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Zielpunkt: bitteres Aus für die ungeliebte Handelskette © APA/Helmut Fohringer
© APA/Helmut Fohringer

27.11.2015

Zielpunkt: bitteres Aus für die ungeliebte Handelskette

Natürlich haben Brancheninsider es eh immer schon gewusst. Dennoch ist das Zielpunkt-Ende eine bittere Pille für die Industrie.

••• Von Christian Novacek

WIEN. Zielpunkt ist am Ende. Zwei Wochen nach dem (positiven) Paukenschlag des Coop-Einstiegs (via Transgourmet) ins österreichische Handelsgeschehen. Was ist passiert, was war geplant?

Vorneweg: Ganz programmgemäß dürfte das abrupte Aus für 229 Filialen nicht sein. Mit Coop hatte sich die Pfeiffer-Handelsgruppe soeben einen strategischen Partner geangelt, dem man auch handfeste Handelspläne zutrauen darf. Einige Brancheninsider haben dennoch für 2016 das Ende der in ihrem USP nie ganz dingfesten ­Fililalkette vorausgesagt. Coop, die ihren Fuß ins Pfeiffer-Reich gesetzt haben, sehen von einer Zielpunkt-Übernahme ab. Abgesehen vom Investitionsbedarf – ein Zielpunkt wird nicht nur durch Schilder(de)montage zum Coop – hängt ein unabschätzbarer Schweif an Lieferantenforderungen dran. Damit belastet sich ein profitorientierter Schweizer Händler nicht. Das Gleiche gilt für die Einkaufskooperative Markant; sie hat sich bereits am Mittwoch von etwaigen Bürgschaftsverpflichtungen gegenüber Lieferanten losgesagt – durch den Zielpunkt-Ausschluss.

Coop, ein Kronjuwelenräuber?


Coop hat bei Pfeiffer durch die Übernahme des C&C-Geschäfts sozusagen die Kronjuwelen abgeschöpft – Pfeiffer vice versa den am besten aufgestellten Teil seiner Handelsgruppe abgegeben. In Pfeiffers Sicht, um damit dem verbleibenden Rest (Unimarkt, Nah&Frisch-Kaufleute) das Rückgrat zu stärken. Für Markant, deren wichtigstes Mitglied Pfeiffer war (und immer noch ist, nur ohne Zielpunkt), gilt das Gegenteil: Ihr wird das Rückgrat zumindest gestaucht. Indirekt somit auch den Nah&Frisch-Handelshäusern. Bei Nah&Frisch neue, positive Aspekte herauszuarbeiten, erfordert künftig eine Meisterleistung. Einschränkung: Nah&Frisch-Kollegen aus dem Waldviertel warnten hinter vorgehaltener Hand seit Jahren vor der rasanten Expansionspolitik des oberösterreichischen Kollegen. Das sogar mit Dringlichkeit, etwa so formuliert: „Sieht denn niemand, was bei Pfeiffer los ist?” Konkret bezog sich das Erstaunen der Kollegen auf die rasante Expansionspolitik der Handelstruppe aus Traun, sehr konkret somit auf die Person Erich Schönleitner, der diese Expansionspolitik verantwortet. Positiver Aspekt (für die Nah&Frisch-Häuser): Allzu überraschend kams nicht. Negativer Effekt (für die Branche): Der drittstärkste Player im Nielsen-Universum (ohne Hofer und Lidl) gibt Marktanteile an die ohnedies übermächtigen Rewe und Spar ab. Was jetzt kommt, ist erstens weihnachtliches Grauen für rd. 3.000 Mitarbeiter. Und eine umgestürzte österreichische Handelslandschaft.

Was für die Marktanteile gilt, gilt übrigens nicht für die Läden: Dass ein potenter Händler Zielpunkt komplett übernimmt, ist Illusion. Es ist stark davon auszugehen, dass die Zielpunktmärkte filetiert werden. Das heißt nichts anderes, als dass die expansiven ­Tedi und KiK sich über billige neue Standorte freuen dürfen. Das ist die schwarze Pointe an der Sache: Tedi und KiK gehören zu Tengelmann, Zielpunkt dereinst ebenso – man könnte unken, Tengelmann schnupft bald billig auf, was dereinst wohlfeil veräußert wurde.

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