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„Die Budgets werden knapper, aber die Anforderungen steigen” © stadt wien marketing; Foto Wilke / Montage : B. Schmid
© stadt wien marketing; Foto Wilke / Montage : B. Schmid

12.05.2015

„Die Budgets werden knapper, aber die Anforderungen steigen”

Events in the City Auch abseits des Song Contests ist Wien Schauplatz zahlreicher Events und verfügt mit der stadt wien marketing über eine eigene Veranstaltungsunit. Wir baten die beiden Geschäftsführer Barbara ­Forsthuber (Bild) & Michael Draxler zum Gespräch über Erfolge, Trends und Herausforderungen.

Wien. Die stadt wien marketing GmbH wurde im März 1999 gegründet, um im Auftrag der Stadt Wien Events in der Bundeshauptstadt zu unterstützen, zu fördern und durchzuführen. Ziel ist es laut Definition, „Wien sowohl für die Wienerinnen und Wiener als auch für in- und ausländische Gäste attraktiv, lebens- und liebenswert zu machen”. Das Portfolio ist groß: Vom Wiener Eistraum über das Film Festival am Rathausplatz und den Silvesterpfad bis hin zu vielen, auch kleineren, Veranstaltungen erstreckt sich das Tätigkeitsfeld der stadt wien marketing, einer stadteigenen Unit, die hier als Veranstalter auftritt.

Und dank des Gewinns des Eurovision Cong Contest wird Wien am 17. Mai in einer großen Zeremonie am Rathausplatz und im Rathaus selbst auch noch eine große Welcome-Zeremonie für die Gäste des Events, die 40 Delegationen der teilnehmenden Nationen, ihre Künstler und Mitwirkenden für deren Auftritt, internationale und nationale Gäste sowie Journalisten und Fotografen aus ganz Europa begrüßen.
An der Spitze des stadt wien marketing-Teams selbst stehen als Geschäftsführer Barbara ­Forsthuber und Michael Draxler. Wir baten die beiden zum Gespräch


medianet:
Wie viel Publikum erreichen Sie mit Ihren Events?
Michael Draxler: Beim Film Fes-tival allein sind es schon 700.000 Menschen. Beim Silvesterpfad sind es nochmal so viele – und das in nur zwölf Stunden –, und der Wiener Eistraum zieht auch insgesamt 500.000 Besucher an. Also gut zwei Millionen Menschen mit nur drei Events.

medianet:
Und was können Sie Ihren Partnern und Sponsoren im Zuge der Kooperation bieten?
Barbara Forsthuber: Es geht um das Erlebbare vor Ort, das der Sponsor dem Publikum bieten kann. Dies reicht von einem Werbespot vor Filmbeginn bis zu einer privaten Lounge, wo spezielle Kunden in einem abgetrennten Bereich ohne Wartezeit in angenehmer Atmosphäre empfangen werden können. Aber auch andere Dinge wie etwa ein wahnsinnig schön design-ter Bankomat von unserem Partner UniCredit Bank Austria AG, die diesen beim Event vor Ort aufstellt und somit Kunden einen unmittelbaren Service bietet.

medianet:
Wie hoch ist das Budget der stadt wien marketing, und wie viel müssen Sie zusätzlich lukrieren?
Draxler: Beim Eistraum etwa sind es 20% Basisfinanzierung, und die restlichen 80% des 1,9 Mio. € Budgets holen wir über Kooperationen, Eintrittsgelder, Gastronomie-Partner und andere Aktivitäten herein. Beim Film Festival müssen wir 40% von insgesamt 2,2 Mio. € am freien Markt verdienen; in der heutigen Zeit ist das eine ganz schöne Herausforderung, aber es zeigt, dass wir in unseren Partnerschaften nie aufhören, kreativ zu sein, um unseren Sponsoren optimale Präsentationsmöglichkeiten zu bieten. Dass uns das gut gelingt, zeigt sich am Umstand, dass wir nur ganz wenige Einmal-Sponsoren haben; mit den meisten pflegen wir eine langjährige Partnerschaft.

medianet:
Sprechen wir kurz über den Markt. Gerade der Bereich Sponsoring/Event hatte nach 2009 eine deutliche Delle erlitten. Wie schwer war es denn, angesichts sinkender Budgets das hohe Niveau zu halten?
Forsthuber: Nur deshalb, weil etwa Budgets sinken, können wir unsere Events nicht plötzlich verkleinern. Das würde kein gutes Bild machen. Deshalb versuchen wir permanent, im Service, im Er­scheinungsbild oder in der Programmauswahl das Optimum herauszuholen, indem wir ständig Neues anbieten. Wenn wir da einmal nachlassen würden oder es grobe Fehler geben würde, etwa bei der Kulinarik, würden wir Sponsoren verlieren. Deshalb geben wir nicht 100, sondern immer 300 Prozent.

medianet:
Wie haben sich die Bedingungen für Großevents generell entwickelt?
Draxler: Das lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: Die Budgets werden knapper, die Anforderungen gleichzeitig aber höher. Und: Seit den tragischen Ereignissen in Duisburg, wo es zu einer Massenpanik gekommen war, schauen die Behörden noch viel genauer und verlangen viel mehr ab als vorher – was völlig in Ordnung ist.

medianet:
Und wie ist Ihre Prognose, wie sich die Situation am Event- und Sponsoring-Markt in den kommenden Jahren generell entwickeln wird?
Forsthuber: Bei kleineren Beträgen und Events öffnen sich die Ohren und Herzen wieder etwas, aber natürlich in einem unvergleichlich kleineren Ausmaß als vor 2009.

medianet:
Haben die neuen Compliance-Regeln das Geschäft schwieriger gemacht?
Draxler: Im Veranstaltungsbereich bei bestimmten Events ganz sicher. Vor allem dort, wo besonders der VIP-Package-Verkauf wichtig ist. Wobei ich durchaus auch den Eindruck habe, dass man sich hier auf ein vernünftiges Niveau hin ent-wickelt.

medianet:
Für wie viele Veranstaltungen pro Jahr zeichnen Sie insgesamt verantwortlich?
Forsthuber: Die Zahl bewegt sich zwischen 40 und 60. Generell kann man sagen, dass wir wöchentlich einen Event veranstalten und das seit 16 Jahren. Wobei es, und das ist mir wichtig zu sagen, nicht so ist, dass wir automatisch, wenn quasi im Haus ein Event zu organisieren ist, beauftragt werden. Wir müssen uns täglich beweisen.

medianet:
Sie selbst unterstützen auch andere Veranstalter.

Draxler: Ja, das ist richtig. Und diese Hilfe beginnt schon dort, wo wir sagen können, ob der geplante Event Potenzial hat, und geht bis zu Ratschlägen bezüglich einer passenden Location. Zusätzlich unterstützen wir kleinere Veranstalter in der Kommunikation und von Fall zu Fall auch finanziell.

medianet:
Zurück zur stadt wien marketing: Gibt es Events, die Sie noch gern machen würden?
Forsthuber: Da gibt es sicher einige Dinge, wie etwa heuer ein Jahresprogramm zum Thema ‚150 Jahre Ringstraßen’, das nur teilweise zur Umsetzung gelangt ist. Generell sind wir aber aufgefordert – und das tun wir auch –, stets neue Ideen zu präsentieren. Das geht von Veranstaltungsformaten wie der Neuauflage höchst erfolgreichen ‚Tag der offenen Tür’ im Rathaus bis hin zu Ideen, um auch saisonal bedingt eher ruhigere Zeiten mit Events zu beleben.

medianet:
Zum Abschluss: Können Sie auch den volkswirtschaftlichen Effekt Ihrer Veranstaltungen beziffern?
Forsthuber: Natürlich. Allein beim jährlichen Silvesterpfad haben sich die Investitionen der Stadt jeweils bereits um 17 Uhr rentiert, und beim Film Festival sind es umgerechnet 600 Ganzjahresarbeitsplätze, die sich hier aufgrund der fiskalen Effekte berechnen lassen.
Draxler: Generell bin ich schon sehr stolz, dass wir auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten eine so große Vielfalt an Events anbieten können.

facts

Der Rathausplatz hat sich in den letzten Jahrzehnten als beliebtes Veranstaltungszentrum etabliert. Neben den zahlreichen Eigenveranstaltungen der Stadt wie das Film Festival, der Wiener Eistraum oder der Wiener Silvesterpfad lädt jährlich eine Vielzahl von weiteren Events Tausende Menschen auf den Wiener Rathausplatz ein. Aber nicht nur für die großen Events ist die stadt wien marketing bekannt – auch spezielle Veranstaltungen, wie der Wiener Weinwandertag, das Festival der Tiere, die Verleihung der Wiener Sportstars, das Mistfest oder die Organisation der Fan-zone während der Fußball EM 2008 sorgen bei der jeweiligen Zielgruppe für Begeisterung.
Wr. Eistraum Wo sich zuletzt über 650.000 Besucherinnen und Besucher tummelten, wird auf einer über 7.000 m² großen Eislandschaft kleinen Sportlern, Anfängern sowie Profis eine zauberhafte Atmosphäre und winterliches Sportvergnügen geboten. Der Traumpfad quer durch den Rathauspark sorgt Jahr für Jahr für Spaß und viel Bewegungsfreiheit auf dem Eis.
Film Festival In den Sommermonaten verwandelt sich der Wiener Rathausplatz in einen einzigartigen Konzertsaal und beliebten Gourmet-Hotspot für Tausende Besucher. Bis zu 700.000 Gäste kommen jeden Sommer, um vor der traumhaften Kulisse des Wiener Rathauses bei freiem Eintritt hochkarätige Musik-Highlights auf einer 300 m² großen Leinwand sowie internationale Top-Gastronomie zu genießen.
Silvesterpfad Schon zum 25. Mal begrüßte Wien heuer die Wienerinnen und Wiener sowie nationale und internationale Gäste zum Jahreswechsel in der Wiener Innenstadt. Ein absolutes Highlight war heuer der Universitätsring und der Rathausplatz. Über 50.000 Gäste begrüßten auf dem Wiener Prachtboulevard um Mitternacht walzertanzend das neue Jahr. Insgesamt 620.000 Besucher feierten auf dem beliebten Silvesterpfad mit Walzermelodien, DJ-Sounds, Oldies ab den 70ern bis hin zu den aktuellen Hits – getanzt wurde an allen zwölf Standorten.

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