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Wo das Bio-Herz höher schlägt ... © denn’s Biomarkt
© denn’s Biomarkt

Nataša nikolić 03.06.2016

Wo das Bio-Herz höher schlägt ...

Mareike Nossol (denn’s Biomarkt) sprach mit medianet über ihre ­Expansionspläne und die geplante Bio-Eigenmarke.

••• Von Nataša Nikolic

WIEN. Der neue denn’s Biomarkt in der Josefstädter Straße in Josefstadt hat gerade erst seine Pforten geöffnet, und schon flanieren zahlreiche Kunden neugierig durch die Gänge oder sitzen bereits im kleinen Bio-Bistro rechts vom Eingang und frühstücken. Die meisten dürften gespannt darauf sein, in was sich ihr ehemaliger Nahversorger Zielpunkt transformiert hat. Geblieben sind schließlich nur noch einige Mitarbeiter, die noch vor ein paar Monaten beim Zielpunkt gearbeitet haben, der Rest ist fremd – aber dennoch einladend. Rund 330 m2 voll mit Bio-Produkten – vom Bio-Tee, -Müsli, -Wein über -Obst und -Gemüse, hin zur Bio-Gesichtscreme und -Waschmittel findet sich alles, was das ökologische Herz begehrt. Wer Bio lebt, kauft bei denn’s und umgekehrt, könnte das Motto lauten.

Neueröffnungen in Rekordzeit

In der neu eröffneten Filiale wartet Mareike Nossol, die dennree Österreich-Geschäftsführerin, mit der medianet ein Exklusiv-Interview vereinbart hat. Nossol, die es mit ihrem Team geschafft hat, fünf ehemalige Zielpunkt-Filialen in fünf Wochen zu eröffnen, ist erleichtert, dass der Eröffnungs-Stress vorerst vorbei ist. „Es war eine sehr intensive Zeit für unsere relativ kleine Mannschaft”, so die Deutsche. Wenn im Herbst die nächste Filiale in Linz eröffnet, ist die Expansion für heuer abgeschlossen – es sei denn, denn’s bekäme den Zuschlag für die noch in Verhandlung stehenden beiden Zielpunkt-Filialen oder ein anderes, verlockendes ­Angebot. „Wenn wir keine guten Angebote kriegen, dann machen wir dieses Jahr nichts mehr”, lautet der Plan. Dass es so früh im Jahr bereits fünf Neueröffnungen gibt, sei allein Zielpunkt zu verdanken. „Der Markt ist besonders in Wien sehr schwierig. Es gibt kaum freie Flächen für den Lebensmittelhandel, und wir haben es als kleines Unternehmen nicht leicht, auf uns aufmerksam zu machen.” Vermieter hätten tendenziell lieber die großen Händler bei sich im Haus. Im Vergleich zum konventionellen Handel erhält man den Eindruck, dass denn’s gern in der Nische ist – da wird nicht viel auf sich aufmerksam gemacht. „Es ist richtig, dass wir im Vergleich zum konventionellen Handel relativ wenig Budget in Flugblattstreuung, Print oder Radio-Werbung investieren”, bestätigt Nossol. „Im Moment ist es eine Schiene, die für uns auch so gut läuft. Wir müssen schauen, was die Zukunft bringt.” Den Marketingaktivitäten des konventionellen Handels sei es zu verdanken, dass Bio die Nische verlassen hat: „Unser Unternehmen gibt es seit 40 Jahren und die ersten 20 haben wir in der vollkommenen Nische verbracht, wo viele Leute nicht einmal wussten, was Bio ist und dass es das gibt.”

Bio wird zum Lifestyle

Mittlerweile ist Bio jedermann zumindest ein Begriff. Und wenn man heute durch einen (denn’s) Biomarkt geht, trifft man Pensionisten, junge Familien mit Kindern, schwangere Frauen und Studenten. „Wir haben 7.000 Artikel, die Bio sind, und unsere Kunden müssen nicht erst schauen, ob etwas Bio ist.” Manche würden den gesamten Einkauf in Bio-Qualität tätigen, andere nur die Frischeprodukte.

Bio ist bei denn’s also alles – regional nur ein Teil. Etwa 40% der Produkte kommen aus Österreich, der Rest großteils aus den Nachbarländern. Dass österreichische Ware keinen größeren Platz im denn’s-Sortiment hat, erklärt Nossol wie folgt: „Es ist für uns ein bisschen schwierig, da österreichische Produzenten, mit denen wir zusammenarbeiten, kleinere Betriebe sind und deswegen teurer in den Produktionsprozessen und dadurch teurer im Ladenpreis. Internationale Produkte sind in der Regel preisgünstiger.”
Die Herausforderung für denn’s sei es, österreichische Marken zu finden, die nicht für Dachmarken, produzieren. Nossol wünscht sich mehr Unternehmen, mit denen man an einem Strang ziehen kann. „Es gibt einfach sehr wenige Unternehmen, die wie Sonnentor eine eigene Marke aufziehen. Die meisten füllen in Packungen von Zurück zum Ursprung, Ja! Natürlich oder Natur Pur ab und investieren nicht in eine eigene Marke.”
Für die geplante Bio-Eigenmarke im Preiseinstiegssegment sei man auf der Suche nach ebensolchen Betrieben, die vorerst für den Bereich Frische für denn’s produzieren möchten. „Mir ist es ganz wichtig, dass wir etwas schaffen, das preislich mit ausländischer Ware mithalten kann und gleichzeitig den Benefit hat, dass es aus Österreich kommt”, erklärt die ­Geschäftsführerin.
Diejenigen, mit denen denn’s bereits kooperiert, sind kleine und mittelgroße Betriebe in Österreich und teilweise zu klein, um mit den Großen zusammenarbeiten zu können. Hier hätte denn’s den Vorteil, klein und flexibel genug zu sein, um sich auf „die Produktionsbedingungen jedes einzelnen Betriebs einstellen zu können”.

Wetterkapriolen und Co.

Bei Obst und Gemüse sei es besonders im Winter schwierig, österreichische Erzeugnisse zu bekommen, „da hier einfach nichts wächst”, meint Nossol. Das jüngste Unwetter in Kärnten und der Steiermark hätte Schäden an der Erdbeer- und Spargelernte angerichtet, weshalb es notwendig war, Spargel aus anderen Ländern zu importieren. „Priorität hat immer die Ware aus Österreich, doch wenn die nicht reicht, dann kaufen wir aus umliegenden Herkunftsländern zu”, erklärt Nossol.

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