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Die Datenlawine fährt ab © Chris Haderer

Die Zukunft des Individualverkehrs? Ein selbstfahrender Mercedes, der von einer Vielzahl von Computersystemen gesteuert wird.

© Chris Haderer

Die Zukunft des Individualverkehrs? Ein selbstfahrender Mercedes, der von einer Vielzahl von Computersystemen gesteuert wird.

09.10.2015

Die Datenlawine fährt ab

Eine an der TU Wien entwickelte Mobilitätsplattform soll die Verknüpfung von Daten vereinfachen, die für Autofahrten relevant sein können.

••• Von Christoph Fellmer

WIEN. Autofahren ist mehr, als sich einfach nur fortzubewegen – vor allem Visionen über zukünftige Fahrzeuge, wie sie in Form eines selbstfahrenden Mercedes kürzlich von Daimler präsentiert wurden, versprechen neue Fahrerlebnisse.

Aber auch die während der Fahrt gewonnenen Daten können interessant sein: Ein Navigationssystem berechnet die Fahrtroute, es gibt öffentlich verfügbare Daten über freie Parkplätze in Parkhäusern, die aktuelle Verkehrssituation oder Öffnungszeiten von Stromtank­stellen.
Der Terminkalender gibt Auskunft darüber, ob man es gerade eilig hat, das Auto selbst erhebt über zahlreiche Sensoren Daten, von denen der Fahrer oft gar nichts weiß. Gleichzeitig ist das Internet voll von potenziell interessanten Zusatzinformationen – etwa über Sehenswürdigkeiten entlang der Fahrtstrecke.

Dreijahresprojekt

Das Manko: All diese Daten liegen in völlig unterschiedlicher Form vor, daher ist es oft schwierig, sie zu verknüpfen und effizient zu nutzen. Im Rahmen des von der EU geförderten und auf drei Jahre ausgelegten Forschungsprojekts „Simpli-City – The Road User Information System of the Future”, geleitet von der TU Wien, wurde nun eine Datenplattform für mobilitätsbezogene Daten entwickelt, die derzeit im Rahmen einer Machbarkeitsstudie auf ihre kommerzielle Verwertbarkeit geprüft wird.

Entwickelt wurde ein Mobilitätsassistent, der Informationen und mobilitätsbezogene Funktionen aus ganz unterschiedlichen Quellen bündelt. Das gelingt mittels einer neu entwickelten Abstraktionsschicht, die über verschiedene Protokolle auf externe Daten zugreifen und sie dann automatisiert in ein einheitliches Datenformat übersetzen kann. Der Mobilitätsassistent kann dann beispielsweise am Handy installiert und dann mit Fingertippen oder per Spracheingabe gesteuert werden.
Die Daten können auch gespeichert und für eine spätere Analyse bereitgestellt werden. So lassen sich beispielsweise auf Basis von Livedaten aus dem Auto und gespeicherten Informationen über vergangene Fahrten Empfehlungen für das Fahrverhalten generieren. Auch Soziale Netzwerke können miteingebunden werden. Vielleicht will man den eigenen Treibstoffverbrauch mit Freunden vergleichen und so ein besseres Bewusstsein für unseren ökologischen Fußabdruck schaffen?

Entwicklerhilfe

„Die App-Revolution im Handymarkt hat gezeigt, dass viele innovative Apps von Drittanbietern zur Verfügung gestellt werden”, sagt Stefan Schulte (Institut für Informationssysteme, TU Wien), der Leiter des Forschungsprojekts. Ähnliche Möglichkeiten sollen nun auch für die Verarbeitung von Mobilitätsdaten geschaffen werden. Softwareentwickler sollen sich nicht mehr mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Formaten herumschlagen müssen, stattdessen steht nun ein einheitliches Datenmodell zur Verfügung.

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