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„Wir sind Marktführer bei Einzelportionskaffee” © Panthermedia.net/Belchonock
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daniela prugger 30.09.2016

„Wir sind Marktführer bei Einzelportionskaffee”

Die Tassen hoch: Tchibo/Eduscho ist Marktführer bei ­Filter-, Espresso- und Einzelportionskaffee.

••• Von Daniela Prugger

 

Österreich ist ein Kaffeetrinker-Land. 2,9 Tassen Kaffee pro Tag werden im Schnitt getrunken. Gibt es da dann noch Luft nach oben am Kaffeemarkt? Ist der Zenit nicht schon erreicht? Für ­Harald J. Mayer, Tchibo/Eduscho Geschäftsführer, ist klar: Früher herrschte das Prinzip „Kaffeetankstelle” vor. Es ging vor allem darum, viel und starken Kaffee zu trinken, um munter zu werden. Zu seiner großen Freude werde der Tag des Kaffees endlich gemeinsam in der EU begangen – ein starkes Signal an Produzenten und Händler. Bei Tchibo/Eduscho gab es eine Woche lang Festivitäten und Aktionen rund um das beliebteste Heißgetränk der Österreicher.

Kaffee sei mittlerweile ein Kultgetränk, das sich in gewissen Situationen einfach etabliert hat. Spürbar ist aber auch, dass Konsumenten Wert „auf Nachhaltigkeit” legen und „diesen Faktor in ihre Kaufentscheidung mit einbeziehen”, erklärte Mayer im Gespräch mit Journalisten. Bereits 2013 wurde der Anteil von nachhaltigem Kaffee am Gesamtsortiment auf ein Drittel ausgebaut.
Eine weitere Nachhaltigkeits-Maßnahme: Einweg-Plastik­sackerl wurden komplett aus den österreichischen Filialen verbannt; dafür gibt es Mehrwegtaschen aus Recycling-PET und Bio-Vlies. Die Umstellung stieß bei den Kunden dank kontinuierlicher Kommunikation und offenem Informationsaustausch seitens des Unternehmens auf überwiegend positive Reaktionen und Verständnis auf Verbraucherseite, kommunizierte das Unternehmen vor einigen Wochen.

Ein starkes Weihnachtsstück

Die Handelskette Tchibo/Eduscho macht im letzten Tertial 30% des Jahresumsatzes. Rund um die Weihnachtszeit macht Tchibo/Eduscho nur noch etwa 25% des Umsatzes mit Kaffee, den Rest mit Bekleidung, Haushaltsartikeln und Elektronik. Unterm Jahr liege das Verhältnis bei 50:50. Doch Kaffee – mittlerweile auch gern in Kapseln – war und bleibt immer das Kerngeschäft der Handelskette. In Österreich, wo der Pro-Kopf-Verbrauch von Kaffee bei 162 l im Jahr liegt, sind noch immer in fast der Hälfte der österreichischen Haushalte Filterkaffeemaschinen im Einsatz.

Doch vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei über 80%. Mehr als ein Drittel der Haushalte hat schon eine Kapselmaschine, etwa genau so viele eine Vollautomaten-Maschine. Besonders vielversprechend, so Mayer, sei der Espresso-Markt; dieser steige zwischen 3 und 4 Prozent.

Kapselspiel

Nach eigenen Angaben ist Tchibo/Eduscho österreichischer Marktführer bei Filter-, Espresso- und Einzelportionskaffee – zumindest, wenn es nach den verkauften Mengen geht. Nach Umsatz betrachtet, hat Nespresso am Kapselmarkt die Nase vorn. Den Vorwurf, dass Kapseln umweltschädlich sind, will sich Mayer nicht gefallen lassen: „Alle Hersteller arbeiten daran, dass sie umweltfreundlicher werden.” Bei Tchibo/Eduscho seien die Kapseln ohne Alu, das Plastik recycelbar und der Kaffee fair gehandelt. Von Pfand auf Kapseln, wie es in Deutschland diskutiert wird, hält Mayer wenig: Er sei gegen Verbrauchereinschränkungen. Auch für den Tee sieht Mayer am österreichischen Markt großes Potenzial.

Zu den Einbußen, die die Handelskette im vergangenen Jahr in Deutschland gemacht hat, äußert sich Mayer nicht. Für Deutschland könne er nicht sprechen, die Entwicklung in Österreich sei anders. Mit ihren 140 Filialen und 1.150 Beschäftigten setzte Tchibo im Vorjahr 325 Mio. € in Österreich um, 2014 waren es 316 Mio. €. Wie das heurige Jahr wird, hänge vor allem von den nächsten Monaten ab, so Mayer.

Look and Feel

Seit einiger Zeit schon setzt das Unternehmen auf die Verbindung aller Einkaufswelten – damit einher geht auch eine multimediale und zeitgemäße Ausrichtung der Filialen. Die Mitarbeiter werden mit iPads ausgestattet, Kunden können sich die gewünschten Produkte auch in die Filiale bestellen.

„Für den stationären Handel wird es in Zukunft immer wichtiger, in der Filiale ein Einkaufserlebnis zu schaffen, wo der Kunde Inspiration findet und Freude am beim Entdecken des Sortiments erlebt. Auch Tchibo/Eduscho setzt in Zukunft auf ein Shoppingkonzept mit Entertainment-Faktor ganz im Sinne von ‚Look and Feel' sowie eine moderne Ladengestaltung”, ergänzt Mayer.

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