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„Ich bin, der ich bin”* © Chris Haderer (4)

Neue Rechtsgrundlage Seit Anfang 2017 gelten in Österreich ge-setzliche Rahmenbedingungen, welche die Online-Identifikation erlauben. Damit wird die Online-Vertragsunterzeichnung ohne Medienbruch ermöglicht.

© Chris Haderer (4)

Neue Rechtsgrundlage Seit Anfang 2017 gelten in Österreich ge-setzliche Rahmenbedingungen, welche die Online-Identifikation erlauben. Damit wird die Online-Vertragsunterzeichnung ohne Medienbruch ermöglicht.

Redaktion 03.03.2017

„Ich bin, der ich bin”*

Video-Identifikation macht’s jetzt möglich: Geschäfte wie Kontoeröffnung oder ­Vertragsabschlüsse werden einfach und sicher wie nie zuvor. Die Details dazu im medianet-Round Table.

Seit einigen Wochen ist Video-Identifikation (auch) in Österreich erlaubt. Damit sind nun die verschiedensten Business-Anwendungen in Bereichen wie Banken- und Versicherungsgeschäften, Consumer Finance (Online-Shopping) bzw. ganz allgemein Zahlungsverkehr und Vertragsabschlüsse möglich.

In einem einzigen Jahr (2016) gab es bei einer renommierten österreichischen Bankengruppe einen Zuwachs von 40% (!) bei Online-Eröffnungen von Giro­konten. „Diese Steigerung beim Online-Anteil zeigt, dass der Markt für die Video-Identifi­kation überreif ist”, bringt medianet-Herausgeber Oliver Jonke das Umfeld auf den Punkt. Ohne auf Öffnungszeiten Rücksicht zu nehmen, ohne die Wohnung zu verlassen, können Bankgeschäfte getätigt und Verträge abgeschlossen werden.

Mit Video in die neue Zeit

Möglich wird dies durch die Video-Identifikation. Früher wurde z.B. der Personalausweis gescannt bzw. kopiert oder per Post an das Backoffice übermittelt – ein aufwendiger und umständlicher Vorgang, der allzu oft Konsumenten zum Abbruch des Kaufs bzw. des Vertragsabschlusses verleitet hat.

Auf Unternehmensseite erforderte die detaillierte Kontrolle eingehender Dokumente speziell trainierte Teams und war zudem enorm zeitaufwendig und fehleranfällig.
Beim hochrangig besetzten medianet-Round Table-Gespräch tauschten sich Vertreter großer Banken und Kreditkartenunternehmen mit den Lösungsanbietern CRIF bzw. WebID Solutions über die Neuerungen und vor allem über die mannigfachen Chancen aus, welche die Video-Identifikation mit sich bringt.

Ein echter Quantensprung

Einigkeit herrscht über den „großen Fortschritt”. Die Konsumenten müssen natürlich eine gewisse Affinität zu Online haben. Das sei aber keine Frage des Alters. Zumindest 50% der in Österreich lebenden Menschen seien über kurz oder lang für Video-Identifikation zu begeistern.

Eine mögliche Hürde für den Ein­satz sei keineswegs der Pro­zess selbst. „Der läuft super”, bestätigt Raiffeisen Leasing-Prokurist Alexander Hartner. „Allerdings werden Firmen mit breiter und langjähriger Kundenbasis natürlich nicht alle Kunden online bringen können. Wir sind aber sicher, dass so gut wie alle, die einmal online ,gedealt' haben, es immer wieder tun werden, weil es schnell und bequem ist und weil sie ein sicheres Gefühl dabei haben.”
Summa summarum steht (auch) rund um die Video-Identifikation der Kunde absolut im Vordergrund. „Man muss es ihm so einfach wie möglich machen und ihm die Wahl lassen, auf welche Weise er ein Produkt erwirbt”, weiß Bawag PSK-­Manager Marcus Kapun.
„Sein” Institut meldete praktisch zeitgleich mit der Erste Group im Jänner dieses Jahres, dass man nun auch hierzulande die neue Identifikationsmöglichkeit offe­riert.
Bei Assekuranzen liefert etwa die deutsche Allianz-Versicherung ein Vorzeigebeispiel für die erfolgreiche Anwendung von Video-Identifikation. Dort kommen zwei Anwendungsbereiche zum Einsatz. Eine Schiene ist die Identifikation des Kunden über die Homepage, die zweite ist die mobile Identifikation durch freie Allianz-­Mitarbeiter im Außendienst.
Unternehmensseitig sollte sich davon im Grunde jede Branche angesprochen fühlen, nicht „nur” Banken und Ver­sicherungen. Überall, wo es um den prozessgesteuerten Vertragsabschluss geht, der durchgängig online abgeschlossen werden kann, findet sich eine potenzielle Einsatzquelle.
„Besonders wichtig ist auch der Telekom-Sektor”, sagt dazu Thomas Hajek, CEO von netinsurer.
Abseits von Online-Sparkonten, bei denen die Konditionen auf den ersten Blick klar sind, „steigt der Beratungsaufwand mit der Komplexität des Produkts”, sind die Experten Matthias Neuner, Mario Perner, Sepp Puwein-Borkowski, Fritz Tupy und Gerald Weiss einig. „card complete arbeitet intensiv an der Integration durchgängiger Bestellprozesse für Kartenprodukte inklusive Video-Identifikation und Signatur”, verrät Letzterer.
Generell sind die Experten einig, dass Video-Identifikation künftig „flächendeckend” angeboten wird. „Im eCommerce, speziell bei hochpreisigen Produkten, ist es dem Verkäufer wichtig, dass er sein Geld auch bekommen wird.”
Auch wenn es um die Unterschrift auf Verträgen geht, wird die Identitätsprüfung per Webcam künftig eine Möglichkeit sein. Und in vielen Belangen des E-Government – „beispielsweise wenn sich ein Bürger nach einem Umzug am Computer ummeldet und sich den Weg zur Meldebehörde spart”.
Unterm Strich sind dafür sichere Identifikationssysteme, wie sie von CRIF und WebID Solutions angeboten werden, unverzichtbar. Zur Erklärung dieser Systeme gibt es von CRIF die sogenannte Live-Demo, welche die Abläufe sehr einfach und nachvollziehbar demonstriert.
„Im zugehörigen Workflow sind zusätzliche Services wie etwa Bonitätsprüfungen möglich”, nennt CRIF-Manager Sepp Puwein-Borkowski ein weiteres – sehr wesentliches – „Goodie”.
WebID Solutions liefert dabei die Basis für die sichere Identifikation, CRIF (u.a.) die darüber hinausgehenden „Spezialprüfungen”. Firmen, die das System nutzen, erhalten auf Wunsch eine personalisierte Landing-Page, auf der die Datenabfrage beginnt, um das Corporate-Erscheinungsbild zu gewährleisten.

Resümee – über 2017 hinaus

Unisono waren die Teilnehmer des medianet-Round Tables einig, dass Video-Identifikation ein enormer Zukunftsmarkt ist: Um neue Kunden zu gewinnen, um Bestandskunden mehr Komfort, Geschwindigkeit und Sicherheit zu bieten – aber auch aus logistischen Gründen.

Denn durch das automatisierte Auslesen von Ausweisdaten fallen potenzielle Fehlerquellen weg. Alle Daten stehen von Anfang an in digitaler Form zur Verfügung und können in einen Workflow eingebunden werden.
Bleibt unterm Strich: „Ich bin online wirklich der, der ich behaupte zu sein – und die Video-Identi­fikation belegt es zu 100%!”

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