP wohl nicht erfahren. Unsere Anstrengungen gehen seit Jahren in Richtung, natürlicher und weniger Zusatzstoffe, Regionalität, clean label, carbon footprint sowie Ressourcenschonung. Die Informationen, die uns bisher zugänglich sind, lassen eher das Gegenteil befürchten. Wir hoffen, dass unsere Konsumenten im Sinne einer gesunden Umwelt auch in Zukunft auf regionale Produkte zugreifen werden.”

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