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„Online-Dating” mit den künftigen Mitarbeitern
britta biron 28.04.2015

„Online-Dating” mit den künftigen Mitarbeitern

Recruiting 3.0 Plattformen wie LinkedIn, Xing, Kununu oder Facebook spielen eine immer größere Rolle

Noch nutzen die Personalabteilungen die Möglichkeit der Sozialen Netze nicht in vollem Umfang.

Wien. Mittlerweile spielt sich ein nicht unwesentlicher Teil des sozialen Lebens im Netz ab. Man informiert sich über Urlaubsziele, unterhält sich mit realen und virtuellen Freunden, sucht (und findet) den Lebenspartner und einen neuen Job.

Auch für die Personalsuche der Unternehmen gewinnen Social Media-Kanäle wie Xing, Facebook und LinkedIn zunehmend an Bedeutung. Einer Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half zufolge nutzen die meisten Unternehmen (40%) Social Media-Portale vor allem, um Stellenangebote zu bewerben und eine größere Anzahl an potenziellen Bewerbern zu erreichen. Die aktive Identifizierung von geeigneten Kandidaten sieht etwa jeder Fünfte (23%) als größten Pluspunkt und immerhin 15% der Unternehmen in Österreich schätzen die Möglichkeit, bei der Auseinandersetzung mit einem Kandidaten dessen Social Media-Profile überprüfen zu können.

Noch wenig Erfahrung

Eine Umfrage des Jobportals karriere.at hat ergeben, dass drei Viertel der HR-Managern, Führungskräften und Unternehmer eine korrekte Online-Reputation von Bewerbern wichtig ist. So sehen 41% einen Zusammenhang zwischen dem Bild des Kandidaten im Netz und der angestrebten Position. Jeder dritte Befragte setzt Professionalität auf allen Ebenen voraus. Dennoch haben laut Robert Half-Umfrage 32% der Unternehmen in Österreich noch nicht erfolgreich über diese Kanäle rekrutiert. Von 100 befragten HR-Managern konnte nur ein Drittel (30%) einen neuen Mitarbeiter über Xing gewinnen. Bei Facebook (27%) und LinkedIn (24%) fällt die Erfolgsquote noch geringer aus.

Ungenutztes Potenzial

„Social Media Recruiting ist ein strategischer Agendapunkt für die HR-Professionals des 21. Jahrhunderts. Netzwerk-Effekte werden derzeit im Marketing und Sales erreicht, jedoch meist noch nicht in der Recruiting-Abteilung. Nur wenige Arbeitgeber nutzen die Potenziale, die Social Media bietet ”, wissen die Vienna Digital-Geschäftsführer Benjamin Ruschin und Sead Ahmetovic und haben daher ein eintägiges Fortbildungsangebot ins Leben gerufen. „Wir möchten Recruitern und HR-Professionals die Skills geben, die sie benötigen, um ihre Social Media-Recruiting-Strategien optimal auszurichten und die neuesten digitalen Recruiting-Tools einzusetzen.”Das erste Social Media Recrui-ting-Training findet am 26. Mai statt. „Als Trainer konnten wir mit Michael Rajiv Shah und Barbara Braehmer zwei Superstars aus der HR-Branche gewinnen, die ihr langjähriges Know-how an HR-Professionals weitergeben werden”, freuen sich die Vienna Digital-Chefs. Abgesehen von Schulungen beeinflussen aber auch noch andere Faktoren, ob und wie erfolgreich man in den Sozialen Netzwerken neue Mitarbeiter findet – ganz besonders der menschliche Faktor. „Die eigenen Mitarbeiter sind die erste Zielgruppe jeder Social Employer Branding-Maßnahme”, sagt Sabine Hoffmann, Geschäftsführerin der auf Social Media spezialisierten Beratungsagentur Ambuzzador, und erklärt auch gleich den Grund dafür: „Ihre Stories sind es, die eine Stellenbeschreibung zum Leben erwecken. Authentische Stimmen der eigenen Mitarbeiter sind immer wieder die meistgeklickten Inhalte, da sie der Marke ein Gesicht geben. Besonders begeisterte Mitarbeiter wirken als Talent Magnets und lösen auch interne Buzz-Effekte aus: Sie schaffen Bedeutung rund um die Markenvision und begeis-tern ­Menschen für das Unternehmensziel.”Welche Kanäle in der Folge für die Mitarbeitersuche genutzt werden, hängt dann vor allem davon ab, welche Zielgruppen angesprochen, welche Stellen besetzt werden sollen.„Für das Lehrlingsrecruiting bieten sich spielerische Ansätze an, mit denen die potenziellen Bewerber das Unternehmen besser kennenlernen und ein Fit zur Marke festgestellt wird”, sagt die Expertin und meint, dass Unternehmen in Österreich derzeit großteils noch auf Social Recruiting-Kampagnen für jüngere Zielgruppen setzen. Dadurch, dass aber längst nicht nur die Jungen ihre sozialen Kontakte im Netz knüpfen, sei das Social Recruiting aber auch für andere Zielgruppen relevant.

Auch für Spezialisten

„Fachkräfte können in Business-Netzwerken oder ganz gezielt in ihren Communities angesprochen werden”, so Hoffmann weiter. Dass mit der richtigen Content- Strategie und der Aktivierung der eigenen Mitarbeiter auch eine kleine und sehr begehrte Zielgruppe mit Social Recruiting erreichbar ist, zeige etwa das Beispiel von Maersk Drilling, einem Unternehmen aus der Öl- und Gasbranche.Auch abseits aktueller Suchmaßnahmen profitieren Unternehmen von den Sozialen Netzwerken. Hoffmann dazu: „Um sich ein Expertennetzwerk rund um die Kernthemen des Unternehmens aufzubauen, sind Business Netzwerke wie LinkedIn ein interessantes Feld.” Denn die hier generierten Kontakte können in der Folge via Empfehlungsmarketing für oft schwer zu besetzende Spezialistenstellen genutzt werden.

Fachmesse im Juni

Den verschiedenen Möglichkeiten, die Soziale Netze für die Arbeitnehmersuche bieten, widmet sich auch die Social Media Recruiting Conference, die am 23. Juni in Wien stattfindet und sich seit ihrer Premiere 2011 als wichtiger Branchentreff von Personalverantwortlichen aus Österreich, der Schweiz und Süddeutschland etabliert hat. Schwerpunktthemen in diesem Jahr sind sind unter anderem die zunehmende Automatisierung im Social Recruiting, das richtige Wording beim Recruiting im Social Web, die Wirksamkeit von Social Media-Innovationen wie Vine oder Snapchat, Active Sourcing, Video Recruiting sowie Parallelen zum Dating.

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