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Erfolgsstory mit kleinen Fehlern © FÖFF

Präsentation des Filmfestivalreports: Doris Bauer (FÖFF), Ivo Kummer (Schweiz), Michael Paul und Gerald Zachar (paul & collegen).

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Präsentation des Filmfestivalreports: Doris Bauer (FÖFF), Ivo Kummer (Schweiz), Michael Paul und Gerald Zachar (paul & collegen).

CHRIS HADERER 08.04.2016

Erfolgsstory mit kleinen Fehlern

Die österreichischen Filmfestivals freuen sich über ­steigende Publikumszahlen. Zu geringe Fördermittel führen aber in der Branche zu ­prekären Arbeitsverhältnissen.

••• Von Chris Haderer

GRAZ. Es ist eine Branche, die vorwiegend von prekären Arbeitsverhältnissen geprägt ist – und die dennoch auf der Gewinnerseite steht. Irgendwie. Was die heimischen Filmfestivals angeht, so ist die Situation nicht ganz einfach zu beschreiben. Auf der einen Seite können sich die Festivals über hervorragende Besucherzahlen und damit eine gute Auslastung der Kinos freuen – was die lokalen Wirtschaftsleistung steigert, da jeder Festivaltourist täglich im Schnitt 115 € ausgibt, was im Jahr einem Beitrag von 2,64 Mio. € zum Bruttoinlandsprodukt entspricht – andererseits liegt die Finanzierung bei den meisten Veranstaltungen im Argen, was seinen Niederschlag auch in der finanziellen Situation der Festivalmitarbeiter findet.

Mit dem „Filmfestivalreport” wurde im Umfeld der Grazer „Diagonale” erstmals eine umfassende Studie zur Lage der heimischen Filmfestivals vorgestellt.
Der Filmfestivalreport, der in den vergangenen eineinhalb Jahren vom Consulter paul und collegen im Auftrag des Forums österreichischer Filmfestivals (FÖFF) erstellt wurde, zeigt, „dass es sich bei den österreichischen Filmfestivals durchaus um eine Erfolgs­story handelt”, wie die Studienautoren Michael Paul und Gerald Zachar festhalten.
Dennoch gäbe es auf dem Finanzierungssektor noch jede Menge Arbeit zu leisten.

Gute Auslastung

„Österreich zählt 43 aktive Veranstaltungen, die sich als Filmfestivals charakterisieren lassen, von denen zwei Drittel in den letzten 25 Jahren ins Leben gerufen wurden”, sagt Zachar. Im Forum österreichischer Filmfestivals sind 22 Filmfestivals versammelt, die im Vorjahr 287.123 Besucher ins Kino locken konnten.

Im Jahr 2015 wurden auf den Filmfestivals insgesamt 2.073 Filme gezeigt – das sind etwa viereinhalb Mal mehr Filme wie im gleichen Zeitraum im normalen Kinobetrieb. 26% aller gezeigten Filme wurden in Österreich produziert, 60% aller gezeigten Filme hatten bei Festivals ihre Österreich-Premiere.

Kontinuierliche Planung

Die österreichischen Filmfestivals hatten voriges Jahr ein Gesamtbudget von 6,5 Mio. €, das zu 57% von der öffentlichen Hand bestritten wird. Neben der Viennale, der Diagonale und Crossing Europe, die mit Budgets zwischen 500.000 € und drei Mio. € ausgestattet sind, gibt es (aus budgetärer Sicht) acht mittelgroße Festivals mit Budgets über 100.000 € sowie fünf Festivals, die mit weniger als 50.000 € auskommen müssen. Insgesamt, so der Tenor des FÖFF, stünden den österreichischen Festivals aber zu wenig Mittel zur Verfügung: Weiteres Problem: dabei: „Es gibt keine langfristigen Förderungen, die eine kontinuierliche Festivalplanung über Jahre hinaus ermöglichen”, sagt Paul. Während in der Schweiz etwa vierjährige Leistungsverträge abgeschlossen werden, müssen heimische Festivals jährlich Türklinken putzen gehen. Wichtigste Fördergeber sind mit 51% die Stadt Wien, das Österreichische Bundeskanzleramt (16,5%) und das Österreichische Filminstitut (7,2%). Die Stadt Graz hat zu 5,7% zum Fördertopf der österreichischen Filmfestivals beigetragen, das Land Steiermark zu 3,7% und Oberösterreich zu 3,4%.

Von 463 Mitarbeitern, die 2015 an der Organisation beteiligt waren, konnten nur 8% ihrem Job hauptberuflich nachgehen.
„Um den Mitarbeitern übliche Gagen oder an Kollektivverträgen orientierte Löhne zahlen zu können, wäre ein zusätzliches Budget von ungefähr 1,5 Mio. Euro erforderlich”, so Zachar.

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