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Waldquelle sprudelt auch ohne Konzernbrunnen kräftig © Foto Kittel
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Nataša nikolić 06.05.2016

Waldquelle sprudelt auch ohne Konzernbrunnen kräftig

Gerhard Forstner (GF) sprach mit medianet über Trinkwasser­sprudler, Gastronomie und die Bedeutung von Mineralwasser.

••• Von Nataša Nikolic

WIEN/KOBERSDORF. Waldquelle-Geschäftsführer Gerhard Forstner spracht mit medianet über die ­Herausforderungen am heimischen Mineralwasser-Markt, die Entwicklung des Near Water-Bereichs und die Ambitionen, in die Gastronomie einzusteigen.

medianet: Wie leicht oder wie schwer ist es, am österreichischen Mineralwassermarkt zu den Top Playern zu gehören?
Gerhard Forstner: Der österreichische Markt ist ein sehr dynamischer mit interessanten Produkten. Unser Erfolgsgeheimnis ist es, schlank zu sein – in den Strukturen wie im Preis. Waldquelle ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Wir sind mit einem konstanten Marktanteil einer der führenden Anbieter im Mineralwasserbereich. Gerade das letzte Jahr mit einem besonders heißen Sommer bescherte uns einen neuen Rekord.

medianet: Welchen Marktanteil hat Waldquelle?
Forstner: Unser Marktanteil am Gesamtmarkt liegt bei 14,6%, inklusive Hofer und Lidl, das schwankt immer und ist auch saisonal immer ein bisschen anders und abhängig von Aktionen. Ohne Hofer und Lidl liegen wir bei ca. 18,4%.

medianet: Wie sehen Sie die Entwicklungen im Near Water-Bereich in Österreich?
Forstner: Das Near Water-Segment hat im Vorjahr stagniert – nach vielen Jahren des starken Wachstums. Wir sehen einen Grund darin, dass der Konsument durch so viele austauschbare, teils sehr exotische Geschmacksrichtungen der Mitbewerber verwirrt wurde. Im vergangenen Jahr kam es dann zur Sortimentsbereinigung. Wir rechnen damit, dass das Segment weiter wachsen wird. Waldquelle wächst als einziger Anbieter im zweistelligen Prozentbereich, von 2014 auf 2015 konnten wir eine Steigerung von 20,8% verzeichnen.


medianet: Inwieweit macht Waldquelle bei Trends mit?
Forstner: Also wir bemühen uns eher nicht, zu kopieren, sondern wir wollen eigene Ideen haben, und es gibt schon noch genügend Möglichkeiten, etwas zu bringen, das gut schmeckt. Heuer haben wir zum Beispiel Orange und roten Apfel gebracht, und ich glaube, dass das zwei Produkte sind, die uns heuer zusätzlichen Aufwind geben werden. Nächstes Jahr haben wir wieder neue Ideen.

medianet: Ist Waldquelle in der Gastronomie vertreten?
Forstner: Wir sind in der Gastronomie nur rund um den Kirchturm von Kobersdorf vertreten, also sehr wenig. Wir sind auch keine Biertochter oder Coca-Cola-Tochter, wir haben den Vertrieb nicht, wir haben die Feinlogistik und -verteilung nicht, wir können nicht mit dem Bier das Mineralwasser mitführen. Wir sind spezialisiert auf den LEH und haben dort auch sehr viel Erfahrung und verstehen das sehr gut und glauben, dass wir dort sehr stark sind. Wir werden das Impulsgeschäft sicher forcieren, aber in die Gastronomie selbst werden wir nicht gehen.

medianet: Machen es Ihnen dort Unternehmen wie Coca-Cola schwer oder gibt es generell keine Ambitionen, in die Gastronomie einzusteigen?
Forstner: Das ist derzeit aus Vertriebsgründen nicht möglich und es ist auch sehr schwer, da reinzukommen. Der Gesamtumsatz von Mineralwasser in der Gastronomie wird auf etwa 15% geschätzt, da kann man gut verdienen, aber dazu muss man eben Coca-Cola oder Heineken heißen.

medianet:
Mit Zielpunkt hat Waldquelle einen langjährigen Partner verloren. Wie wirkt sich dieser Verlust auf den Um- und Absatz aus?
Forstner: Wir hatten eine sehr gute Partnerschaft mit Zielpunkt, sind aber auch bei den anderen LEH-Playern sehr gut distribuiert. Wir sind praktisch zu 100% in ­Österreich gelistet, und die Zielpunkt-Kunden gehen jetzt sicherlich zu den anderen verbleibenden Marktteilnehmern. Ich rechne damit, dass wir da keine Probleme haben werden, da wir auch mit den Nachfolgern zusammenarbeiten. Ich sehe das auch schon an den Zahlen, das wird sicher kein Problem für uns.

medianet: Welches Waldquelle- ­Mineralwasser kommt im Handel am besten an, und haben künftig auch Limonaden einen Platz in ­Ihrem Produktportfolio?
Forstner: Immer noch das spritzige; das stille wächst ziemlich stark von einem niedrigen Niveau aus, es wird immer stärker. Das sanfte, mit wenig CO2, bleibt ungefähr gleich, während spritzig leicht rückläufig ist. Und bezüglich der Limonaden: Ich glaube einfach, dass Produkte mit weniger Zucker, also wo die Süßung aus der Frucht kommt, am Markt mehr gewünscht sind. Und wir sind dabei, uns da was zu überlegen, aber wir haben hier noch nichts Konkretes. Ich glaube, dass das ein durchaus interessantes Segment ist.


medianet: Inwieweit sehen Sie in Trinkwassersprudlern hier eine Konkurrenz?
Forstner: Ich glaube nicht wirklich, dass die uns sehr schaden können. Sowas wird’s immer geben, das flammt auf und geht auch wieder zurück. Ich glaube also nicht, dass wir da große Probleme haben werden. Andererseits, wenns so wäre, könnten wir auch nichts machen. (lacht)

medianet: Wir haben in Österreich sehr gutes Leitungswasser; glauben Sie nicht, dass der Mineralwassermarkt bei zunehmenden Existenzängsten und Einsparungen der Konsumenten einbüßen muss?
Forstner: Es gibt immer noch sehr viele Gegenden in Österreich, wo das nicht so ist und wo die Leute drauf angewiesen sind, gutes Wasser zu bekommen. Außerdem ist es ja so, dass natürliches Mineralwasser schon was anderes ist. Es ist nicht einfach reines Leitungswasser, sondern eine Mineralienkomposition, die es im normalen Wasser nicht gibt.

medianet: Glas versus PET: Welche Rolle spielt die Glasflasche seit der Umstellung auf PET bei Wald­quelle?
Forstner: Wir sind Marktführer im Handel mit Mehrweg und haben auch vor, das zu bleiben.

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