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Film-Rating gegen das Rauchen © panthermedia.net/Dualshock

Rauchen wird in Film und Fernsehen oft als sexy und cool dargestellt. Verführt es Jugendliche zur ersten Zigarette?

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Rauchen wird in Film und Fernsehen oft als sexy und cool dargestellt. Verführt es Jugendliche zur ersten Zigarette?

georg biron 08.04.2016

Film-Rating gegen das Rauchen

WHO fordert Warnhinweise: Durch Filme und TV-Shows ­sehen Kinder täglich Zigaretten-Konsum; 46% dieser Szenen befinden sich in Filmen, die ab 13 Jahren freigegeben sind.

••• Von Georg Biron

GENF/BERLIN. Jugendliche greifen laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO immer seltener zu Alkohol und Zigaretten. So ist der Konsum von Alkohol und Tabak bei den 11- bis 15-Jährigen seit 2010 deutlich zurückgegangen.

Der Erhebung zufolge konsumierten v.a. Mädchen seltener Tabak. Während 2010 noch 22% aller 15-jährigen Mädchen angaben, im Alter von 13 Jahren erstmals geraucht zu haben, waren es 2014 nur noch 13%; bei den Jungen sank die Zahl von 26 auf 22%.

In Filmen wird zu oft geraucht

Dennoch sieht die WHO Handlungsbedarf und fordert ein strenges Rating für Filme und Shows mit gezeigtem Tabak-Konsum.

Man macht sich für eine konsequente Regelung der Altersfreigabe stark, die Kinder von Zigaretten fernhalten soll.
„Eine Einstufung von Altersgruppen für Filme ist wichtig. Noch besser wäre es allerdings, wenn im TV, Internet-TV und Filmen grundsätzlich nicht geraucht würde”, unterstreicht der ernährungsmedizinische Wissenschaftler und Buchautor Sven-David Müller.

Neue Raucher verhindern

Durch Filme und TV-Shows sehen Kinder täglich starken Zigaretten-Konsum. Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 werden US-amerikanische Heranwachsende durch Filme jährlich rund drei Mrd. visuellen Eindrücken des Tabak-Konsums ausgesetzt. Etwa 46% dieser Szenen befinden sich in Filmen, die schon ab 13 freigegeben sind.

Das US Centre for Disease Control and Prevention schätzt, dass diese Eindrücke durch Kino- und Fernsehformate derart prägend sind, dass jährlich rund sechs Mio. neue Raucher angeregt werden. Davon würde ein beachtlich hoher Teil unter gesundheitlichen ­Beschwerden im Alter leiden.
„Mindestens acht von zehn Lungenkrebsfällen ließen sich durch Meidung von Tabakkonsum – in Form von Zigaretten- oder Pfeifenrauchen – vermeiden. In vielen Fällen endet Lungenkrebs tödlich. Vor diesem Hintergrund ist neben einer gesunden Lebensführung eine Verminderung der Raucherdarstellung in den Medien sinnvoll und notwendig”, so Müller.

Weniger Product Placement

Die Experten kritisieren unter anderem den neuen James Bond Film „Spectre”, bei dem auffällig oft zur Zigarette gegriffen wird und zudem sehr oft Markennamen beworben werden. Durch dieses erkaufte Product Placement verdient die Filmindustrie jährlich Millionen. Dieser Anteil soll reduziert werden. Zudem fordert die WHO eine Kennzeichnung dieser Inhalte.

„Für die Weltgesundheit wäre es das Beste, wenn überhaupt nicht mehr geraucht, kein Alkohol getrunken würde, sich alle mehr an frischer Luft bewegen würden, mehr Entspannung und eine gesunde Ernährungsweise mit viel Wasser und ausreichend Seefisch, Gemüse, Obst und Nüssen an der Tagesordnung wäre”, so Müller.

Qualmende Filmfiguren

Tatsache ist: Es bleibt nicht folgenlos, wenn in Filmen zur Zigarette gegriffen wird; aktuelle Studien zeigen, dass Rauchen im Kino und TV zu einem positiven Image von Tabakprodukten beiträgt.

An der Studie nahmen über 6.000 US-Jugendliche teil, die über einen Zeitraum von zwei Jahren befragt wurden.
Fazit: Je mehr Rauchszenen ­Jugendliche in Filmen sehen, umso wahrscheinlicher wird es, dass sie selber einmal das Rauchen ausprobieren. Die Studienverantwortlichen errechneten, dass eine Reduzierung von Rauchszenen in Filmen für ab 13-Jährige einen Rückgang der Rauchquote unter Jugendlichen um 18 % bewirken könnte.

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