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Von parallelen Existenzen © gantnerundenzi/vyhnalek.com

Kreativer Markus Enzi gründete gemeinsam mit Daniel Gantner die Werbe­agentur ­gantnerundenzi.

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Kreativer Markus Enzi gründete gemeinsam mit Daniel Gantner die Werbe­agentur ­gantnerundenzi.

Marcus Schuller 18.03.2016

Von parallelen Existenzen

Markus Enzi ist Mitgründer der Agentur gantnerundenzi und erklärt, wie Kreative Dialogmarketing sehen.

••• Von Marcus Schuller

WIEN. Markus Enzi ist Mitgründer von „Österreichs erster und einziger Werbeagentur, in der alle Kontakteraufgaben ausschließlich von Kreativen übernommen werden”, so heißt es zumindest auf der Website von gantnerundenzi.

Die Agentur selbst arbeitet für Kunden wie Bahlsen, Falkensteiner Hotels & Residences, Villacher, bet-at-home, oder sie BKS Bank.

Im Interview mit medianet sprach Enzi nicht nur über die Sicht eines Kreativen auf Direktmarketing, sondern auch ständige Wiederholungen.


medianet: Herr Enzi, was verstehen Sie unter Dialogmarketing?
Markus Enzi: Dialogmarketing ist aus der Sicht eines Kreativen der Versuch einer neudeutschen Bedeutungsaufwertung von Direktmarketing.

So wie heute keiner mehr das Wort Reklame verwendet. Nicht einmal mehr Werbung. Da verwendet man schon lieber den Begriff ‚Kommunikationsmaßnahmen'.


medianet:
Womit wir mitten im Thema sind: Gehört das sogenannte Dialogmarketing nun den Spezialisten oder ist es einfach nur ein Teil der gesammelten ‚Kommunikationsmaßnahmen' geworden?
Enzi: Dazu scheint ein Zitat aus Helmut Qualtingers ‚Unternehmen Kornmandl' passend: ‚Die Polizeifahrzeuge sind ausgeschwärmt, um sich bei Gefahr sofort wieder zu vereinen.'

Anders ausgedrückt: Die Disziplinen sind ausgeschwärmt, um sich in schwierigen Zeiten wieder unter einem Hut zu ­finden.


medianet:
Das heißt, die Geschichte wiederholt sich?
Enzi: Und zwar seit Erfindung der Massenmedien. Als das Radio kam, gab es Spezialisten für Radiowerbung.

Und als das Fernsehen in jeden Haushalt einzog, war es schick, Fernsehwerbung zu machen. Die schnöden Direct-Mails wurden von Kreativen zweiter Klasse verfertigt.
Lohnschreiber und Schreibsklaven, denen der Geruch des Scheiterns an den klassischen Disziplinen anhaftete. Und so blieb es bis zur Erfindung des Internets.
Wieder sprießten die Spezialisten wie Pilze aus dem Boden, und man gründete reine Online-Agenturen mit 40 Mitarbeitern.
Die großen Agenturen gründeten Units. Die Units wurden reintegriert, und die Online-Agenturen verschwanden, wurden aufgesogen oder marginalisiert.
Ein Laptop ist eine Online-Agentur. Irgendwann in dieser Zeit etablierte sich auch der Begriff Dialogmarketing. Schon kamen neue Spezialisten. Social-Media war geboren und damit die Experten. Units wurden gegründet und Spezialagenturen. Auf den Hype folgte Ernüchterung.


medianet:
Und heute?
Enzi: Heute gibt es Radiowerbung und Fernsehspots, Mailings und Flyer. Es gibt interaktive Banner und Forenmarketing. Es hat sich ein Gesetz der Publizistik bewahrheitet:

Noch nie hat ein neues Medium ein altes obsolet gemacht. Alles existiert parallel. Das Radio konnte die Zeitung nicht killen, das Fernsehen nicht das Radio, das Internet nicht das Fernsehen.


medianet:
Was bedeutet das für Agenturen?
Enzi: Dass es immer kleinere Agenturen gibt, die sich um immer mehr Dinge gleichzeitig kümmern – mitnichten eine Lanze für Spezialisten!

Wer es nicht versteht, kreativ auf allen Klavieren zu spielen, der wird wirtschaftlich nicht erfolgreich sein. Das sind gute Nachrichten für die Dialogmarketer, die immer ein bisschen neidisch auf uns Klassiker geschaut haben, und schlechte Nachrichten für die klassischen Werber, die immer schon ein bisschen abfällig auf die Direct-Marketer geschaut haben. Das können wir uns in Hinkunft sparen.
Denn wer noch immer nicht begriffen hat, dass der Kuchen kleiner wird und es vor allem darum geht, größere Stücke davon abzubekommen, der wird mit den Wörtern ‚Reklamemacher' und ‚Postwurfsender' geächtet.

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