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„Österreich” im Clinch mit MA © panthermedia.net.net/claudiodivizia
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Michael Fiala 08.04.2016

„Österreich” im Clinch mit MA

Die aktuellen Zahlen weisen für manche Gratismedien eine Delle aus. Bei den Betroffenen löst dies naturgemäß wenig Begeisterung aus.

••• Von Michael Fiala

WIEN. Knapp fünf Mio. Österreicher haben 2015 zu Tageszeitungen gegriffen. Dies geht aus der Österreichischen Medien-Analyse (MA) hervor, die am 31. März präsentiert wurde. Die nationale Reichweite betrug im Vorjahr 68,4% und blieb gegenüber 2014 (69,2%) stabil innerhalb der Schwankungsbreite.

„Krone” wächst in Wien

Größte Tageszeitung ist weiterhin, wenig überraschend, die Kronen Zeitung mit 32,0% Reichweite beziehungsweise 2,335 Mio. Lesern.

Vor allem aus der Bundeshauptstadt Wien gab es erfreuliche Nachrichten. Hier konnte das Boulevardblatt deutlich auf 26,8% Reichweite (plus 2,5 Prozentpunkte) zulegen. „Dass wir in Wien der Gratiskonkurrenz mit einem signifikanten Reichweitenplus die Stirn bieten konnten, freut uns besonders”, meinte der für die Krone verantwortliche Mediaprint-Geschäftsführer Gerhard Riedler zur Entwicklung.
Einen Abtausch gab es dafür in Salzburg. Hier sank die Reichweite der Krone auf 33,9% (minus 4,2), womit sie in in Salzburg hinter den regionalen Konkurrenten Salzburger Nachrichten, der es im Stamm-Bundesland auf 35,4% Reichweite brachte, rutschte.

„Heute” weiter national Nr. 2

Die Gratiszeitung Heute liegt, auch mit einem kleinem Minus von 0,9%, in der aktuellen Media-Analyse national auf Platz zwei hinter der Krone: Mit 12,9% Reichweite erreichte das Blatt von Eva Dichand 938.000 Leserninnen und Leser. Etwas deutlicher war die Delle für Heute in Wien. In der Bundeshauptstadt fiel der Rückgang für Heute mit 32,3% beziehungsweise minus 3,1 Prozentpunkten etwas größer aus. National knapp hinter Heute und damit auf dem dritten Platz liegt die Kleine Zeitung mit konstanten 11,5% Reichweite und 835.000 Lesern.

Fellner-Kritik

Verärgert über die aktuellen Zahlen zeigt sich Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner. Denn: um Minus 1,1 Prozentpunkte und damit auf 8,4% Reichweite und 616.000 Leser ging lt. MA die Leserschaft von Österreich zurück; vor allem Wien (minus 2,4) und Oberösterreich (minus 2,9) fielen auf. Fellner machte eine Umstellung von Face-to-face-Befragung auf Internet-Umfrage für das Abschneiden seines Blatts in der Media-Analyse verantwortlich.

„Die neue Befragungsmethode führt dazu, dass wichtige Zielgruppen – vor allem jüngere, urbane und mobile Leser – offensichtlich nicht mehr ausreichend erreicht werden”, so Fellner über die aktuellen Umfrage-Ergebnisse.
„Wenn es so einfach wäre …”, so Helmut Hanusch, Präsident des Vereins ARGE Media Analysen gegenüber der APA. „Eine Auflagensteigerung führt nicht automatisch zu einer Reichweitensteigerung. Wenn ein Mehr an Auflage durch den Leser nicht aktiv gefordert wird, kann eine Auflagensteigerung dazu führen, dass Mitleser zu Erstlesern werden und die Reichweite davon unbeeinflusst bleibt bzw. kann die Reichweite ebenso sinken, weil insgesamt weniger Personen den Titel in die Hand nehmen. Eine Auflagensteigerung war und ist kein Allheilmittel, um Reichweiten zu steigern”, erklärte Hanusch.

Auf & Ab

Signifikanten Änderungen im nationalen Tageszeitungsmarkt gab es dabei noch bei den Oberösterreichischen Nachrichten mit 5,0% (minus 0,5 Prozentpunkte) und den SN mit 3,2% Reichweite (minus 0,7 Prozentpunkte).

Stabil innerhalb der Schwankungsbreiten blieben der Kurier mit 8,3% Reichweite, Der Standard mit 5,4%, Die Presse mit 4,0%, die TT mit 3,7%, die Vlbg. Nachrichten mit 2,3%, das WirtschaftsBlatt mit 1,1% und die Neue Vorarlberger Tageszeitung mit 0,5%.
Erfreuliches gab es auch für den Kurier: „Mehr als 600.000 Menschen lesen täglich den Kurier und entscheiden sich damit für Journalismus auf höchstem ­Niveau. Das freut uns, denn diese solide Leserentwicklung grenzt uns klar gegenüber den deutlichen Reichweitenverlusten der Gratiskonkurrenz – österreichweit und in Wien – ab”, sagte Kurier-Geschäftsführer Thomas Kralinger in einer ersten Reaktion.

„News” stoppt Negativlauf

Im Magazinbereich konnte das Wochenmagazin News seinen Abwärtstrend stoppen und hielt im Umbau-Jahr 2015 bei stabilen 5,8% Reichweite und 421.000 Lesern. Einen signifikanten Rückgang gab es bei der Programmzeitschrift tv-media, die auf 10,2% Reichweite (­minus 0,7) kam, einen statistisch merkbaren Zuwachs verbuchte E-Media mit 2,9% (plus 0,8).

Das ebenfalls zur News-Gruppe gehörende Magazin wechselte im Vorjahr von 14-tägiger auf monatliche Erscheinungsweise. Für Geo wies die MA mit 6,8% Reichweite einen signifikanten Rückgang von ­minus 0,7 Prozentpunkten aus, für The Red Bulletin 10,5% bzw. ein starkes Minus von 2,1 Prozentpunkte.
Innerhalb der Schwankungsbreiten bewegten sich Servus in Stadt & Land mit 12,6% Reichweite, die Ganze Woche mit 10,3%, Woman mit 6,0%, die ORF-Nachlese mit 5,7%, profil mit 4,8%, der Gewinn mit 3,3%, der trend mit 3,0%, das Sportmagazin mit 2,9%, der Wiener mit 1,9% sowie die Wiener Stadtzeitung Falter mit 1,4%.

„Bundesländerinnen” dabei

Bei den regionalen Wochenzeitungen erreichte die Regionalmedien Austria (RMA) mit ihren Titeln 48,7% der Österreicher bzw. 3,550 Mio. Leser. Die NÖN kamen auf 7,3% Reichweite (533.000 Leser), ein Minus von 0,7%.

Erstmals wurden auch Die Bundesländerinnen österreichweit ausgewiesen; laut aktueller Media-Analyse greifen 360.000 Leserinnen und Leser zu einem Magazin der Bundesländerinnen, zu denen die Titel Tirolerin, Die Oberösterreicherin, Die Steirerin, Kärntner Monat, Die Burgenländerin, Die Niederösterreicherin, Die Vorarlbergerin (­Kooperation), Look! wienlive und Look! Salzburg gehören. Damit hat der 2011 von der Moser Holding (74,9%) und Styria (25,1%) gegründete österreichweite Magazinverbund unter den ­österreichischen Frauenmagazinen die zweithöchste nationale Reichweite.

„Wir liegen vor ‚Woman'”

„In den Bundesländern ­Tirol, Oberösterreich, Vorarlberg und Kärnten liegen wir bei der Reichweite zum Teil weit vor Woman, in anderen Bundesländern insbesondere in Ostösterreich ziehen wir nach”, so Bundesländerinnen-Herausgeberin Uschi Fellner-Pöttler.

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