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Wie Pfeiffer mein Mitgefühl verlor
04.12.2015

Wie Pfeiffer mein Mitgefühl verlor

Ein paar Stunden mit der Belegschaft reichten aus.

Am Tellerrand••• Von Nataša Nikolic

WOHLGEMEINT. Noch vor einer Woche tat mir Georg Pfeiffer ein wenig leid, vor allem als die Kollegin nach dem Interview mit ihm und Erich Schönleitner erzählte, wie betroffen und traurig sie ausgesehen hätten. Mittlerweile habe ich deutlich weniger Mitleid mit den beiden Herren. Dazu trug zum einen die Bekanntgabe bei, dass Pfeiffer etwa 68 (!) Immobilien aufgekauft hat, in denen sich Zielpunkt-Filialen befinden, und bald vermutlich das Rosinenpicken losgeht. In erster Linie geht der Mitleidsverlust aber auf Rechnung der Betriebsversammlung der Zielpunkt-Belegschaft, die ich diese Woche besuchen durfte. Den anwesenden Noch-Mitarbeitern hat man zum Großteil die Verzweiflung angesehen, allen voran der Betriebsrätin, die erstens selbst betroffen ist, und dann noch die Sorgen der Kollegen mitbekommt, da viele auf sie zukommen und ein Gespräch suchen.

Glück im Unglück ist aber, dass sie nicht allein gelassen werden, sondern Unterstützung von den Apparaten des Sozialstaats bekommen. Eine Sache, die zusätzlich für Unmut in der Belegschaft sorgt, ist dass sie weiterhin in die Arbeit gehen müssen, obwohl sie zumindest einige Wochen noch nicht bezahlt werden.

Ein Geschenks-Fail

Bei einigen Mitarbeitern zeigte sich Pfeiffer großzügig und beschenkte sie zu Weihnachten mit einer Box mit regionalen Produkten – eine nette Geste, die Unimarkt- und Nah&Frisch-Beschäftigte gefreut haben dürfte. Jedoch wird jemand, der in den nächsten Wochen als arbeitslos beim AMS gemeldet ist, eher wenig bis nichts mit einem Unimarkt Online-Gutschein im Wert von 10 € anfangen (ein Haken: ab einem Einkaufswert von 50 €). Eher wird der einen riesengroßen Bogen um das Geschäft machen.

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