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Über das gute Gefühl, ein Ex-Monopolist zu sein © Altstoff Recycling Austria AG/APA-Fotoservice/Hörmandinger

Werner Knausz (Vorstand ARA), Alfred Berger (Aufsichtsratsvorsitzender ARA) und Christoph Scharff (Vorstand ARA).

© Altstoff Recycling Austria AG/APA-Fotoservice/Hörmandinger

Werner Knausz (Vorstand ARA), Alfred Berger (Aufsichtsratsvorsitzender ARA) und Christoph Scharff (Vorstand ARA).

daniela prugger 19.05.2015

Über das gute Gefühl, ein Ex-Monopolist zu sein

ARA-Jahresbilanz Die Erfassungsmenge konnte 2014 gesteigert werden – auch wegen der Übernahme von Öko-Box

ARA-Vorstand Knausz: „Wir sind gut gerüstet für den Wettbewerb, aber noch ist es zu früh für ein Fazit.”

Wien. Das Monopol der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) im Haushaltsbereich ist seit Jahresanfang Geschichte. Und obwohl die zur Rücknahme verpflichteten Unternehmen den Haushaltsmüll nun bei mehreren Anbietern zuliefern können, kann Werner Knausz, ARA-Vorstand, der Marktliberalisierung auch etwas Gutes abgewinnen: „Es ist ein gutes Gefühl sagen zu können, dass wir ein ehemaliger Monopolist sind.” Er sieht die ARA gut gerüstet für den Wettbewerb mit den vier weiteren Sammelsystemen, die eine Zulassung erhalten haben. „Ob man wirklich gut ist, merkt man erst im Wettbewerb”, erklärt Knausz auf der vor Kurzem abgehaltenen ARA-Jahrespressekonferenz.

Österreich hat mehr recycelt

Derzeit hat die ARA im Haushaltsbereich einen Marktanteil zwischen 75 und 80%. Die gesamte Erfassungsmenge stieg 2014 im Vergleich zum Jahr davor um 9.000 t auf 844.900 t. Der Zuwachs ist teilweise auf die Übernahme von Öko-Box zurückzuführen. Einen deutlichen Zuwachs gab es bei Papier mit einem Plus von 7.600 t. Bei Glas war mit -1.500 t ein geringfügiger Rückgang zu verzeichnen. Bei den Metall- und Holzverpackungen konnte das hohe Vorjahresniveau gehalten werden. Die Lizenztarife wurden um zwei Prozent auf 131 € pro Tonne gesenkt; das ist der niedrigste Preis seit 22 Jahren.
Aufsichtsratsvorsitzender Alfred Berger kritisiert die noch offene Abgeltungsverordnung. Für jene Verpackungsmengen, die im Restmüll landen, sollen zukünftig 19 Mio. € an die Gemeinden fließen. Industrie und Handel müssten diese Kosten in ihre Preise unterbringen, so Berger. Allerdings benötige die Wirtschaft dafür ausreichend Zeit: „Die Sammelsysteme müssen zuerst mit den Gemeinden Vereinbarungen über die Abgeltung treffen, darauf aufbauend Kosten und Tarife kalkulieren.” Er plädiert deshalb für eine Umsetzungsfrist von mindestens vier Monaten.

Kosten bleiben Thema

Trotz der vielen Veränderungen bleibt für Knausz eines beim Alten: „Wir werden nie aufgeben, die Oberlehrer der Nation zu sein. Die Motivation der Bevölkerung ist beim Thema Recycling sehr wichtig.” Noch sei es zu früh, um ein abschließendes Resümee über die Marktöffnung zu ziehen, so der Vorstand. Für Berger bleiben aber auch die Kosten ein Thema, denn „obwohl Wettbewerb in der Regel mit sinkenden Kosten verbunden ist, sieht sich die betroffene Wirtschaft mit drohenden Kostensteigerungen konfrontiert. Ich appelliere daher an die Verantwortlichen, dass in der Ausgestaltung der neuen Marktregeln Effizienz und Mittelschonung im Vordergrund stehen müssen.”
Ziel für die Zukunft sei es jedenfalls, die Marktposition zu stärken und in den nächsten drei Jahren die verlorenen Marktanteile wieder zurückzugewinnen. Dafür soll auch die neue Servicemarke ARAplus sorgen.

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