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Warum nur wenige Händler der Quengelzone den Kampf ansagen © Franziska Kaufmann
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daniela prugger 01.07.2015

Warum nur wenige Händler der Quengelzone den Kampf ansagen

Kassenbereich ­Eine Alternative zu den süßen Snacks an den Kassen wünschen sich viele Kunden, vor allem Eltern, die mit ihren Kindern ein-kaufen.

Salzburg. Kurz vor dem Kassenförderband im Snackregal zugreifen – darauf setzen viele Supermärkte und Discounter. Angeboten werden in der sogenannten Impulszone vor allem handliche Süßigkeiten wie Schokoriegel, Gummibärchen, Kaugummis sowie Hochprozentiges in Mini-Fläschchen. Die Preise sind vermeintlich niedrig, die Zeit, in der die Kaufentscheidung getroffen wird, ist kurz. Dabei wünschen sich viele Konsumenten – allen voran Eltern, die mit ihren Kindern einkaufen – gesunde Alternativen. Denn für sie wird die Impulszone zum unangenehmen Quengelbereich: Sehr oft sind die Regale mit den Snacks nämlich auch in Greifweite der Kinder, die – Überraschung – verrückt sind nach den süßen, bunten, lustigen Produkten.

Vor dem Hintergrund zunehmender Fälle von Adipositas und Diabetes bei österreichischen Kindern stellt sich für viele Kritiker die Frage nach der Verantwortung von Händlern. Verglichen mit anderen Plätzen im Markt, weist die Kassenzone eine enorme Flächenproduktivität auf.

Kaugummi ist Zugpferd

In den Kassenbereichen werden mit nur einem Prozent der Verkaufsfläche je nach Marktgröße bis zu 7,1% des Gesamtumsatzes generiert – so das Ergebnis einer Studie des Europäischen Handelsinstituts (EHI Retail Ins-titute) aus dem Jahr 2013. Die Süßwaren generieren dabei den größten Anteil und zwar mit 22,2% mehr als alle übrigen Warengruppen zusammen. Das Zugpferd bleibt Kaugummi: „Bei einer geringen Nettofläche trägt die Kaugummi-Kategorie satte 44% zum Umsatz und sogar mehr als die Hälfte (51%) zum Ertrag des Sortiments bei”, heißt es in der EHI-Studie.
Kein Wunder also, dass Supermärkte und Discounter ihre Kassenzone verteidigen und höchstens zeitweiße gesunde Kassenbereiche einführen – allerdings nur in manchen Filialen und nicht an allen Kassen. Im Sommer 2014 hatte auch Lidl Österreich die Vitale Kasse an den Hauptkassen eingeführt und die industriell erzeugten Süßigkeiten mit Fruchtsnacks, Nüssen und getrocknetem Obst ersetzt. Die Lidl-Kunden jedenfalls hat die Umstellung nicht gestört, im Gegenteil: „Das Feedback zur ‚Vitalen Kasse' ist hervorragend. Unser Angebot für ernährungsbewusste Kunden kommt sehr gut an und ist nicht mehr wegzudenken”, kommentiert Alexander Deopito, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Lidl Österreich. Ob es irgendwann nur noch Vitale Kassen geben werde, konnte Pressesprecher Hansjörg Peterleitner aber nicht beantworten.

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