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Smartwatch vs. Brief © Katharina Schiffl; Christian Ecker

Benjamin Ruschin (li.), Chef von Vienna Digital, und Anton Jenzer, DMVÖ-Präsident und Geschäftsführer von VSG Direkt.

© Katharina Schiffl; Christian Ecker

Benjamin Ruschin (li.), Chef von Vienna Digital, und Anton Jenzer, DMVÖ-Präsident und Geschäftsführer von VSG Direkt.

16.10.2015

Smartwatch vs. Brief

Dialogmarketing wird immer digitaler – aber ist dessen analoger „Bruder” deswegen ein Auslaufmodell?

WIEN. Nach dem Läuten des Weckers in der Früh folgt der routinierte Griff zum Smartphone. In der U-Bahn werden die ersten Mails gecheckt, bevor der Tag überhaupt richtig begonnen hat. Die digitale Revolution hat nicht nur unsere Tagesroutine verändert, sondern auch den Werbemarkt: Um satte 16% legte die Online-Werbung laut Internet Advertising Bureau Austria (IAB) im Jahr 2014 in Österreich zu. Europaweit liegt das Online-Wachstum bei 11,6% und einem Bruttowerbewert von 30,7 Mrd. €. Trotzdem sind sich Experten nicht einig, ob die analogen Werbeformen gänzlich aussterben werden.

Präzise und smart

Benjamin Ruschin, Geschäftsführer von Vienna Digital, prophezeit das Ende reiner Analog-Strategien. Er sieht in digitalen Marketingformen Möglichkeiten, die mit analogen Maßnahmen niemals umgesetzt werden könnten.

„Ich kann nicht nur jedes Detail meiner Kampagne analysieren, sondern auch perfekt targeten”, betont Ruschin die Vorteile. So können auch heterogene oder schwer erreichbare Zielgruppen präzis angesprochen werden. Großes Potenzial sieht Ruschin auch durch den hohen Automatisierungsgrad. Denn wer digitale Marketingtools so miteinander verknüpft, dass sie ineinanderwirken, „der profitiert von einer Effizienz, die im analogen Marketing niemals möglich sein wird”.
Durch das genaue Tracking kann der Kunde zusätzlich über einen längeren Zeitraum ­begleitet werden. „Ich kann eine ganze Geschichte aufbauen, anstatt immer nur das gleiche Motiv zu schalten”, erklärt ­Ruschin.
Deshalb ist der Multi Channel-Dialog für ihn eine Grundsatzentscheidung, die man unbedingt treffen sollte.

Mailing per Post

Anton Jenzer, DMVÖ-Präsident und Geschäftsführer von VSG Direkt, meint: „Die Diskussion, ob Print oder Online besser ist, halte ich für obsolet.” Seiner Meinung nach gehört dem ­hybriden Marketing die Zukunft.

Es gehe immer um den jeweils zur Zielgruppe passenden Einsatz von Medien bzw. beim Einsatz mehrerer Medien um die intelligente Verzahnung derselben.
So gesehen, ist Printwerbung noch lange nicht am Ende – im Gegenteil: „Durch die Möglichkeiten der Individualisierung wird das gedruckte Direct-Mail zum Premium-Medium”, meint Jenzer. Angesichts der Flut an E-Mails, Feeds und Tweets fühle sich der Konsument bisweilen auch überfordert, wenn nicht sogar genervt. Aktuelle Studien zeigten jedenfalls, dass gedruckte, für die Zielgruppe relevante Werbung bei den Empfängern beliebt sind und eine hohe Akzeptanz haben.
„Erfolgreiche Onlineversender wie Zalando haben das bereits erkannt und setzen mittlerweile auch auf gedruckte Werbung”, so Jenzer.

Nicht „oder” sondern „und”

In einem Punkt sind sich beide Dialogprofis einig: Letztendlich bestimmt die Zielgruppe die Art der Ansprache und die Tonalität. Generell geht der Trend immer mehr in Richtung Multi-Channel-Kampagnen. Ob das „klassische” Dialogmarketing also je verschwindet, bleibt abzuwarten. (wj)

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