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Dem Trend trotzen © fej

„Print lebt”tele-GF Hans Metzger, einer der Verfechter der heimischen Printszene.

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„Print lebt”tele-GF Hans Metzger, einer der Verfechter der heimischen Printszene.

Hans Metzger 08.04.2016

Dem Trend trotzen

Hans Metzger, Geschäftsführer des Fernsehmagazins tele, über die Stärke der Printmedien.

Gastkommentar••• Von Hans Metzger

WIEN. Die ersten Schlagzeilen lauteten: „Gratiszeitungen verloren Leser” oder „Endlich vergleichbar”. Warum müssen die Fachmedien der Medienbranche die Entwicklung der Leserzahlen stets lächelnd, leicht abschätzig und im ­Zweifelsfall immer negativ kommentieren? Warum muss sich die älteste Mediengattung der Welt seit Jahren vor Media­agenturen und internationalen Konzernen rechtfertigen, warum sie ­immer noch ein Stück vom Werbekuchen ­beansprucht?

Gute Erfolge der Verlage

Vielleicht weil sie immer noch höchst erfolgreich ist und Reichweiten hat, von denen anderen nur träumen? Vielleicht weil sie keine Adblocker und andere digitale Werbevermeidungsmaßnahmen kennt? Warum können Fachverbände und Expertenpanels nur mehr über Themen wie Schleichwerbung (Content Marketing) und das Verschleudern von Werbe­flächen (Programmatic Buying) diskutieren, statt auf die guten Erfolge der Verlagsbranche zu verweisen?

„Jeder ist online und mobil”

Fakt ist: 68,4% der Menschen in Österreich über 14 Jahren sagen, sie lesen täglich Zeitung; in der absoluten Blütezeit der Tageszeitungen, vor 15 Jahren, waren es 75,0%!

Inzwischen hat sich aber die Medienlandschaft so intensiv verändert wie nie zuvor. Jeder ist Online und Mobile, jeder weiß alles und kann eine Meinung weitergeben über ­Facebook und was auch immer, jeder ist sein eigener Verleger und Bewegtbild-Editor auf YouTube.
Und trotzdem – oder gerade deshalb – brauchen und wollen die Menschen eine gefestigte Meinung, eine fundierte Meinung, eben echten Journalismus. Zumindest 68,4% von ihnen.

„Aufs und Abs gibt es immer”

Ist das eine Schlagzeile wert, liebe Fachjournalisten? Müsst Ihr Euch wirklich auf die wenigen Titel in der Media-Analyse stürzen, die gerade Reichweite verlieren? Aufs und Abs gab es immer.

Fakt ist: Print lebt. Und man sollte es nicht schlechtschreiben, weil die Menschen es einfach weiterhin wollen. Weil die Menschen weiterhin eine gut recherchierte journalistische Meinung und eine klare ­Stimme in diesen unsicheren Zeiten wollen. Boulevard, Qualität, Kauf, Gratis – jeder, wie er mag.

Printmedien bleiben in ­Österreich die beliebteste und werbe­relevanteste Medien­gattung. Das wäre eigentlich die richtige Schlagzeile zum Erscheinen der MA 2015.

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