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„2016 bleibt es schwierig!” © christian-husar.com

Werner Müller: „Eine ungleiche Welt ohne Regeln schadet dem heimischen Film.”

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Werner Müller: „Eine ungleiche Welt ohne Regeln schadet dem heimischen Film.”

georg biron 08.04.2016

„2016 bleibt es schwierig!”

WKO, Film and Music Austria Geschäftsführer Werner Müller ortet für heuriges Jahr erfreuliche Bilanzen in schwierigem Umfeld.

••• Von Georg Biron

WIEN. Eigentlich schaut es gar nicht so schlecht aus: Zum 11. Mal ist der Filmwirtschaftsbericht des Filminstituts ÖFI erschienen, der eine steile Wachstumskurve für die Filmbranche dokumentiert.

In den heimischen Kinos gab es im Vorjahr ein Besucherplus von 12,1% (ohne Sommerkinos) sowie eine Umsatzsteigerung um 15,3% auf 136 Mio. €. Neben Blockbustern konnten auch zwei heimische Filme über die Besucherzahlen jubeln und erhielten das Austria ­Ticket (mehr als 75.000 Zuschauer): „Das ewige Leben” sowie „Streif. One Hell Of A Ride”.
Und der Musikmarkt 2015 ist auch erfreulich für österreichische Interpreten, denn 34 Alben platzierten sich unter den Top 100 der offiziellen Verkaufshitparade ­„Austria Top 40”.

Ohne Haftpflichtversicherung

Werner Müller, Geschäftsführer von Film and Music Austria in der WKO, sieht die Lage ambivalent: „Aus budgetären Gründen stagnieren die Förderungen, und in dem in der Gesamtschau der Filmproduktion enorm wichtigen Fernsehbereich steigt der Budgetdruck. Die Zusicherung des ORF, in den nächsten drei Jahren verpflichtend 300 Mio. € in unabhängige Produktion zu investieren, ermöglicht zwar nachhaltige Produktion, ist aber letztlich nur eine überschaubare Steigerung gegenüber dem bisherigen Investment und kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rahmenbedingungen auch in der TV-Produktion schwieriger werden.

Das in Deutschland viel gepriesene Eckpunktübereinkommen des Deutschen Produzentenverbands mit der ARD verbessert die Position deutscher Produzenten hier sehr deutlich, wenngleich auch hierin Bestimmungen enthalten sind, die österreichisch-deutsche Koproduktionen und den ORF benachteiligen; hier muss wohl noch nachverhandelt werden.”
Außerdem verweist Müller auf die Risiken, die sich aus der verstärkten Prüfungspraxis der Gebietskrankenkassen ergeben. Arbeitsverhältnisse, die bisher unstrittig auf Honorarbasis gelaufen sind, werden plötzlich in Zweifel gezogen, führen zu Zwangsanstellungen bisher selbstständiger ­Unternehmen und zu einem hohen Kostenrisiko für Produzenten, auf deren Rücken die unsichere Rechtslage ausgetragen wird.
„Beim Autofahren gibt es für alle Beteiligten wenigstens eine Haftpflichtversicherung, beim Film sichtlich nicht”, so Müller. „Rechtssicherheit sieht anders aus.”

Globale Herausforderungen

Auch beim Urheberrecht und der Speichermedienvergütung ist das Ende gerichtlicher Streitigkeiten nicht abzusehen: „Im Rechtsstreit Amazon vs. Austro Mechana gibt es eine zweitinstanzliche Entscheidung, die die Situation für die Verwertungsgesellschaften sehr schwierig machen könnte. Die Klage eines Handelsunternehmens auf Rückforderung bedeutet, dass nach langen Jahren der Unsicherheit im Zusammenhang mit der Speichermedienvergütung die Verwertungsgesellschaften nun weiterhin befürchten müssen, ihre SKE-Töpfe (Mittel für soziale und kulturelle Zwecke) aufgrund der unsicheren Rechtslage nicht ausschöpfen zu können.

Wenn bis zur Entscheidung des Obersten Gerichtshofs diese Gelder nicht zur Verfügung stehen, hat das Auswirkungen auf diese wichtigen Strukturen und sind Fonds (wie z.B. der Österreichische Musikfonds) natürlich auch betroffen.”
Generell müsse man einheitliche Standards schaffen, um das Überleben der europäischen Kreativen zu sichern.

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