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Wenn Palmöl in aller Munde ist © Laura Langoth

Der Keks-Test 50 verschiedene Keks-Sorten wurden von Global 2000 und Südwind getestet. Nur zwei Produkte waren mit einem Palmöl-spezifischen Label gekennzeichnet.

© Laura Langoth

Der Keks-Test 50 verschiedene Keks-Sorten wurden von Global 2000 und Südwind getestet. Nur zwei Produkte waren mit einem Palmöl-spezifischen Label gekennzeichnet.

Redaktion 02.12.2016

Wenn Palmöl in aller Munde ist

Global 2000 und Südwind kommen zum Schluss: Die meisten Kekse enthalten Palmöl, häufig undeklariert.

WIEN. Acht von zehn Keksen enthalten Palmöl – diese Bilanz ziehen die beiden Organisationen Global 2000 und Südwind. Im Rahmen einer aktuellen Studie wurden 150 verschiedene Keks-Sorten getestet. Nur zwei Produkte waren mit einem Palmöl-spezifischen Label gekennzeichnet. Transparenz könne man sich als Kunde in den meisten Fällen nur durch die Infos auf der Webseite der Hersteller verschaffen. Oder jene des Round Table for Sustainable Palm Oil (RSPO) konsultieren – ein Umstand, der von Konsumentenschützern als problematisch erachtet wird.

Rodungen und Landraub

Doch nicht nur Kekse sind betroffen: Jeder zweite Artikel, der in einem Supermarkt verkauft wird, enthält Palmöl, teilen die Sprecher von Global 2000 und Südwind mit. Ob Margarine, Schokolade-Aufstrich, Schokolade, Tiefkühlkost, Fertigprodukte, Gebäck, Kosmetika, Dusch- und Waschmittel – sie alle enthalten Palmöl. Doch in Indonesien und Malaysia, wo mehr als 80% des weltweiten Palmöls produziert wird, kommt es immer wieder zu massiven Menschenrechtsverletzungen, Lebensraumvernichtung und Landraub. Die ständig steigende Nachfrage bedroht nun auch Afrikas letzte Urwälder und den Amazonas.

„Solange es für Konsumenten keine Möglichkeit gibt, die Herkunft von Palmöl in den Produkten transparent nachzuvollziehen und sicher zu sein, dass dafür kein Regenwald abgeholzt oder Menschen von ihrem Land vertrieben wurden, raten wir zu einem Verzicht – in den meisten Fällen führt das auch zu einer gesünderen und besseren Ernährung”, so David Horvath von Südwind.
Die Art des Anbaus bestimmt, wie nachhaltig die Produktion ist – dieses Prinzip gilt auch für die Ölpalme. Würde diese beispielsweise durch die Kokospalmen oder Soja ersetzt werden, ohne die Strukturen der intensiven Plantagenwirtschaft zu ändern, wäre nichts gewonnen – im Gegenteil: Der Flächenverbrauch, um die gleiche Menge Öl zu produzieren, würde sogar steigen. Der Ersatz von Palmöl mit heimischen Ölen z.B. aus Raps, Sonnenblumen oder europäischen Soja dagegen hat ­Potenzial, solange diese Kulturen sinnvoll in existierende Fruchtfolgen integriert werden.

Anstieg der Produktionsfläche

Die globale Nachfrage nach Palmöl ist in den letzten Jahrzehnten konstant gestiegen. Global gesehen, hat das zu einem Anstieg der Palmölplantagen von 6 Mio. ha in 1990 zu über 17 Mio. ha in 2012 geführt. In den zwei Hauptanbauländern Indonesien und Malaysia stieg die Fläche von 1990 bis 2010 von 3,5 Mio. ha auf über 13,1 Mio. ha an. Der tatsächliche Pro-Kopf-Verbrauch von Palmöl ist nicht leicht zu berechnen, da Palmöl nicht nur als Rohstoff, sondern v.a. verarbeitet importiert und exportiert wird. (dp)

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